Stadtwächter solidarisieren sich
Bild: Darhoven
Sie treten gemeinsam für Sicherheit, Anerkennung, Rückhalt und Respekt ein, um künftig eine professionelle Arbeit zur Sicherheit der Bürger leisten zu können: (v. l.) Ralf Martin Prattke, Rolf Gall, Christian Schneider und Sascha Fechner.
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Zur Erinnerung: Die Diskussion dreht sich um Befugnisse, fehlende Dienstanweisungen und Arbeitsplatzbeschreibungen sowie eine fehlende Rückendeckung. Prattke, der seit zwölf Jahren als Stadtwächter nachts in den Parks, auf Schulhöfen und anderen dunklen Ecken nach dem Rechten schaut und – wie seine Kollegen auch – wollte nicht länger alles schweigend hinnehmen. Er hatte den fehlenden Rückhalt der Stadt und auch das damit verbundene schlechte Arbeitsklima öffentlich gemacht. Und mit dieser Meinung steht er nicht allein da.

Auch weitere Stadtwächter äußern jetzt deutlich ihren Unmut. Sie beklagen etwa, dass die Stadtverwaltung noch immer kein sachliches Gespräch mit ihnen geführt habe. Die erst kürzlich eilig herausgegebenen Handlungsempfehlungen widersprächen der bisherigen Arbeitsweise der Stadtwächter, betonen die Mitarbeiter des Ordnungsamts. „Es kann nicht sein, dass wir ohne jeglichen Rückhalt der Behörde als Stadtwächter und somit als Teil der Ordnungsbehörde nachts einen nicht ungefährlichen Job machen, ohne speziell geschult zu sein oder auch nur ansatzweise Befugnisse zu haben, um uns vor Angriffen schützen zu können“, ärgerte sich Christian Schneider.

Genau wie weitere der acht Kollegen möchte auch Rolf Gall nicht weiter unter diesen Rahmenbedingungen arbeiten. „Entweder nun redet mal endlich jemand mit uns und die Stadtwacht-Aufgaben werden nach zwölf Jahren endlich vernünftig definiert – oder ich bin weg“, unterstreicht Gall seine Wechselbereitschaft. Ähnliches ist auch von weiteren Kollegen zu hören. Die Stadt habe den Stadtwächtern Gespräche zugesagt, die seien aber bisher noch nicht erfolgt.

Und genau dieses Schweigen und Aussitzen ist es, was die Männer mächtig auf die Palme bringt, wie sie sagen. „Wir sind es doch, die nachts und an den Wochenenden viele Stunden im Einsatz sind, um ein Stück weit für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Wenn es dann darum geht, Lobhudeleien entgegenzunehmen, ist man von der Verwaltung immer schnell dabei. Doch von denen war bis heute noch niemand nachts mit uns unterwegs. Die wissen gar nicht, was so los ist“, beklagt ein Stadtwächter, der aus Sorge vor möglichen Repressalien lieber ungenannt bleiben möchte. Die Mitarbeiter sprechen von einem höchst unfairen und unprofessionellem Verhalten sowie mangelndem Respekt den Stadtwächtern gegenüber.

Bürgermeisterin stellt einiges klar

Auf Nachfrage der „Glocke“ äußert sich auch Bürgermeisterin Sabine Ambeck-Dopheide (SPD) zu den Vorwürfen. „Das Gespräch mit den Stadtwachtkollegen wird am 27. März stattfinden. In dieser Außendienstbesprechung soll geklärt werden, welche klarstellenden schriftlichen Regelungen erforderlich und geeignet sind, um den Kollegen mehr Sicherheit zu geben. Des Weiteren werde ich hören, inwiefern den Kollegen bisher Rückendeckung fehlte.“

Auch machte das Stadtoberhaupt deutlich, dass es seit 2006, also von Beginn an, monatliche Dienstbesprechungen im Beisein der zuständigen Vorgesetzten gegeben habe, „in denen Vorgehen und Reichweite der Befugnisse erörtert und festgelegt wurden“. Seit Oktober 2013 sei der Tagesordnungspunkt „Aussprache über die zurückliegenden Dienste“ auch fester Bestandteil der Treffen.

Sabine Amsbeck-Dopheide stellte klar: „Bei der Einführung von neuen Ausrüstungsgegenständen wie Pfefferspray sind die Mitarbeiter belehrt und in die Handhabung eingewiesen worden. Vor Arbeitsaufnahme sind alle Kolleginnen und Kollegen intern geschult worden.“ Externe Schulungen beim kommunalen Studieninstitut seien zum Thema Eigensicherung erfolgt. „Seminarinhalte sind Gefährdungslagen, Eigensicherung, Grundsätze im Außendienst, Notwehr und Nothilfe, Strategien für die Selbstsicherheit“, so Sabine Amsbeck-Dopheide.

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