Tafel mit brachialer Gewalt zerstört
Bild: Aundrup
Da fehlt etwas: An der Allee der Erinnerung im Moddenbachtal wurde die Gedenktafel der Metallstele mit blinder Zerstörungswut demoliert – und das nicht zum ersten Mal. Jetzt soll eine andere Lösung her, über die die Politik zu entscheiden hat.
Bild: Aundrup

 „Da muss jemand mit einem Hammer oder Stein draufgeschlagen haben“, so der stellvertretende Bauhofleiter Karl-Heinz Toppmöller. Dass die Gedenktafel aus Metall an der Allee der Erinnerung am Weg zwischen dem Hallenbad und dem Schwanenteich fehlt, ist den Politikern der UWG-Fraktion kürzlich aufgefallen.

UWG wünscht sich eine Lösung

Schon vor zwei Jahren hatten die Unabhängigen den Zustand der Stele moniert. Und jetzt fehlt die Gedenktafel komplett. „Im Mai 2020 liegt das Ende des Zweiten Weltkriegs 75 Jahre zurück. Wir legen sehr großen Wert darauf, dass die Stele mit Text bis zu diesem Datum hergestellt ist“, schreibt UWG-Fraktionssprecher Johannes Sieweke in einem Antrag, den er vor wenigen Tagen an Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide (SPD) geschickt hat.

Nach Alternativen suchen

 „Die Glocke“ hat beim Harsewinkeler Bauhof nachgefragt, was mit der Gedenktafel passiert. „Dadurch, dass die Tafel schon zig Mal zerstört wurde, müssen wir nach anderen Lösungen suchen“, machte Karl-Heinz Toppmöller deutlich. Näher darauf eingehen wollte der stellvertretende Bauhofleiter nicht: „Das wird demnächst Thema im Ausschuss sein.“

Straßennamenschild statt Gedenktafel

Wie diese Zeitung von anderer Seite erfuhr, können sich die Verantwortlichen statt einer Gedenktafel auch eine Alternative vorstellen – zum Beispiel eine Art Straßennamenschild mit der Aufschrift „Allee der Erinnerung“ und einem Zusatz mit Hintergrundinformationen darunter. Schon allein aufgrund der Höhe des Schildes ist es so eher vor Vandalismus geschützt als die bisherige niedrige Gedenktafel.

Politik muss entscheiden

Was dort tatsächlich realisiert wird, müssen am Ende die Lokalpolitiker entscheiden. Die Stele soll auf die Allee der Erinnerung im Moddenbachtal verweisen. 2005 wurde 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein Zeichen für den Erhalt des Friedens gesetzt.

25 Sponsoren stifteten 25 Linden

25 Sponsoren stifteten seinerzeit die 25 Linden, die seitdem die Allee bilden. Spender waren die katholische und evangelische Kirchengemeinde, Schüler des Gymnasiums und der Hauptschule, die CDU, SPD, UWG, FDP und die Grünen, der Partnerschaftsverein, die Marienfelder Werbegemeinschaft, der Harsewinkeler Verkehrsverein, Kreditinstitute, Unternehmer und Privatpersonen sowie die Bürgermeister aus Harsewinkel und Les Andelys.

Hintergrund

Am 8. Mai 2005 wurde im Moddenbachtal die Allee der Erinnerung eingeweiht. Der Bürgermeister der französischen Partnerstadt Les Andelys, Frank Gilard, und Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide pflanzten gemeinsam die letzte der insgesamt 25 Linden, die seither die Allee der Erinnerung bilden.

Zeichen für den Erhalt des Friedens

 Damit setzten die beiden Partnerstädte 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein Zeichen für den Erhalt des Friedens und der Wahrung der Menschwürde. Gemeinsam enthüllten Frank Gilard und Sabine Amsbeck-Dopheide eine Gedenktafel, die auch an die deutsch-französische Freundschaft erinnern soll. Zeitgleich pflanzten Ex-Bürgermeister Reinhard Haase und der damalige Ehrenpräsident des Partnerschaftsvereins Les Andelys/Harsewinkel, Julius Petri, eine Linde in der französischen Partnerstadt.

Leid über die Völker Europas gebracht

Ein Auszug aus dem Text der Gedenktafel: „60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde die Allee der Erinnerung eingeweiht . . . Mit dieser gemeinsamen Aktion erinnern die Partnerstädte an das Leid, das die nationalsozialistische Diktatur und der von ihr entfesselte Zweite Weltkrieg über die Völker Europas gebracht haben. Eindringlich wollen sie mahnen, dass die Erhaltung des Friedens und die Wahrung der Menschenwürde Grundlage aller Politik sein müssen . . .“

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