Vier neue Orte für Trauungen eingeweiht
Foto: Steinecke
Rund 20 Paare lassen sich normalerweise während der Hauptheiratszeit jeden Monat in Harsewinkel trauen. „Durch Corona sind es nur noch zirka die Hälfte“, sagt Andrea Beckmann (links). Das Bild zeigt die Standesbeamtin mit ihren Kolleginnen Susanne Schön (Mitte) und Doris Wenderoth.
Foto: Steinecke

„Bitter, da haben sich die Leute darauf gefreut und dann klappt es nicht“, sagt Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide. Trauungen während der Corona-Krise hätten nur eingeschränkt durchgeführt werden können.

Nicht einmal Trauzeugen waren zugelassen

Deshalb habe die Verwaltung nach Möglichkeiten gesucht, dass mehr Gäste der Zeremonie beiwohnen dürfen. Im Hochzeitszimmer des Rincklake-Hauses sei nur das Brautpaar anwesend gewesen. Nicht einmal Trauzeugen waren zugelassen.

Also sei die Idee mit dem Marienfelder Bürgerhauses schnell geboren gewesen. Und dann sollte Greffen dabei sein, habe es geheißen. Die Bürgermeisterin weist darauf hin, dass eine Trauung in der Alten Abtei nicht an die Buchung eines Arrangements in der Klosterpforte gebunden sei.

Rund 20 Paare lassen sich normalerweise während der Hauptheiratszeit jeden Monat in Harsewinkel trauen. „Durch Corona sind es nur noch zirka die Hälfte“, sagt Andrea Beckmann. Die Standesbeamtin weihte am Samstag das Bürgerhaus in Marienfeld als Trauzimmer ein. „Ich freue mich darauf, aber nervös bin ich nicht“, erklärte sie im Vorfeld. Vom Stehpult aus zu Braut und Bräutigam sprechen, sei allerdings schon eine ungewohnte Angelegenheit. Das habe sie in ihrer 19-jährigen Karriere als Standesbeamtin noch nicht gemacht.

Bürgermeisterin darf nicht einfach jemanden verheiraten

Während Andrea Beckmann ein alter Hase im Heiratsgeschäft ist, fängt Doris Wenderoth gerade erst an. Seit drei Wochen ist sie dabei. Eine Trauung durchführen darf sie noch nicht. Auch die Bürgermeisterin könnte nicht einfach jemanden verheiraten – so wie etwa die Legende des Kapitäns auf hoher See. Dafür muss zunächst eine Bestellungsurkunde ausgehändigt werden. Bevor es die jedoch gibt, gilt es, einen zweiwöchigen Kurs und eine Prüfung zu absolvieren.

Aber dann kann es losgehen, mit einfühlsamen Worten zum Tag aller Tage? Die Standesbeamtinnen treten auf die Emotionsbremse: „Das ist in erster Linie ein Verwaltungsakt.“ Unter anderem geht es um nüchterne Themen wie Namensrechte. Weshalb auch ein Kurs für angehende Standesbeamte nötig sei. Aber selbstverständlich komme die persönliche Ansprache nicht zu kurz. Was gelernt sein will, denn die beinhaltet der Vorbereitungskurs nicht. „Da möchte ich gern den Kolleginnen vorher ein bisschen über die Schulter schauen“, sagt Doris Wenderoth.

Ein Aufgebot muss vor einer standesamtlichen Trauung ja nicht mehr gestellt werden. Wie lange dauert es eigentlich, bis man heiraten darf? „Wenn alle Unterlagen vorhanden sind, dann von jetzt auf gleich“, erklärt Andrea Beckmann. Realistisch sei aber innerhalb von einer Woche, schließlich müsste ja auch eine Standesbeamtin gerade Zeit haben.

Früher waren Trauungen eine Aufgabe für Männer

Zusammen mit Susanne Schön und Marita Wendt gibt es in Harsewinkel insgesamt vier Standesbeamtinnen. Jede besetzt in dieser Funktion eine halbe Stelle. Wenn tatsächlich einmal alle Stricke reißen würden, könnte theoretisch auch der Kämmerer einspringen. Heinz Niebur ist ebenfalls bestellter Standesbeamter, hat aber nie praktiziert. „Heute sind es fast ausschließlich Standesbeamtinnen“, sagt Andrea Beckmann. Es habe aber auch Zeiten gegeben, da arbeiteten nur Männer in dem Bereich. Frauen hatten keinen Zugang.

Wie auch immer, Andrea Beckmann geht davon aus, dass das Standesamt momentan einen Heiratsstau vor sich herschiebt. Viele hätten wegen Corona ihre Trauung aufgeschoben. Im kommenden Jahr könne die Welle dann kommen. Bereits jetzt sei zu merken, dass es anziehe. Da trifft es sich gut, dass Harsewinkel eine der wenigen Kommunen im Kreis ist, in der an jedem Samstag geheiratet werden kann. In Gütersloh dagegen nur an zwei Samstagen im Monat. Dort kostet ein Samstag 70 Euro extra.

Mit allen Gebühren und Familienbuch kommen schon mal rund 230 Euro fürs Ja-Wort zusammen. Was im Vergleich zum Glück der frisch Vermählten wenig ist. Eine der ergreifendsten Hochzeiten sei für Andrea Beckmann die Trauung gewesen, an dem der Bräutigam gleichzeitig 90 Jahre alt wurde.

SOCIAL BOOKMARKS