Violinvirtuose Lukas David begeistert

 Dafür bürgt Professor Burghard Schloemann, seit mehr als 30 Jahren künstlerischer Leiter der „Musik zum Jahresausklang“. Sie hat längst im allerbesten Sinne Kultstatus erreicht. Das jüngste Konzert am Freitagabend hat das in besonders eindrucksvoller Weise untermauert. Auf vielfältige Weise waren die prägenden Programmpunkte, ihre Komponisten sowie die ausführenden Solisten musikalisch und biographisch miteinander verwoben. Dem ganzen Konzert von hohem musikalischen Niveau und gleichzeitig einzigartigem Unterhaltungswert sollte dabei der legendäre Violinvirtuose Lukas David mit seinen überirdisch entrückten Violinsoli die Krone aufsetzen. David, seit Mitte der 50er-Jahre weltweit gefeierter Violinist, ist Sohn des bedeutenden Komponisten Johann Nepomuk David, der seinerseits Schloemanns Kompositionslehrer in Stuttgart war. Mit dem Orgelchoral „Maria zart, von edler Art“ von Arnolt Schlick aus dem 15. Jahrhundert nahm Schloemann zum Auftakt Bezug auf das Patrozinium der Abteikirche, dem Inhalt des Lieds entsprechend, feinnervig registriert. In seinem „Capriccio cromatico“ hat Tarquinio Merula sich rund 100 Jahre später mit der Tonsprache der Chromatik auseinandergesetzt. Er war damit seiner Epoche überraschend weit voraus, wie Schloemann mit seiner Interpretation verdeutlichte. Er ließ seine eigenen, erst in diesem Jahr entstandenen Variationen für Orgel op. 47 über „Es ist ein Ros entsprungen“ folgen. Voller aparter Harmonien glichen sie Knospen, die sich nach und nach zu Blüten entfalten. Ganz im Zentrum des denkwürdigen Abends stand fraglos der charismatische Lukas David zunächst mit seines Vaters „Sonate für Violine allein“, Werk 31 Nr. 2., dann mit Bachs „Chaconne aus der Partita II d-Moll für Violine solo“ (BWV 1004), die lange als unspielbar galt. Völlig unterschiedlich im musikalischen Idiom, verlangen diese Werke den Einsatz des Künstlers bis an die physische und psychische Leistungsgrenze. Ganz den Blick nach innen gerichtet, wirkte Davids Interpretation dieser Stücke aus der Folterkammer der Violinliteratur völlig unangestrengt, flüssig, geschmeidig, ja ätherisch gelöst. Da brandete langer Sonderapplaus auf. Schloemann schloss mit der bekannten und wegen ihrer perlend fließenden Passagen beliebten „Pièce d’Orgue“ (BWV 572) von Johann Sebastian Bach. Ein Musikabend für die Annalen der Abteikirche.

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