Zahl der Alten verdoppelt sich bis 2035
Bild: Mense
Professor Dr. Jürgen Flöthmann diskutierte engagiert mit den gut 50 Gästen beim „Stadtgespräch“.
Bild: Mense

„Es überrascht mich nicht wirklich, dass wir auch im Alter zu viele sein werden“, ergänzte sie. Die Demografiebeauftragte der Stadt, Monika Edler-Rustige, freute sich über „das bunt gemischte Publikum“: Gut 50 Interessierte waren zum „Stadtgespräch“ zum Thema Demografie ins Altenheim gekommen.

Die trockenen Zahlen des aktuellen Demografieberichts für den Kreis Gütersloh füllte der Bielefelder Professor Dr. Jürgen Flöthmann mit Leben. Mitautorin der Datengrundlage ist die Harsewinkeler Diplom-Soziologin Hannah Amsbeck.

Der Volkswirt und Soziologe erklärte, dass ein solcher Demografiebericht für einen ganzen Kreis und alle Gemeinden recht selten in Deutschland sei. Im Vergleich mit anderen Bevölkerungsprognosen sei der Gütersloher Bericht genauer, weil das Autoren-Team mit Vertretern aller Gemeinden intensiv über die Zukunftsentwicklungen diskutiert habe und in den Berechnungen bis 2035 jeweils eine Maximal- und eine Minimalvariante zugrunde lege.

Zahl der 80- bis 109-Jährigen steigt um 98 Prozent

Am 31. Januar 2012 hatte Harsewinkel genau 24 413 Einwohner. Für 2035 prognostiziert die Maximalvariante 23 936 Einwohner (minus 1,7 Prozent), die Minimalvariante 22 950 (minus 5,74 Prozent). Das seien leichte Rückgänge, die der allgemeinen Entwicklung in Deutschland entsprächen, betonte der Professor.

Entscheidend aber sei etwas anderes: die steigende Zahl der Älteren. Die Gruppe der 65- bis 79-Jährigen entwickelt sich von 3209 im Jahr 2009 auf 4443 im Jahr 2035 – ein Zuwachs von 38,45 Prozent. Die Zahl der 80- bis 109-Jährigen steigt von 920 auf 1822 und verdoppelt sich damit beinahe (plus 98 Prozent). Diese Zahlen ändern aber nichts daran, dass Harsewinkel aktuell die jüngste Stadt im Kreis ist.

„Wir haben noch nie so eine Alterung gehabt. Das ist neu und darum für viele auch ein bisschen unheimlich. Es ist viel Phantasie für die Gestaltung dieser neuen Gesellschaft erforderlich“, analysierte Professor Flöthmann. Japan zum Beispiel setzte vollkommen auf die technische Entwicklung und den Einsatz von Robotern in der Altenpflege. Dieses Modell konnten sich die meisten Diskutanten an diesem Abend für Deutschland nicht vorstellen.

SOCIAL BOOKMARKS