Zwischen Bollerbuxen und Pillepoppen
Foto: Grund
Autor Matthias Borner war am Donnerstag im Rahmen der Sommer-Kultur-Bühne mit seiner ostwestfälischen Rundreise über Sprache, Bezeichnungen und Namen zu Gast.
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Während das Gastroteam Töttchen mit Kartoffelsalat servierte, begeisterte Matthias Borner mit seinem informativen Spaziergang durch den ostwestfälischen Regiolekt, der vor allem im Raum Gütersloh und Bielefeld, aber auch in Paderborn und teilweise in Osnabrück gesprochen wird. 

Ein Beispiel von Seuche und Sonne

Zwischen Pölter, Pömpeln, Pillepoppen, Bollerbuxen, Kötteln, Nuckelpinnen und Bratskartoffeln sorgte der gebürtige Gütersloher als Autor einer Reihe von regionalen Wörterbüchern, wie „Pölter, Plörre und Pinöckel“ und „Ausgerechnet Ostwestfalen – von Pömpeln, Poggenpohls und Paperbacks“ für Erklärungen der teils skurrilen hiesigen Redewendungen, Nachnamen und Alltagswortschöpfungen. 

Bestes Beispiel seien die Vokabeln „Seuche und Sonne“, die erst in einem ganzen Satz die volle Bedeutung erhalten. So sei mit der Seuche nicht etwa die Pest gemeint, sondern vielmehr der Stoßseufzer einer gestressten Mutter, die bei einem Kindergeburtstag Spaghetti mit Tomatensoße aufgetischt hatte. „Wie seuche kleinen Blagen sonne große Sauerei veranstalten können, iss mir’n Rätsel“. 

Auf der Suche nach der Zigarrenmarke

Zum „rammdösig“ werden war auch die Suche einer bestimmten Zigarrenmarke, die der rauchfreudige Heinrich Herkströter bei seinem Tabakhändler kaufen wollte. Nachdem der Verkäufer nahezu sein ganzes Zigarrenangebot auf dem Verkaufstresen offeriert hatte, sinnierte Heinrich Herkströter, dass es „sonne knickrige nich waar“ und „Nä, das waarn seuche mit sonner Binde drum. Nä, sonne helle nich, das wüsst ich, eher seuche in dunkler“. 

Nachdem Heinrich Herkströter schließlich kubanische Terraduras lautstark als „Jau, Terradingens, hab ich’s doch chesacht, das waanse, das sindse“ identifiziert hatte, erklärte er schließlich, dass er genau „seuche auf einen Fall mehr ham will, weil die nämich chanz füachtalich schmäcken“. 

Ganz klar: Ein Pinöckel ist zum Prokeln da

Zum Schieflachen war auch die Erklärung des Pömpels, den Matthias Borner als König der ostwestfälischen Sprache bezeichnete. Beim Versuch, einen „Pinöckel“ oder „Pinöppel“ zu erklären, kam Hilfe aus dem Publikum. Ein Pinöckel sei ein Gegenstand, den man zum Prokeln brauche, klärte eine Besucherin, von Beifall begleitet, auf. 

Herrlich schräg auch die ostwestfälische Namenskunde. So hätten die Ostwestfalen nicht nur die längsten, sondern auch einzigartigsten Nachnamen, die auf Berufe, Herkunft oder Vaternamen zurückgehen. Spitzenreiter sei Ottovordemgentschenfelde vor Hemkensamtenschnieder, Beckervordersandforth und Rodenbeckerschnieder. 

Ostwestfälische Sprache pflegen

In einem Appell machte Matthias Borner deutlich, dass es enorm wichtig sei, die ostwestfälische Sprache zu pflegen und auch aktiv zu sprechen, damit sie nicht aussterbe.

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