Als Page unter Hollywood-Größen
Der aus Herzebrock stammende, in Berlin ansässige Schauspieler, Autor und Regisseur Daniel Steiner hat als Page in Wes Andersons hochgelobter Hollywood-Produktion „Grand Budapest Hotel“ mitgewirkt.

Für den aus Herzebrock stammenden Daniel Steiner aber war das während der Dreharbeiten zum Film „Grand Budapest Hotel“ Alltag. Die skurrile Komödie des US-Regisseurs Wes Anderson – just auf der Berlinale mit dem Großen Preis der Jury honoriert – hat an diesem Donnerstag, 6. März,  ihren Bundesstart. In Gütersloh ist sie ab sofort im Programmkino Bambi/Löwenherz zu sehen.

Ein Heimspiel für Daniel Steiner, der einen der Hotelpagen mimt. „Auch wenn ich nur ein kleines Rädchen im Getriebe gewesen bin, so waren die Dreharbeiten schon spannend“, zieht der 40-jährige in Berlin ansässige Schauspieler, Autor und Filmemacher Bilanz.

 Am meisten beeindruckt haben ihn die überaus penible Planung Andersons, die Disziplin aller Akteure, die Unkompliziertheit der Stars im persönlichen Umgang, die familiäre Atmosphäre, die trotz mehrerer hundert Beteiligter am Set geherrscht hat, und die Fähigkeit des Regisseurs, „jedem das Gefühl zu geben, er sei wichtig“, sagt Steiner. Das habe allen Sicherheit und Freiraum für Improvisationen gegeben. Da durfte dann selbst ein einfaches „O.k.“ an prägnanter Stelle gern 30 Mal in immer wieder anderer Betonung und mit wechselnder Mimik wiederholt werden. „Auf einem Bein stehend und um die Ecke schauend, ist es mir dann endlich so gelungen, wie Wes es haben wollte“, erinnert sich Steiner lachend.

 Keine Frage, Anderson ist ein Perfektionist bis hin zur Pedanterie. „Alles musste dem von ihm gewollten Rhythmus folgen, jeder wie ein Uhrwerk funktionieren“, sagt der Herzebrocker Mime. Und: „Der Mann hat ein Faible für Symmetrie. Selbst die Tische in der Kantine rückt er gerade.“

Gedreht wurde Anfang 2013 in der Altstadt von Görlitz. Ein seit langem leerstehendes Jugenstil-Kaufhaus funktionierte man aufwändig zum Grandhotel um. Die passende Kulisse für eine doppelbödige Geschichte, die die historischen Entwicklungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, angefangen bei den Überbleibseln der Belle Époque über den Faschismus bis hin zum Kommunismus, als bizarre Parodie widerspiegelt. Aber was immer auch passiert: Das „Grand Budapest Hotel“ und dessen Chef-Concierge Gustave (Ralph Fiennes) überleben alles, egal wie heikel – oder delikat – die Situation auch ist.

„Unfassbar, wie Fiennes die Unmenge an Text mit allzeit mimischer Grandezza bewältigt hat, ohne je einen Hänger zu haben“, zollt Steiner dem berühmten Kollegen Respekt. „In der Liga spiele ich noch lange nicht“, bekennt der Schauspieler, der seit 2011 vor allem als verschrobener Laborant Rettig aus der TV-Serie „Soko Leipzig“ bekannt ist. Dass er für die nicht zuletzt dank Bill Murray, Willem Dafoe und Adrian Brody illuster besetzte Hollywood-Produktion ausgesucht wurde, schreibt er seinem Aussehen zu. Groß, hager und mit überdimensionaler Brille ausgestattet, weiß der Herzebrocker um seinen „Nerd“-Faktor. Er kultiviert ihn, um aus dem Heer gängiger Typen herauszustechen. Nicht von ungefähr erschien er zum Casting in einem Zirkusdirektor-Kostüm, was ihm ein pagenartiges Aussehen geben sollte. Anderson mit seinem ausgeprägten Sinn fürs Skurrile fand’s lustig und gab Steiner die Rolle.

 Hofft man nach solch einem Einstieg auf weitere Angebote aus Hollywood? „Angesichts dessen, dass die Amerikaner vermehrt in Deutschland drehen, hofft man immer“, gesteht Steiner. „Aber ich bin auch Realist.“ Und deshalb konzentriert er sich auf seine „Soko“-Rolle, dreht 25 Folgen pro Jahr. Ende März arbeitet er in Köln an einer Dokumentation über die Bedeutung des Geldes mit, spielt in einer Culture-Clash-Komödie einer befreundeten Regisseurin mit und bastelt an französisch- und englischsprachigen Film-Clips, um sich den dortigen Märkten zu empfehlen. Eigene Regiearbeiten will Daniel Steiner derzeit nicht in Angriff nehmen. „Es ist so schwierig, in Deutschland einen Produzenten zu finden.“ Die Traumfabrik Film kann mitunter ganz schön schnöde sein.

Den kompletten Artikel lesen Sie auf der lokalen Kulturseite in der Gütersloher „Glocke“ vom 6. März.

SOCIAL BOOKMARKS