Angeklagter will selbst Übergriffe erlebt haben
Foto Haberstroh
Vor dem Landgericht Bielefeld fand der Prozessauftakt statt: Ein 38-Jähriger muss sich wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs verantworten.
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Der Beschuldigte soll in Herzebrock-Clarholz zwischen August 2016 und Oktober 2019 bei zwölf Gelegenheiten seine damals vier Jahre alte Tochter schwer sexuell missbraucht haben. Das verlas Staatsanwältin Julia Schikowski aus der Anklageschrift zum Prozessauftakt.

Zehn Tatvorwürfe stehen im Raum

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zudem Vergehen an einem weiteren Kind vor: Der heute in Kamen wohnende Mann soll zwischen dem 18. August 2017 und Mai 2019 die zu Beginn dieses Tatzeitraums acht Jahre alte Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin in Herzebrock-Clarholz ebenfalls missbraucht haben.

Zehn Tatvorwürfe dafür stehen im Raum. Aufgedeckt wurden die Vorfälle rund zwei Monate nach dem letzten Übergriff. Die beiden Kinder hatten sich ihrer Mutter nach der Trennung des Paares offenbart. Diese meldete sich daraufhin Ende 2019 bei der Polizei.

Kaum Erinnerungen an eigene Kindheit

In 22 Fällen wird dem Angeklagten sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. In zehn Fällen soll er die beiden Mädchen penetriert haben. Bei einigen Taten soll er sie auch körperlich misshandelt und Gewalt eingesetzt haben. Laut Anklage hätten sich die Handlungen vor allem im Schlaf- und Wohnzimmer sowie in der Dusche ereignet.

Richterin Verena Willeke stellte dem Angeklagten Fragen zur familiären Situation und seinem Lebenslauf. Der Angeklagte äußerte sich unter anderem zu sexuellen Übergriffen, die er selbst als Kind erfahren habe. Vermutlich im Grundschulalter sei er mehrfach von seinem Stiefvater und seinen Onkeln im Genitalbereich berührt worden. „Ich habe kaum Erinnerungen. Ich möchte mich auch nicht erinnern“, sagte der Angeklagte, der 1982 in Ahlen geboren wurde. Seine Eltern trennten sich, als er drei Jahre alt war. Zum Vater habe er kaum Kontakt gehabt. Auch zu seinem Stiefvater habe es kein gutes Verhältnis gegeben. Von Prügeln war die Rede.

Drei Ausbildungen abgebrochen

Nach seinem Hauptschulabschluss begann der heute 38-Jährige eine Ausbildung als Industriemechaniker. Diese brach er wie auch zwei weitere Lehren aufgrund von Krankheiten ab. Daher ist der Angeklagte, der 2011 mit seiner damaligen Partnerin nach Herzebrock-Clarholz zog, Frührentner.

Der Prozess vor dem Landgericht wird am Freitag, 31. Juli, ab 9.30 Uhr im Saal 3 fortgesetzt. Der Beschuldigte will eine Stellungnahme abgeben. In einer nächsten Sitzung soll dann eine Zeugin angehört werden.

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