Bibelgeschichten auf Fliesen in Clarholz
Bild: Ahlke
Bei der Eröffnung der Ausstellung mit historischen Bibelfliesen: (v. l.) Gottfried Pavenstädt, Pfarrer Kurt Perrey, Pfarrer Thorsten Maruschke und Pfarrer Artur Töws.
Bild: Ahlke

Gottfried Pavenstädt, Vorsitzender des Freundeskreises Propstei, begrüßte als Veranstalter rund 30 Interessierte im Museum in der Kellnerei im ehemaligen Kloster Clarholz. 96 historische Bibelfliesen bilden den Kern der wertvollen Sammlung, die die Projektgruppe Kulturgut Bibelfliesen aus Norden seit mehr als zehn Jahren zusammengetragen hat: Einige wurden gestiftet, andere durch Spenden, Zuschüsse und Einnahmen angeschafft, wieder andere sind Dauerleihgaben. Gepackt habe ihn die Materie, als er 2003 Pfarrer in Norden war und bei der Recherche zum Thema Bild und Bibel den Niederländer Jan Pluis kennengelernt habe, erinnert sich Kurt Perrey. Jan Pluis habe seit 1994 Bibelfliesen systematisch erfasst und gelte als der Experte für historische Wandfliesen.

Bibelfliesen aus den Niederlanden sind seit dem frühen 17. Jahrhundert bekannt. Auf ihnen sind – meist nach Vorlagen alter Meister – Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt. Wenige Jahre nachdem unter dem Einfluss der Reformation und des Calvinismus biblische Bilder aus den Kirchen verbannt wurden, blühte der Handel mit den 13 mal 13 Zentimeter großen Bibelfliesen. In friesischen Bürgerhäusern und Bauernhöfen zierten sie den Herd oder die Kaminrückwand in der guten Stube. Als Zeichen gehobener Wohnkultur aber auch als Anregung zum Nachdenken und Sprechen über die biblischen Erzählungen waren sie erlaubt.

Die handwerklich meisterlich gestalteten Motivfliesen aus niederländischen Werkstätten sind in Kobaltblau (Delfter Blau) oder in Mangan (bräunlich violett) glasiert. Meist im Verbund mit anderen Darstellungen, wiederholen sich Motive auf großen Flächen und doch ist jede Fliese ein Unikat, betont Kurt Perrey. Große Fliesenwände sind in der Ausstellung mit zwei großen Plakaten täuschend echt dargestellt. Ein Raster mit Kennziffern auf die Bibelstellen im Alten und Neuen Testament hilft bei der Zuordnung.

Die älteste zu sehende Fliese stammt aus dem Jahr 1670. Sie ist in einem der 16 Kästen zu sehen, in denen die 96 historischen Bibelfliesen nach Alter, Manufaktur, Bibelstellenzuordnung gezeigt werden. Zugeordnet sind 38 Texte aus dem Alten und 58 Texte aus dem Neuen Testament, die man Dank einer an jedem Kasten ausliegenden und an passender Stelle aufgeschlagenen Bibel nachlesen kann.

Die aktuelle Ausstellung im Museum in der Kellnerei entstand auch durch Anregung von Pfarrer Thorsten Maruschke, der bis zum Wechsel nach Gütersloh Anfang dieses Jahres im Pfarrbezirk Herzebrock-Clarholz tätig war. Die Ausstellung passe zum Themenjahr „Bild und Bibel“ in der Reformationsdekade, die auf das 500. Jahr der Reformation durch Martin Luther (2017) vorbereitet. Sie biete viel pädagogisches Potenzial, meinte er bei der Eröffnung. Gottfried Pavenstädt freute sich, Pfarrer Thorsten Maruschke sowie Pfarrer Artur Töws und Pfarrerin Sarah Töws aus Rheda-Wiedenbrück zur Ausstellungseröffnung begrüßen zu können. Er dankte allen, die am Zustandekommen, Aufbau und Gestaltung dieser Ausstellung beteiligt waren. Für den 11. Oktober ist ab 18 Uhr eine Finissage geplant, zu der Pfarrer Kurt Perrey erneut erwartet wird.

Ein reichhaltiger Büchertisch, zu dem auch die Fliesenbibel zählt, herausgegeben vom Kirchenkreis Norden, mit einem Vorwort von Margot Käßmann und Erläuterungen von Jan Pluis, rundet die Ausstellung ab. Gleichzeitig zu sehen sind Schwarz-weiß-Fotografien unter dem Thema „Religion im 20. Jahrhundert“ der renommierten Fotojournalistin Barbara Klemm.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 11. Oktober während der Öffnungszeiten des Museums, sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung (Tel. 05245/5646).

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