Dicke Linde prägt zwei Straßenzüge
Bild: Petermeier
An der Dicken Linde - der Name der Straße weist auf eines der markantesten Zeichen des historischen Clarholz hin.
Bild: Petermeier

Zu einem der markantesten Zeichen zweier Straßen im historischen Clarholz kann man die ehemalige „Dicke Linde“ zählen, die ursprünglich vor der Gastwirtschaft Rugge stand. „An der Dicken Linde“ knüpft an die Letter- sowie Beelener Straße an und bildet einen Übergang zur Lindenstraße. Sie grenzt an die Samtholzstraße.

Doch was ist an einem Baum so besonders, dass nach ihm gleich eine Straße benannt wird? Das können Besucher auf der Gedenktafel nachlesen, die sich gegenüber dem Torbogen befindet, der zur Klosteranlage führt. Im Mittelalter stand an dieser Stelle einmal eine Brücke. Sie führte über den kleinen Wasserlauf der Gräfte, der die gesamte Klosteranlage umschloss. Noch heute wird sie im Volksmund die „Linnenbrügge“ genannt. Da die Dicke Linde den einzigen Zugang zur Klosteranlage kennzeichnete. Erst im 17. Jahrhundert entstand dann der heutige Bogen, der Durchgang zum Kirchplatz gewährt.

Warum die Dicke Linde heute jedoch nicht mehr an Ort und Stelle steht, erläutert Gemeindearchivar Eckhard Möller: „Die alte Linde war über die Jahrhunderte marode geworden und hatte dadurch auch an Standfestigkeit verloren. Letztendlich musste sie gefällt werden.“ Das geschah am 1. März 2008, wie auf der Gedenktafel zu lesen ist. Außer der Tafel und dem Straßennamen erinnert heute noch eine neu gepflanzte Linde an den Baum.

Die Benennung der beiden Clarholzer Straßen „An der Dicken Linde“ und Lindenstraße löste schon nach kurzer Zeit eine große Debatte aus. Im Gespräch mit der „Glocke“ informiert Gemeindearchivar Eckhard Möller über die genaueren Hintergründe: 1983 plante man den Ausbau der Samtholzstraße, die sich zu der Zeit noch an der heutigen Lindenstraße befand. Das Ziel war es, die Samtholzstraße an die B 64 anzuschließen. Im Jahr 1989 folgte dann die Umsetzung des Vorhabens.

Die Benennung der Verbindung gestaltete sich jedoch komplizierter, als zuvor gedacht. „Der Heimatverein wollte den innerörtlichen Abschnitt der Samtholzstraße ,Zur dicken Linde‘ nennen“, sagt Eckhard Möller, der die Informationen einer Akte, die sich mit der Benennung der Straße auseinandersetzt, entnehmen konnte. Am 11. November 1983 beschloss der Kultur- und Verschwisterungsausschuss schließlich ebenso wie der Rat, diesen Plan in die Tat umzusetzen.

Doch die Gemeinde erfuhr starken Widerstand. Die Anwohner favorisierten die Bezeichnung „Lindenstraße“. Nach vielen Streitigkeiten, die sich über das gesamte Jahr 1984 zogen, entschloss sich der Rat zu Kompromiss. So wurde das kurze Stück von der Gastwirtschaft Rugge bis zur Letter Straße „An der Dicken Linde“ genannt. Die restliche Straße bekam den Namen der Lindenstraße.

Die beiden, durch die Linde geprägten Straßen, sind also nicht nur Erinnerungen an ein wesentliches Merkmal von Clarholz, sondern auch das Ergebnis einer jahrelangen Debatte zwischen der Gemeindeverwaltung und den Anwohnern.

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