Die Sage vom Clarholzer Wahrkolk
Bild: Petermeier
Bunt blüht es auf der Wiese des ehemaligen Wahrkolks. Noch heute kann erahnt werden, an welcher Stelle die sagenumwobene Glocke eingeschlagen sein soll.
Bild: Petermeier

Zu den im Volksmund bekanntesten Sagen aus dem Raum Clarholz und Lette gehört die Legende des Wahrkolks. Der Clarholzer Josef Elbracht († 1990), der auch als freier Mitarbeiter für die „Glocke“ berichtete, beschäftigte sich seinerzeit umfassend mit der Legende. In ausführlicher Form kann sie daher in seinem Werk „Land und Leute am Axtbach“ nachgelesen werden.

Im Mittelpunkt der Sage steht eine Kirchenglocke des Clarholzer Schlosses. Zur Zeit der Prämonstratenser erhielten die Mönche des Klosters eine neue Glocke. Ohne diese zuvor zu weihen, hängten die Mönche sie in den Kirchturm. Doch als sie am Ostermorgen das erste Mal geläutet werden sollte, nahm die Glocke so viel Schwung auf, dass sie mitsamt dem Seil aus dem Glockenturm flog und schließlich kurz vor der Grenze Beelens auf einer Wiese zum Liegen kam. Das beim Aufprall entstandene tiefe Loch und auch die Spur des Seils sollen zu sehen gewesen sein. Die Vertiefungen füllten sich rasch mit Wasser.

Zu seinem Namen kam der Wahrkolk, da das Volk die Annahme vertrat, dass das Böse diese Kuhle in Beschlag genommen habe. Aus diesem Grund trocknete die Kuhle nie aus. Sie war reich an Wassertieren und Pflanzen, so dass eine Bergung der Glocke nicht möglich war.

Inwiefern sich die im Volksmund bekannten Geschichten tatsächlich ereignet hätten, sei bekanntlich schwer einzuschätzen und werde oftmals angezweifelt, so der Clarholzer Gottfried Pavenstädt-Westhoff (Bild). Man könne aber ausmachen, zu welcher Zeit die Erzählung rund um den Wahrkolk entstanden ist: „Es muss in Clarholz nach 1133 gewesen sein. In diesem Jahr wurde die Klosterkirche gebaut. Vorher hatte Clarholz eine Holzkapelle.“

1964 wurde im Zug der Flurbereinigung schließlich auch der sagenumwogene Wahrkolk wie viele weitere Kuhlen zugeschüttet und somit endgültig trockengelegt. Josef Elbracht erläutert in seinem Werk die unterschiedlichen Sichten, mit denen die Flurbereinigung damals eingeschätzt wurde.

Die Meinungen bezüglich der zugeschütteten Kuhle gingen im Dorf auseinander: Zum einen waren die Bauern froh über die Beseitigung der giftigen Pflanzen, die sich am Wahrkolk angesammelt hatten. Aber es habe ebenso die traditionsbewussten und heimatverbundenen Bürger gegeben, die den alten Wahrkolk gern an seiner Stelle belassen hätten. Noch heute kann die Stelle der Kuhle nachvollzogen werden. „Die Natur bahnt sich ihren Weg“, sagt Gottfried Pavenstädt-Westhoff und verweist auf weiß blühende Blumen, die heute die Stelle der ehemaligen Kuhle auf der sonst von Löwenzahn bestimmten Wiese kennzeichnen.

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