Dieter Grell unterwegs auf Goethes Spuren 
Bild: Poetter
Schauspieler Dieter Grell ließ mit Goethes „Werther“ einen Klassiker aufleben.
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Was bleibt, ist ein versiegelter Brief, den der junge Mann am Vorabend seines Todes („Es ist beschlossen, Lotte, ich muss sterben“) an seine große Liebe geschrieben hatte. Es sind die subtil und intelligent in Szene gesetzten Einpersonenstücke, mit denen sich der Schauspieler Dieter Grell auch in Herzebrock-Clarholz über die Jahre eine große Fangemeinde erobert hat. Am Freitag ist der Herforder auf Einladung der Volkshochschule Reckenberg-Ems mit seiner neuesten Produktion in der Herzebrocker Bolandschule zu Gast gewesen.

Im Gepäck hatte er Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ aus dem Jahr 1774. Ein Klassiker, der unter der Regie von Roland Heitz als gestrafftes Solostück daherkam und Grell einmal mehr die Chance bot, seine schauspielerische Bandbreite zu zeigen.

In „Werther – die Geschichte meines Herrn“ schlüpft Grell in die Rolle des loyalen Dieners. Ein Vertrauter, der die Stimmungen seines Herrn zu deuten weiß und ein mulmiges Gefühl bekommt, als Werther ihn anweist, bei Lottes Ehemann Albert eine Pistole „für eine Reise“ auszuleihen. Er macht sich Vorwürfe. So dauert es auch ein Jahr, bis der Diener in der Lage ist, die Briefe zu lesen, die Werther an seinen Freund Wilhelm geschrieben hat. Briefe, die auf der Bühne an eine Schneiderpuppe geheftet sind und dem Publikum peu à peu mal getragen, dann wieder mit viel Emotion vorgelesen werden. Bekenntnisse, in denen ihr sturm- und drangbewegter Autor seine starken Gefühle zur schönen Lotte offenbart.

Dieter Grell setzt in der Bühnenausstattung auf Minimalismus. Er braucht kaum Requisiten. Was zählt ist das Wort. Untermalt werden die Szenen von eingespielter Cellomusik von Bach. Bei Goethes wundervollem Gedicht „Willkommen und Abschied“ spielte Grell dann mit Kontrasten. So rezitierte er auch mit Sonnenbrille und ließ dem Cello handfesten Rock der finnischen Musikgruppe „Apokalyptica“ folgen. Eine dramaturgische Idee, die etwas angestrengt wirkte und nicht bei allen Besuchern ankam. Trotzdem gab es am Ende viel Applaus.

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