Drewes überzeugt Jury mit Denkfabrik
Den zweiten Platz haben Martin Strenge (links) und Professor Frank F. Drewes im Rahmen des Deutschen Architektentags in Berlin für die Innengestaltung des Simplicity Campus in Oelde erreicht.

Den zweiten Platz haben Drewes und sein Partner Martin Strenge beim Deutschen Innenarchitekturpreis in Berlin für die Innengestaltung des Simplicity Campus in Oelde erreicht. Dabei handelt es sich um ein Verwaltungsgebäude der Simpilcity Trade GmbH, zu der die Modemarken Opus und Someday gehören. Der Herzebrocker Architekt Drewes hat bereits mehrere Filialen für den Oelder Modekonzern entworfen.

Eine Denkfabrik mit Campusgedanken

Mit dem Simplicity Campus sollte sein Architekturbüro Drewes und Strenge kein Verwaltungsgebäude im klassischen Sinn gestalten, sondern eher eine Denkfabrik für Mitarbeiter.

Auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern sind Buchhaltung, IT, Vertrieb und Geschäftsführung untergebracht. Konferenzräume mit Kamin, ein Loungebereich mit Café und eine Kantine wird den 80 Mitarbeitern geboten. „Zentral ist der Campusgedanke sowie die Mischung aus Arbeit und Erholung“, betont der 56-Jährige, der seinen Master in Kalifornien absolviert hat.

Ein Holzsteg führt zu einem Regenrückhaltebecken, das den Außenbereich des Campus prägt.

Mit dem Holzsteg ans Wasser

Hohe Hecken verstecken den Campus an der Heinrich-Hertz-Straße in Oelde. Betritt man das Grundstück, so blickt man auf einen kantigen, modernen und würfelförmigen Bau. Stark reduziert – ohne überstehende Dächer und Regenrinnen – das ist die Handschrift der beiden Architekten. Bei der Gestaltung des Gebäudes berücksichtigte Drewes, wie das Objekt die Natur berührt. So erreichen die Mitarbeiter ein Regenrückhaltebecken im Nordteil mithilfe eines langen Holzstegs. „Wenn man aus den Fenstern herausblickt, sieht man Enten, Gebäudeteile und entspannende Natur“, betont er.

Im Campus werden keine Modekonzepte erstellt. Die Gestalterin, die ihr Büro in Hamburg hat, kommt zu Kollektionsübergaben regelmäßig nach Oelde. Speziell für diese Besuche befinden sich auf dem Campus zwei Schlafzimmer, auf die Drewes besonders stolz ist: „Diese Zimmer könnten sich genauso gut in New York befinden. Man soll nicht den Eindruck haben, dass man gerade in Oelde ist“, erklärt der Architekt. Funktionalität ist dabei ein Stichwort: „Die Möbelstücke sind wie in einem Guss im Zimmer verbaut.“ Öffnet man den Kleiderschrank, so verschließt sich die Tür des Badezimmers.

Entspannen können die Mitarbeiter auf einem bequemen Sofa vor einem Kamin.

Kühle Farben, schlichte Gestaltung

Professor Frank F. Drewes und sein Partner Martin Strenge achteten bei der Konzeption des Simplicity Campus in Oelde auf die Harmonie zwischen Innen- und Außenarchitektur. Kühle Farben wie Schwarz, Weiß und Grau finden sich auf der Fassade und im Inneren des Gebäudes wieder. „Wir haben auf ehrliche Materialien wie Eichenholz, Sichtbeton, Strukturputz und verzinkten Stahl gesetzt“, zählt Drewes, der seit dem Jahr 2000 an der Hochschule Darmstadt als Professor das Fach Innenarchitektur lehrt, auf.

Die ausgestellte Mode soll im Mittelpunkt stehen: „Die Kleidung und die Mitarbeiter füllen den Raum mit Farben und kommen dabei verstärkt zur Geltung. Das Gebäude wirkt schlicht – das ist beabsichtigt“, erklärt der Architekt seine Intention. Das zeigt sich auch im sogenannten Boulevard, eine Art Galerie, die sich durch das gesamte Objekt bis zum Holzsteg zieht. Anliegende Gebäudeflügel kreuzen sich mit diesem Boulevard, der mit Kunstwerken, Statuen und ausgestellter Mode dekoriert ist.

113 Projekte eingereicht

Drewes und Strenge waren laut eigenen Angaben unter anderem an der Gestaltung der Loewe-Filiale in Bielefeld, am Aldi-Markt in Herzebrock sowie am Opus-Outlet in Oelde beteiligt. Alle Objekte fallen durch kantige und schlichte Formen auf. „Normalerweise reden Menschen über Dinge, die sie sehen. Unsere Gestaltung fällt dagegen nicht stark ins Auge, aber sie ist anders – und das macht sie schön“, bewertet Drewes seine Arbeiten.

Insgesamt wurden 113 Projekte für den Deutschen Innenarchitekturpreis eingereicht. 27 Entwürfe kamen in die engere Auswahl. Den ersten Platz hat die Architektin Sabine Keggenhoff aus Arnsberg mit dem Projekt K3 – City-Pastoral in Siegen belegt.

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