Einblicke in die Welt der Demenzkranken
Im Selbstversuch: Einrichtungsleiter André Diecks mit Rauschbrille (links) und Heike Jeger-Gromöller vom Sozialen Dienst tasten sich langsam vor.

Der können sich Interessenten jetzt im Pflegewohnheim St. Josef am Weißen Venn stellen. Bis einschließlich Freitag, 27. Februar, lädt das Haus täglich von 11 bis 17 Uhr orientierte Menschen ein, die Symptomatik einer Demenz ein gutes Stück weit selbst zu erfahren. Im Wintergarten sind elf Stationen aufgebaut, die sich Alltagssituationen dementer Menschen in unterschiedlicher Form annähern: Über Motorik, Tast- und Geruchssinn oder Erinnerungsvermögen. Wenn der Schirm zum Blumentopf wird, Gegenstände erfühlt und aus der Erinnerung wiedergegeben werden müssen, dann „vermittelt dass, wie es ist, unter einer Störung der Merk- und Konzentrationsfähigkeit zu leiden“, fasst Einrichtungsleiter André Diecks zusammen. Heike Jeger-Gromöller vom Sozialen Dienst des Hauses erklärt eine andere Station: „Hier müssen Aussagen wie ,Ich habe Durst‘ erklärt werden, allerdings ohne eins der vielen Wörter zu benutzen, die unten auf der Karte aufgeführt sind.“ Eine fast unlösbare Aufgabe, die verdeutlicht: „Der orientierte Mensch sagt, was er hat. Der an Demenz erkrankte kann es nicht mehr.“

Jahresthema in Aktionswoche umgesetzt

An zwei Stationen liegen Rauschbrillen aus, die die Nutzer noch stärker in der räumlichen Wahrnehmung einschränken: „Dann soll ich auf Zuruf noch einen Ball fangen und ein Lösungswort sagen“, so Heike Jeger-Gromöller. Da bleibt die Koordination und die Fähigkeit zum Multi-Tasking auch bei gesunden Menschen schon mal auf der Strecke. „Und ein Demenzkranker kann oft gar nicht mehr mehrere Dinge gleichzeitig“, lädt André Dieks zum Parcours-Besuch ein. Darüber hinaus werden Spiele und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Lesestoff rund um das Thema angeboten. Eine Fundgrube also für Menschen, die sich der Demenz erstmals nähern, als auch für Angehörige, ehrenamtliche oder professionelle Pflegekräfte. Mit der Aktion nimmt das Haus das Jahresthema „Wenn die Geschichte davonfliegt – neue Wege im Umgang mit Demenz“ seines Trägers, dem Verein Katholischer Altenhilfeeinrichtungen auf.

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