Erinnerung an jüdische Familien
Bild: Borgelt
Gemeindearchivar Eckhard Möller (links) berichtet über jüdisches Leben in Herzebrock. Der Rundgang begann an der Stele, die an die ermordeten und vertriebenen Herzebrocker Juden erinnert.
Bild: Borgelt

 Die Volkshochschule (VHS) Reckenberg-Ems bot den Rundgang zum vierten Mal an. 16 Interessenten beteiligten sich. Eckhard Möller führte sie an sieben Standorte, an denen einst jüdische Familien in Herzebrock gelebt haben. Seit dem 19. Jahrhundert seien jüdische Familien in Herzebrock nachweisbar. Eine jüdische Gemeinde oder einen jüdischen Friedhof gab es nicht. Dafür war die Zahl der Juden zu gering.

Nach 1800 habe der Graf von Bentheim-Tecklenburg gezielt versucht, Juden anzusiedeln. Sie waren gute Händler, kombinierten häufig Viehhandel und Fleischerei. Erst seit 1843 führten die Juden Familiennamen. Der Archivar informierte über den Werdegang der Familien Windesheim, später Rollmann, Blume, später Brill, Stern, Heinemann und Weinberg und wusste auch über jüdische Familien im Umkreis zu berichten.

Wann und wohin welche Familienmitglieder ausgewandert sind, war ihm ebenso geläufig wie die heutigen Wohnorte einiger Nachfahren. Selbst einige Preise für den Verkauf ihrer Häuser konnte Eckhard Möller nennen. „Es wurde in der Regel der Einheitswert bezahlt, nicht der wesentlich höher gelegene Verkehrswert“, sagte er. Der Verkehrswert ist der Marktwert einer Immobilie. Grundstücksverträge, die mit Juden abgeschlossen wurden, hätte die Bezirksregierung genehmigen müssen. In allen Quellen sei nachzulesen, dass diese zunächst ablehnte, bis der Preis hinreichend reduziert war. Das Haus Nummer 3 an der Gildestraße gehörte der Familie Windesheim, später Rollmann. Sie wanderte nach Argentinien aus. Kontakt besteht zu einem Nachfahren, der heute in München lebt. Auch in der dritten Generation hat die Vertreibung noch Spuren hinterlassen.

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