Hans Levy (84) erinnert  an Pogromnacht
Bild: Reinhardt
Zu Gast im Von-Zumbusch-Schulzentrum: Hans Levy (links) stellt sich mit Hilfe von Gemeindearchivar Eckhard Möller den Fragen den Fragen der Haupt- und Realschüler.
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„Ich hatte große Angst“, erzählt Hans Levy von der Nacht am 10. November 1938. „Ich hörte Füßetrampeln im Haus. Dann öffnete sich die Tür zum Schlafzimmer und ein riesiger Mann in einer schwarzen Uniform und mit einer Pferdepeitsche in der Hand kam herein. Ich erwartete schon die Schläge, da sagte er ,Du hast nochmal Glück gehabt‘, und ging wieder.“ Am nächsten Morgen habe er dann gesehen, dass im ganzen Haus alles zerstört worden war. Sämtliche Fenster waren zerbrochen. „Jemand kam mit einem Brief aus dem Rathaus und sagte, wenn wir nicht sofort die Scherben vom Bürgersteig räumten, kämen wir ins Gefängnis“, berichtet Hans Levy.

Er selbst wurde kurze Zeit später mit seinem Bruder in einem Kindertransport nach Holland geschickt. Von dort gelang ein Jahr später noch vor der Besetzung durch deutsche Truppen mit einem Schiff die Flucht nach England. „Keiner wusste, wo es hinging. Zwei deutsche Flugzeuge schossen auf uns, aber es wurde niemand verletzt“, so Levy.

Seine Eltern hat Hans Levy nie wieder gesehen. Sie starben in den Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz. Eine bedrückende Biografie, zu der die Mädchen und Jungen aus den Abschlussklassen der Haupt- und Realschule viele Fragen vorbereitet hatten. „Eure Generation ist anders“, sagte Hans Levy zu den Jugendlichen. „Ich bin dankbar, dass Ihr an der Geschichte Interesse habt.“ Die Gespräche wurde überwiegend auf Englisch geführt, denn Hans Levy lebt jetzt seit mehr als 70 Jahren in England. Der Besuch in Herzebrock war seine erste Rückkehr nach Deutschland seit der Flucht. Der Kontakt war durch Gemeindearchivar Eckhard Möller entstanden. Der bei seinen Recherchen zum jüdischen Leben in Herzebrock auf Hans Levy gestoßen war.

Natürlich besuchte der 84-Jährige auch das Denkmal für jüdische Mitbürger, das 2008 an der Ausfahrt des Fuhrmansplatzes zur Uthofstraße errichtet worden war und unter anderem an Levys Familie erinnert. Auch Bürgermeister Jürgen Lohmann empfing Hans Levy im Rathaus.

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