Königshandbuch gibt Majestäten Tipps
Bild: Sven Kaukemöller
Das ehemalige Kabelwerk in Beelen hat sich der Heerder Schützenthron als Kulisse ausgesucht. Das Bild zeigt (v. l.) Sarah Hartmann, Alina Köckemann, Steffi Brüggemann, Maren Köckemann, Königin Anna Linckamp und König Eric Rohmann, André Stadtmann, Marius Füchtenhans, Eric Rassenhövel und Daniel Werner.
Bild: Sven Kaukemöller

Vor knapp einem Jahr hat der Claas-Mitarbeiter den Heerder Vogel abgeschossen. „Bis der auf dem Boden lag, das kam mir vor wie eine halbe Stunde“, sagt er rückblickend. Königin wurde seine Freundin Anna Linckamp, Bankkauffrau in Werther. „Ich war sprachlos. Ich war fertig“, sagt sie heute noch.

Und dann ging sie los, die Regentschaft. Und das durchaus anders, als oftmals angenommen: „Am Sonntag wurde kein Laden für Abendmode gestürmt“, sagt Eric Rohmann lachend. „Wir haben beschlossen, kurze Kleider zu tragen. Die hatte jede im Schrank. Nur farblich haben wir uns abgestimmt“, sagt die Königin zum Outfit der Frauen im Throngefolge für die Proklamation.

Schon am Montag hätten die beiden das Königsbuch an die Hand bekommen: Nachzulesen sind fixe Termine, Abläufe, eben Details zur Regentschaft. „Eigentlich sind es elf feste Termine im Jahr“, so Eric Rohmann. Schützenfeste befreundeter Bruderschaften und zwei Prozessionen im Ort. „Und dann sind da natürlich noch die Veranstaltungen, wo man als Königspaar einfach gern gesehen ist“, fügt Anna Linckamp hinzu. „Es gab Phasen, da waren am Wochenende drei bis vier Termine. Und dann gab es aber auch mal ein paar Wochen nichts“, sagt Eric Rohmann. Außerdem: „Wenn, dann will man das Jahr auch richtig genießen“, sind sich beide einig. Nicht immer seien sie mit dem kompletten Thron unterwegs gewesen. „Jeder ist beruflich eingebunden, und das geht dann einfach vor“, sagt Rohmann.

Er freut sich, durch die Regentschaft auch ungewohnte Einblicke bekommen zu haben. „Beispielsweise beim Kranzbinden der Erntedankgemeinschaft. Ich wusste nicht, wie viel Arbeit das überhaupt ist, den Umzug auf die Beine zu stellen.“ Gewachsen seien auch Freundschaften, insbesondere innerhalb des Throns. Gemeinsam hat der einiges unternommen: Ski-Wochenende, Tour an die Mosel, Bogenschießen, Kartfahren und anderes. Zum Teil dann auch gemeinsam mit dem Jungschützenthron.

Höhepunkt sei die Königs-Party auf dem Hof Linckamp gewesen, da sind sich die beiden Majestäten einig. „Wir haben uns vorgenommen, jedes Jahr eine Thron-Tour zu machen“, blickt Rohman auf die Zeit nach der Regentschaft.

Negative Aspekte finden die Clarholzer Majestäten Eric Rohmann und Anna Linckamp rückblickend keine. „Natürlich lernt man einige Menschen auch von anderen Seiten kennen, und das nicht nur positiv“, sagt die Königin. Das sei aber ein normaler Vorgang und die Königinnenwürde nur der Anlass, hakt sie die Erfahrung ab. Und finanziell? „Das ist absolut zu stemmen“, bilanzieren sie. Es gebe einen Zuschuss vom Verein. Und wenn abends gefeiert werde, dann sei das bei den Ausgaben mit einem Partybesuch vergleichbar. Ein hochwertiges Abendkleid hat Anna Linckamp sich gekauft: „Man muss nicht bei jedem Fest ein anderes tragen“, sagt sie mit Blick auf die unterschiedlichen Besucher.

König Eric Rohmann empfiehlt Aspiranten auf den Königsschuss, sich einem sogenannten Königsring anzuschließen. Deren Mitglieder legen jedes Jahr zum Schützenfest eine bestimmte Summe zusammen, und derjenige aus dem Kreis, der dann den Vogel abschieße, erhalte das Geld. „Es gibt Schützen, die sind in zwei oder drei Königsringen“, er selbst sei in keinem gewesen. „Es wäre sinnvoll, wenn auch jüngere Heerder Schützen mal wieder einen bilden“, empfiehlt der 24-jährige Schützenkönig.

Eine enge Terminfolge steht in den Tagen vor dem Heerder Schützenfest an: Grün holen, Kranz ausmessen, Kranz binden, Thronwagen schmücken und, und, und. Dabei stark eingebunden sind die Nachbarschaften der Majestäten am Jodokus-Temme-Ring und an der Kohbrede. „Bei der Terminmasse nimmt das einfach viel Zeit in Anspruch“, so die Königin.

Was bleibt, ist aber der Spaß, den die beiden in den vergangenen Monaten hatten und der am Schützenwochenende noch bevorsteht. „Ein Thronjahr ist das, was man daraus macht“, sagen sie.

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