Kompanie Bosfeld-Brock wird 60 Jahre
Foto: Walkusch
Die meisten der noch lebenden Gründungsmitglieder der Kompanie Bosfeld-Brock: (v. l.) Johannes Klink, Gerhard Kranefuß, Karl-Franz Geldmacher, Josef Hammwöhner, Friedhelm Vielmeier, Horst Stenger und Georg Nordemann.
Foto: Walkusch
Am 27. April 1961 wurde aus einer „Schnapsidee“ in der ehemaligen Gaststätte Grundmeier Realität. Gut 40 Schützen fanden sich zusammen, um die Kompanie (damals noch als Schützenzug bezeichnet) Bosfeld-Brock zu gründen. 

Vom Thekengespräch zur Gründung

Wie es dazu kam? Johannes Klink kann sich heute noch gut daran erinnern. Er war selbst damals anwesend und hält der Kompanie und dem Schützenverein nach wie vor die Treue. „Es waren Thekengespräche“, sagt Klink. Vielfach wurde dabei der Wunsch geäußert, selbst eine Kompanie zu gründen. Gesagt, getan. Zum Zugführer wurde damals Hans Ahlke ernannt. Er hatte auch zusammen mit Gerhard Grundmeier, der schließlich Vereinswirt und bis 1982 Kassierer wurde, zu der Gründungsversammlung eingeladen.

In einem Schreiben, das auf den 21. Juli 1961 datiert ist, bitten die Schützen Fürst Rheda-BentheimTecklenburg, das fürstliche Wappen des Hauses Bosfeld auf dem Uniformrock tragen zu dürfen. Der Bitte kam der damalige Seniorchef des adeligen Hauses, Fürst Adolf, gern nach.

Mitgliederzahlen steigen

Bei der ersten Versammlung der Kompanie im August des selben Jahres war die Mitgliederzahl bereits beachtlich gestiegen – von 40 auf 60. Dass man beim „Fest der Schützen“ – wie es damals genannt wurde – mitfeiert und als Kompanie beim Umzug marschiert, stand dabei außer Frage. Dass die neu gegründete Kompanie auch einen Schützenkönig stellte, darauf mussten die Mitglieder nicht allzu lange warten. 

Franz Masjosthusmann schoss 1963 den Vogel ab und regierte ein Jahr lang mit Anny Nordemann als Königin die Herzebrocker Schützen. 15 Könige und 2 Kaiser kamen seitdem aus den Reihen der Kompanie Bosfeld-Brock. Um dem alten Treffen neue Impulse zu geben, waren ab 1976 auch Frauen beim Kaffeetrinken der Senioren erlaubt. Mittlerweile stellen sie zwei Drittel der Teilnehmer. Elf Jahre später durften sie sich verstärkt im Schützenverein engagieren und gründeten eine eigene Kompanie.

„Corona macht einen Strich durch die Rechnung“

Die Kompanie Bosfeld-Brock führt seit Oktober 2019 Christian Brand. Zu Ehrenkompanieführer wurden von 1990 bis 2008 Wolfgang Plauschinn und seit 2011 Johannes Klink ernannt. Die Standarte wurde 2013 unter dem damaligen Kompanieführer Christian Suttrup angeschafft und im selben Jahr gesegnet, berichtet Jochen Heitmann, Vorsitzender der Schützengilde Herzebrock. Auch er entspringt der Kompanie Bosfeld-Brock. Seit einigen Jahren liegt die Mitgliederzahl zwischen 175 und 185. Unterdessen ist die Schützengilde kurz davor, bei den Mitgliedern die 1000er-Marke zu durchbrechen. „Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Klink.

Die Kompanie lebt vom aktiven Miteinander. Von den noch lebenden Gründungsmitgliedern haben sich alle ehrenamtlich in der Gruppe engagiert und halten den Schützen nach wie vor die Treue. Dass man wegen der Pandemie den sechs Jahrzehnte währenden Zusammenschluss derzeit nicht feiern darf, fällt den Schützen schwer. „Wir sind sehr unternehmungsfreudig“, sagt Johannes Klink. 

Pokalschießen läutet Saison ein

Acht bis neun Veranstaltungen seien es jedes Jahr. Seit 1974 treffen sich beispielsweise die Senioren aus Bosfeld-Brock und Möhler in der Adventszeit zu einem gemütlichen Kaffeetrinken. Auch Karneval wird seit Jahrzehnten in der Kompanie gefeiert. Seit 1964 wird mit einem Pokalschießen zwischen der Kompanie Bosfeld-Brock und der Kompanie Dorf und Umgebung die Schießsaison eingeläutet. Auch auf Reise geht es für die Schützen seit 1973 eigentlich regelmäßig – etwa ins Sauerland, ins Weserbergland oder an Steinhuder Meer. Das Datum der Generalversammlung steht ebenfalls fest: immer am 31. Oktober, also einen Tag vor dem Feiertag.

Dass all diese Aktivitäten derzeit nicht stattfinden können und dürfen, falle schwer, sei aber auch nachvollziehbar. „Das lässt keinen Spielraum für Experimente“, sagt Johannes Klink und meint damit das hohe Alter der meisten Mitglieder und das damit einhergehende Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit. So oder so wollen die Schützen der Kompanie Bosfeld-Brock aber doch am 27. April zumindest gedanklich gemeinsam auf 60 Jahre zurückblicken.

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