Kompetent von Schütz bis Carter
Bild: Gehre
Einen überzeugenden Leistungsbeweis lieferte das Vokalensemble Herzebrock beim Passionskonzert in der Kreuzkirche. Zu den Herzebrocker Sängerinnen und Sängern gesellte sich in der evangelischen Kreuzkirche diesmal das Flötenensemble des Johanniskantorei aus Halle.
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 Das Konzert gipfelte im hymnischen Gotteslob, das Andrew Carter mit den zeitgenössischen Stilelementen seiner Kompositionen anstimmt. Carter (geboren 1939), mit dem Chapter House Choir ein Wegweiser der geistlichen Musik unserer Zeit in England, steigerte sich im Finalsatz „Rejoice in the Lord always“ mit artistischen Synkopensprüngen in einen wahren Klangrausch, der kontrastvoll-beruhigt einmündet in meditative Beschaulichkeit, ehe der wiederholte jazzende Beginn den Bogen schließt.

Zuvor hatte das 22 Mitwirkende umfassende Vokalensemble seine musikalische Kompetenz auch in den barocken Herausforderungen der meist vierstimmigen Sätze von Giacomo Antonio Perti ebenso nachhaltig bewiesen wie – bei vortrefflicher Wortverständlichkeit – in Melchior Franks „Also hat Gott die Welt geliebt“, in der verschlungenen Polyphonie Johann Kunaus und in Heinrich Schütz‘ ergreifender Vertonung des „Vater unser“– Gebets. In vielfarbigen dynamischen Abstufungen erklang der machtvolle Schlusschor aus der Markus-Passion von Heinrich Schütz. Saubere, auch in der Spitzenlage sichere Frauenstimmen vereinigten sich mit den selbstbewusst agierenden, kraftvollen Männerstimmen in passender Übereinstimmung zu purem Wohllaut: Siegfried Buske hatte wieder erfolgreiche Chorpädagogik geleistet.

Mit biblischen Texten und meditativen Gedanken lenkte Pfarrerin Frauke Hayungs die Gedanken auf das kommende Osterfest. Bereichert wurde die Passionsmusik schließlich durch die Mitwirkung des Flötenquintetts der Johanniskantorei aus Halle. Unter der Leitung von Frauke Keßner bewiesen die vier Flötistinnen und die grundierende Viola di gamba für ein Laienensemble beachtliche, stilsichere Genauigkeit. Sie entwarfen das recht sperrige Klangideal in einer Reihe sich ähnelnder Pavanen der Renaissance als gemächlich fließende Schreittänze aus der Frühezeit europäischer Musik. Beglückt über die musikalischen Gaben, doch in andächtigem Schweigen verharrten die Zuhörer zum guten Schluss und verließen, wie erbeten, schweigend das Gotteshaus.

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