„Mir schlägt die Situation aufs Gemüt“
Archivfoto: Frielinghaus
Im Frühjahr 2019 wurde letztmals auf den Herzebrocker Vogelfang gezielt. Seitdem regiert Tobias Witte die Schützengilde.
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Die Glocke: Das Vereinsleben ist in den vergangenen Monaten zum Stillstand gekommen . . .

Heitmann: Das war und ist das schlimmste Jahr in unserer Vereinsgeschichte seit 1945. Es leidet die Gemeinschaft, die Kommunikation. Der Spaß am Hobby kann nicht gelebt werden. Selbst in den sozialen Netzwerken ist es ruhig geworden.

Die Glocke: Sie sind seit 2018 mit Leib und Seele Vorsitzender der Gilde. Was macht die erzwungene Ruhe mit Ihnen?

Heitmann: Ich persönlich bin Schütze durch und durch. Mir geht diese gesamte Situation ziemlich nah und schlägt aufs Gemüt. Wenn man Vorsitzender eines Vereins in unserer Größe ist, dann ist man sich der Aufgabe und der vielen Tätigkeiten bewusst. Und ich brauche das auch ein Stück weit. Das fehlt im Moment einfach sehr und ich weiß, dass es vielen so geht.

Die Glocke: Die Gilde hat einiges getan, um die Schutzbestimmungen umzusetzen. Haben Sie Verständnis für das Aussetzen der Freizeitveranstaltungen?

Heitmann: Ich verstehe nicht, warum wir unseren Sport nicht ausführen dürfen. Bei uns gibt es kein Körperkontakt, der Abstand wurde und wird eingehalten. Wir haben und hatten ein 100-prozentiges Hygienekonzept. Als wir zwischendurch wieder öffnen durften, hatten unsere Mitglieder auch einen festen Termin in der Woche. Das war gut.

Die Glocke: Was ist vom Vereinsleben geblieben?

Heitmann: Unsere letzte Veranstaltung war unsere Generalversammlung am 7. März 2020. Das ist nun genau 322 Tage her. Das muss man sich mal vorstellen. Eine Woche später fand dann noch die Aktion Saubere Landschaft statt. Danach ging es los. Veranstaltung für Veranstaltung wurde gestrichen. Der rote Faden zieht sich leider weiter durch.

Die Glocke: Auf welchen Wegen hält die Gilde den Kontakt mit den Schützen? Heitmann: Man versucht ja immer, die Mitglieder auf dem Laufenden zu halten. Das haben wir auch per E-Mail, WhatsApp und Facebook gemacht. Auch jetzt haben wir alle persönlich angeschrieben. Mit diesem Schreiben wurde auch der Veranstaltungskalender 2021/2022 verschickt. Wir hoffen, einige Veranstaltungen durchführen zu können.

Die Glocke: Gibt es Pläne für die nächsten Wochen und Monate?

Heitmann: In sechs Wochen, am 6. März, wäre unsere Generalversammlung. Aufgrund der aktuellen Lage und nach Rücksprache mit unserem Bürgermeister und geschäftsführenden Vorstand haben wir entschlossen, die Versammlung auf den 8. Mai zu verschieben. Es wird so früh wie möglich geprüft, wie und wo diese stattfinden kann.

Die Glocke: Welche Termine sind denn in jüngster Zeit gestrichen worden?

Heitmann: Wie gesagt, der rote Faden zieht sich leider weiter durch. Heute wäre die Jahreshauptversammlung der Jungschützen, Ende des Monats Skat- und Doppelkopfturnier, die Hauptversammlung der Damenkompanie. Nichts davon findet statt. Gleiches gilt für die Fahrt der Jungschützen nach Willingen im Februar. Und die Schützengilde hätte am 6. Februar das Karnevalsfest gehabt. Auch das wird ersatzlos gestrichen.

Die Glocke: Und wenn Sie weiter ins Jahr blicken?

Heitmann: Alle weiteren Termine haben erstmal Bestand. Es wird immer im Vorfeld geprüft, inwieweit welche Veranstaltung möglich ist. Oft werde ich jetzt auch gefragt, ob das Schützenfest Ende Mai stattfindet. Natürlich bin ich in erster Linie ein Optimist und bleibe da weiterhin positiv gestimmt. Ich wünsche mir und unserer gesamten Gilde sehr, dass unser Schützenfest stattfinden kann. Wir sind mit unseren Termin Ende Mai aber am Anfang der Schützenfestsaison. Das bereitet mir gerade etwas Bauchschmerzen. Die Gesundheit aller steht im Vordergrund. Wir werden abwarten, was bis dahin ist.

Die Glocke: Aber wäre es denn möglich, eine solche große Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit umzusetzen?

Heitmann: Wenn es kurzfristig heißt, dass wir feiern können, stehen alle Gewehr bei Fuß. Wir könnten innerhalb weniger Wochen unser Fest planen und auf die Beine stellen.

Die Glocke: Die Gilde hat die vergangenen Monate genutzt, um das Schützenheim auf Vordermann zu bringen. . .

Heitmann: Da ist einiges Positives passiert. Nach dem Umbau des Luftgewehrstands im Jahr 2019 haben wir während der Sommerpause auch unseren Kleinkaliber-Stand auf eine neue elektronische DISAG-Anlage umgebaut und den Schießstand modernisiert. Die Gelder dafür kamen aus dem Fördertopf des Landessportbunds NRW. Und da wir unser Schützenheim aktuell nicht für Veranstaltungen vermieten können, haben wir unseren Theken- und Versammlungsraum in großem Maß modernisiert und optisch erweitert.

Die Glocke: Sind die Arbeiten schon abgeschlossen?

Heitmann: Zurzeit werden die neue Theke und sonstigen Möbel montiert. Die Schießaufsicht bekommt einen festen Platz, an dem die gesamte Technik bereits montiert ist und man sofort loslegen kann. Die neue Theke ist wesentlich größer als die alte und auch moderner. Wir hoffen, dass wir auch diesen Bereich des Schützenheims bald wieder präsentieren können. Es lohnt sich auf jeden Fall. Dort wird das Feiern mit der großen Schützenfamilie noch mehr Spaß machen, so viel kann ich schon mal verraten.

Die Glocke: Auch digital hat sich die Gilde modernisiert . . .

Heitmann: Ja, unsere Homepage wurde neu gestaltet. Die bisherige war schon acht Jahre alt. Der neue Internetauftritt ist moderner und noch aktueller. Wer möchte, kann sich selbst ein Bild unter www.schuetzengilde- herzebrock.de machen.

Die Glocke: Wie steht die Gilde denn finanziell da? 

Heitmann: Wir können uns glücklich schätzen, dass unser Vereinsheim Eigentum ist und wir hierfür keine Miete zahlen müssen. Was natürlich anfällt, sind die Fixkosten wie Strom, Wasser, Gas, Müll und anderes. Der Verbrauch war im letzten Jahr nicht so hoch wie in einem normalen Jahr, so dass wir vielleicht noch Geld zurückbekommen. Einnahmen aus Veranstaltungen wie Übungsschießen sind entweder ganz oder zum großen Teil weggebrochen. Man muss aber dazu sagen, dass man entsprechend keine Ausgaben hat. Wenn kein Übungsschießen stattfindet, benötigt man auch keine Munition. Wobei ich liebend gern Munition bestellen würde. Denn dann würde unser Sport auch wieder ausgeübt und es wäre wieder Leben im Vereinsheim.

Die Glocke: Wagen Sie eine Prognose für die nächste Zeit?

Heitmann: Ich hoffe wie wir alle auf ein baldiges Ende der schwierigen Zeit, und dass unsere Normalität bald wieder zurückkommt. Bis dahin müssen wir aufeinander achten und vor allem gesund bleiben. Mit Spannung beobachte ich den Impfprozess und hoffe, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Ich persönlich mache das auf jeden Fall, wenn ich an der Reihe bin.

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