Mit Olivenöl gegen die Abfallflut
Foto: Walkusch
In Supermärkten und Drogerien findet man mittlerweile zahlreiche Produkte, die mit wenig oder gar keinem Verpackungsmüll auskommen, zeigt Alexa Kronshage.
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Zero Waste – zu deutsch: null Müll – nennt sich die Bewegung, die die beiden Lokalpolitikerinnen in Herzebrock-Clarholz bekannter machen wollen. Wobei es die Bezeichnung „gar kein Müll“ auch nicht so ganz trifft. „Es muss nicht immer gleich alles sofort sein. Kleine Änderungen können auch schon viel bewirken“, sagt Alexa Kronshage. Sie sei über das soziale Netzwerk Instagram auf die Bewegung aufmerksam geworden.

Erster Workshop wird gut angenommen

Elisabeth von Müller beschäftigt sich hingegen schon seit ihrer Jugend mit dem Thema. Ihr sei es um ihre Haut gegangen, berichtet die 55-Jährige. „Man fängt an, sich zu fragen: Was ist da eigentlich drin“, sagt sie über die Kosmetik-Produkte. Und auch bei der Ernährung will sie es so natürlich wie möglich halten.

Zusammengefunden haben die beiden Frauen über ihre Partei, die Grünen. Bei Überlegungen, welche Aktionen man auf die Beine stellen könnte, waren sich die Politikerinnen schnell einig.

Im August führten die Frauen einen Workshop durch. Das Interesse an dem Thema Zero Waste war so groß, dass nicht genügend Plätze zur Verfügung standen. Deswegen soll es – sobald es Corona wieder zulässt – weitere Workshops für Interessenten geben. Das Angebot steht für alle offen, betonen die Herzebrock-Clarholzerinnen. Auch wenn sie ihr politisches Amt für mehr Klimaschutz und gegen Umweltverschmutzung nutzen wollen, sind die Workshops nicht als strenge Parteipolitik zu verstehen.

Mit dem arbeiten, was man bereits hat

Aber was hat es eigentlich mit Zero Waste auf sich? Ziel ist es, so wenig Müll – vor allem Plastik – wie möglich zu produzieren und auf natürliche Produkte umzusteigen, um Ressourcen und die Umwelt zu schonen. „Es geht darum, mit dem zu arbeiten, was man bereits hat“, sagt Alexa Kronshage. Das könne sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen: im Bad, in der Küche oder bei Kleidungsstücken.

Auch das Thema Umzug mit Zero Waste könnte sich Alexa Kronshage für einen späteren Zeitpunkt einmal vorstellen. So gebe es zum Beispiel die Möglichkeit, Haushaltsgeräte B-Ware online zu bestellen. Dabei handele es sich um Produkte, die zurückgeschickt wurden. „Es geht darum, möglichst wenig neuen Müll zu produzieren“, sagt Alexa Kronshage. Elisabeth von Müller kann sich hingegen auch gut vorstellen, das Thema Ernährung in den Vordergrund zu rücken. Ihr geht es dabei vor allem darum, mit dem zu arbeiten, was man vor der Haustür hat – beispielsweise Kräuter für einen Tee oder Salat.

Und was lässt sich im Badezimmer alles verpackungs- und abfallsarm nutzen? Da lohne sich schon ein Blick in den Küchenschrank, wissen Elisabeth von Müller und Alexa Kronshage. So könne man ein Trockenshampoo aus Mais- oder Kartoffelstärke, Natron und – bei dunklen Haaren – aus Backkakao herstellen. Eine Haarkur lasse sich schnell aus Mandel-, Kokos- und Olivenöl anmischen. Auch ihr Waschmittel stellen sich die beiden Frauen mittlerweile selbst zusammen. Zahnpasta sei ebenfalls kein Problem.

Auch der Markt öffnet sich

Wer keine Zeit habe, selbst zu mischen, finde in Drogerien und Supermärkten nachhaltige Alternativen. „Der Markt öffnet sich in der Hinsicht immer mehr“, sagt Elisabeth von Müller. Da gebe es zum einen die Unverpackt-Geschäfte und -Abteilungen in Supermärkten. Wer aber suche, werde ganz oft in dem Geschäft fündig. Dort gebe es zum Beispiel Seifenstücke statt Shampoo in Plastikflaschen. Auch finde man dort Brausetabletten, die man in Wasser auflöst und dadurch ein Reinigungsmittel bekommt.

In ihren Workshops wollen die beiden Frauen den Teilnehmern Möglichkeiten an die Hand geben, wie sie ihren Alltag umweltschonender gestalten können. Anschließend motiviert alle in Plastik verpackten Produkte wegzuwerfen und eine ressourcenschonendere Alternative zu kaufen – damit sei aber auch niemandem geholfen. „Man sollte erst einmal aufbrauchen, was man schon hat. Wenn etwas aufgebraucht ist, kann man überlegen, ob es nicht auch eine umweltfreundliche Alternative gibt“, sagt Elisabeth von Müller. Und Alexa Kronshage ergänzt: „Man kann sich nicht grün konsumieren.“

Auch wenn die beiden die Zero-Waste-Bewegung in der Gemeinde bekannter machen wollen, so ist es ihnen nicht immer möglich, nach diesen hohen Standards zu leben. „Ich kann nicht auf Spülmittel verzichten“, sagt Alexa Kronshage. Elisabeth von Müller falle es als Mutter dreier Söhne auch nicht immer einfach, verpackungsarm oder sogar -frei einzukaufen. Bei den Workshops sollen Aha-momente geschaffen werden. „Wir wollen eine Art Börse sein“, sagt Elisabeth von Müller. Man wolle die Möglichkeit schaffen, dass sich die Teilnehmer austauschen und Tipps geben.

Da derzeit noch nicht klar ist, wann ein weiterer Workshop stattfinden kann, können sich Interessenten für weitere Informationen per E-Mail an die Frauen wenden: alexa.kronshage@gruende-hcl.de oder elisabeth.von.mueller@gruene-hcl.de.

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