Oderstraße bietet Vertriebenen Heimat
Bild: Kriesche
25 Jahre Oderstraße: Ein großes Straßenfest feierten die Anwohner der Oderstraße anlässlich des Jubiläums im Jahr 1976.
Bild: Kriesche

 Diese Straßen entstanden jedoch erst einige Zeit später. Die Geschichte über die Entwicklung der Oderstraße ist in ausführlicher Form in der Heimatstube von Herzebrock nachzuvollziehen. Die Heimatstube hat jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Endlich wieder ein eigenes Haus bewohnen und ein eigenes Leben aufbauen – die Möglichkeiten, die der Bau der Oderstraße 1951 den Vertriebenen geboten hat, waren riesig. Den Auftakt für das große Bauvorhaben bildete der Vertragsschluss mit der Aachener Siedlungsgesellschaft am 11. November 1950, nachdem der Boden kostengünstig vom Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg erworben werden konnte. Die Preise, die die Anwohner für den Grund zahlen mussten, beliefen sich auf eine Mark pro Quadratmeter. Der Stundenlohn betrug meistens deutlich weniger. 600 bis 1250 Quadratmeter betrug die Grundstücksgröße zu damaligen Zeiten. Doch die Grundstücke waren begehrt. So wurden sie per Los verteilt. Am 1. Mai 1951 erfolgte der erste Spatenstich.

Nach einigen Monaten war eine Siedlung mit mehr als 350 Wohnungen entstanden und alle Anwohner zogen in ihre Häuser. Sie kamen sowohl aus Schlesien, Pommern, dem Böhmerwald und dem Harz als auch ein paar Wenige aus Westfalen. Der Großteil nannte Ost- und Westpreußen seine alte Heimat. Es war eine bunt gemischte Gruppe, die sich 1951 schließlich zusammensetzte, um einen Namensvorschlag zu machen. Schnell kamen man auf die Oder, da sie sich nicht nur auf einen Ort bezieht.

Um ihren Ursprung nie aus den Augen zu verlieren, pflegten die Anwohner ihre ostdeutschen Bräuche. Zu Weihnachten gingen sie beispielsweise mit einem Brummtopf und einer sogenannten Teufelsgeige von Haus zu Haus und sangen Lieder mit guten Wünschen. Den ersten gemeinsamen Ausflug unternahmen die Anlieger der Oderstraße im Jahr 1956 nach Königswinter. Diesen sponserte, wie auch viele weitere in späterer Zeit, Hans Joachim Brandenburg, der damals Bürgermeister der Gemeinde war.

Die Oderstraße ist also nicht nur die neue Heimat von vielen Vertriebenen geworden. Sie ist vor allem durch viele Traditionen und Bräuche durch die Ostdeutschen geprägt worden.

SOCIAL BOOKMARKS