Schlachthof schließt nach Corona-Fall
Foto: Steinecke 
Nur noch Restarbeiten in der Zerlegung werden Mittwoch und Donnerstag bei Westphal an der Dieselstraße in Herzebrock-Clarholz durchgeführt. Danach ruht der Betrieb, bis alle Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet sind. 
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Allerdings sind beide Fälle nur schwer zu vergleichen. Der Herzebrock-Clarholzer Bürgermeister Marco Diethelm (CDU) und der Kreis Gütersloh bestätigten am Dienstag Informationen dieser Zeitung. Laut Marco Diethelm hat das Unternehmen, das an der Dieselstraße im Gewerbegebiet seinen Sitz hat, zuletzt eigene Tests vorgenommen.

Am Sonntag positiver Fall ermittelt

Dabei sei am Sonntag ein positiver Fall ermittelt worden. Der Mann soll zuvor Kontakt zu einem infizierten Tönnies-Mitarbeiter gehabt haben. Ebenfalls positiv getestet worden seien zwei Mitbewohner des Werkvertragsarbeiters. Drei weitere seien Stand Sonntag bisher nicht infiziert. Eine schriftliche Anfrage bei Mike Westphal, Geschäftsführer des Zerlegebetriebs, blieb am Dienstag unbeantwortet. Er hatte die E-Mail dieser Zeitung direkt an Marco Diethelm weitergeleitet, der sich dann meldete.

Der Kreis ist am Sonntag direkt mit ins Boot geholt worden. Das Gesundheitsamt sei unverzüglich informiert worden. Ebenso die Gemeinde, so Bürgermeister Marco Diethelm. Das Unternehmen versuche alles, um die Situation in den Griff zu bekommen, und fahre die Aktivitäten eigenständig herunter. Nun würden sämtliche Mitarbeiter getestet, erklärte Jan Focken, Pressesprecher des Kreises, auf Nachfrage. Ob nun, ähnlich wie beim Tönnies-Konzern, die gesamte Belegschaft vorsorglich unter Quarantäne gestellt würde, sei zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.

40 Mitarbeiter in der Schlachtung, 80 in der Zerlegung

Westphal beschäftigt nach Angaben des Bürgermeisters rund 40 Mitarbeiter in der Schlachtung und 80 in der Zerlegung. Laut Bundesanzeiger sind es 26 im Schlachthof und 23 in der Zerlegung. Das heißt: Der Rest der Mitarbeiter sind Werkvertragsarbeiter, die wie bei Tönnies bei Subunternehmern angestellt sind und dann im Unternehmen Tätigkeiten wie die Zerlegung übernehmen.

Am Mittwoch sollen von allen Mitarbeitern weitere Abstriche genommen werden. Je nachdem, wie die Ergebnisse der Tests ausfallen wird der Kreis entscheiden, wie lange das Unternehmen geschlossen bleibt. Es wird ermittelt, ob sich noch weitere Mitarbeiter von Westphal mit dem Virus angesteckt haben. Danach entscheidet das Gesundheitsamt, wie es weitergeht.

Bürgermeister sucht nach Lösung

Parallel arbeitet die Gemeinde an einer Lösung für die Wohngemeinschaft. Alle sechs Werkvertragsarbeiter sind noch am Sonntag unter Quarantäne gestellt worden. Bürgermeister Marco Diethelm will nun dafür sorgen, dass die bisher drei mit dem Coronavirus infizierten Mitarbeiter in eine andere Wohnung verlegt werden. Um die anderen gesunden Mitbewohner zu schützen. Gleichzeitig würde für die bisher negativ Getesteten die Zeit in der Quarantäne verkürzt werden. Denn für sie gilt die Quarantäne ab dem Zeitpunkt, ab dem sie keinen Kontakt mit zu einem Infizierten hatten.

Spricht für die Firma und die Gemeinde: Marco Diethelm, Bürgermeister von Herzebrock-Clarholz.

Die Gemeinde setzt damit das um, was der Kreis in der vergangenen Woche auch für die Tönnies-Mitarbeiter angekündigt hatte. Denn ein Problem hatte sich in der Causa Tönnies gezeigt: Wer mit infizierten Tönnies-Beschäftigten in einer Wohnung lebte, der musste auch über die üblichen zwei Wochen hinaus in den eigenen vier Wänden bleiben. Die Quarantäne galt erst ab dann, als der Infizierte wieder gesund und nicht mehr ansteckend war. Bei Tests im Juni waren noch alle Mitarbeiter von Westphal negativ getestet worden. Über diese Ergebnisse hatte übrigens auch nicht das Unternehmen, sondern Marco Diethelm informiert.

Bis zu 5000 Sauen pro Woche

Zwei Unternehmen residieren an der Dieselstraße im Herzebrock-Clarholzer Gewerbegebiet unter einem Dach: die Westphal-Schlachthof Gesellschaft und die Fleischzerlegung Westphal. Den Schlachthof führen laut Bundesanzeiger Norbert Westphal und Dominik Westphal, den Zerlegebetrieb Mike Westphal. Pro Woche können nach Unternehmensangaben 5000 Sauen zerlegt und verarbeitet werden. „Über 90 Prozent der Sauenhälften beziehen wir von unserem sich ebenfalls im Familienbesitz befindlichen Schlachthof“, heißt es im Geschäftsbericht für 2018. In einem Tiefkühl-Hochregallager können nach Angaben der Firma auf ihrer Internetseite rund 500 Tonnen Ware eingelagert werden.

Westphal vertreibt seine Produkte vor allem an Großunternehmer im norddeutschen Bereich. „Das liegt daran, dass unsere Betriebsstätte vorher in Bassum belegen war“, heißt es im Geschäftsbericht für 2018, der Anfang 2020 im Bundesanzeiger veröffentlicht worden ist. 2011 war ein Neubau in Herzebrock in Betrieb genommen worden.

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