Schutzausrüstung in Zahnarztpraxen knapp
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Mund aufmachen, bitte: In Zeiten von Corona haben die Zahnärzte nach wie vor geöffnet. Allerdings behandeln sie nur medizinische Notfälle oder beenden begonnene Behandlungen.
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 Und wie halten es die Zahnärzte in der Kommune? Diese Zeitung hat bei einigen nachgefragt.

Termine werden verschoben

Gemeinsamer Tenor: Sie sind für alle Patienten da – im zahnmedizinischen Notfall, bei unaufschiebbaren und begonnenen Behandlungen sowie unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen. Der Schutz der Mitarbeiter und Patienten steht an erster Stelle. Einfache Prophylaxe findet nicht mehr statt. Alles, was ohne Probleme zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann, wird verschoben.

Jennifer Höner, zahnmedizinische Fachangestellte in der Praxis Habermann, informiert, dass die Praxis bisher wie gewohnt geöffnet sei. Der Fokus liege auf der Notfallbehandlung. Sie empfehle Patienten, einfach den telefonischen Kontakt zu suchen, um individuelle Fragen zu klären. In der Zahnarztpraxis Marc André Haun liegt der Fokus ebenfalls auf Notfallbehandlungen, so Luisa Hünnefeld, zahnmedizinische Fachangestellte. „Wir sind freigestellt, die Behandlungen auf das Notwendige zu beschränken.“ Professionelle Zahnreinigung finde beispielsweise nicht mehr statt.

„Alles Aufschiebbare wird aufgeschoben“, sagt Zahnarzthelferin Daniela Mathy aus der Praxis Kamphusmann. Reine Schmerzbehandlung sei das Gebot der Stunde. Am Empfangstresen sei Plexiglas zum Schutz angebracht worden. Besuche zur Prophylaxebehandlung in Altenheimen seien aber beispielsweise eingestellt worden. Da zwei Zahnärzte in der Praxis tätig sind, sei es möglich, in Schichten zu arbeiten, „Zwei Teams, zwei Ärzte, das ist im Moment ein Luxus“, der sowohl den Mitarbeitern als auch den Patienten zugutekommt.

Hygienevorschriften noch strenger

Und in Sachen Schutzausrüstung sieht sich die Praxis aktuell gut ausgestattet. „Wir wollen die Praxis nicht schließen“, stellt Mathy fest. Das ist – selbst wenn die Zahnärzte das wollen würden – auch gar nicht so einfach möglich: Denn dem stehen rechtliche Gründe und der grundsätzliche verpflichtende Versorgungsauftrag entgegen. Erste Überlegungen der Fachverbände, Behandlungen in Kliniken oder Ambulanzen zu bündeln, sind noch nicht abgeschlossen.

Der Empfehlung der Fachverbände, planbare Behandlungen zu verschieben, folgt auch Dr. Harald Kokot. „Wir führen vorwiegend Schmerzbehandlungen durch. Wenn etwas Heftiges passiert, sind wir natürlich für die Patienten da.“ Er weiß, dass insbesondere der enge Kontakt mit den Patienten im Zuge der Behandlung in Corona-Zeiten die ohnehin strenge Einhaltung von Hygienevorschriften weiter in den Fokus rückt.

Ein Problem sieht er bei den Schutzausrüstungen. Dabei gehe es weniger um den normalen Mundschutz, sondern um Varianten wie beispielsweise die FFP3-Maske. Diese haben eine andere Qualität als der übliche Mund-Nasen-Schutz und schützen schlichtweg besser. „Die sind knapp“, sagt der Zahnarzt.

Hilfe von Land und Bund

Ebenso wie seine Kollegen wird er regelmäßig informiert. Durch die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL). In einer Stellungnahme der beiden Körperschaften von Dienstag wird betont, dass die Zahnarztpraxen auf die persönliche Schutzausrüstung wie Handschuhe, Mundschutz und auf Desinfektionsmittel angewiesen seien. Materialien, die zurzeit teilweise nicht mehr erhältlich seien, schreiben die Kammer und die KZVWL. Vom Landes- und Bundesgesundheitsministerium sei Hilfe zugesagt worden. „Eingetroffen sind diese Materialien bisher jedoch nicht“, hieß es am Dienstag.

Kammer und KZVWL betonen: „Niemand muss im Moment aus Gründen des Infektionsschutzes Angst haben, eine Zahnarztpraxis zu betreten.“ Allerdings sei die Politik gefordert, den Rahmen zur Versorgung der Patienten sicherzustellen. Dazu gehöre außer der Verfügbarkeit von Schutzausrüstung zwingend wegen eines Einbruchs der Patientennachfrage auch eine finanzielle Absicherung der Zahnarztpraxen zur Sicherung ihrer Existenz.

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