Stele ist Appell zur Veränderung
Bild: Bitter
Bürgermeister Marco Diethelm hielt die Gedenkrede zur Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Herzebrock.
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Während Tabea Koch, Borys Gruszscinski und Stefan Tohermes Lebensdaten und -standorte verlasen, fielen die Namen der Stätten des Grauens: Auschwitz, Mauthausen, Theresienstadt und Treblinka. Gemeindearchivar Eckhard Möller und der stellvertretende Schulleiter Christian Abendroth halfen den Schülern dabei, Geschichte vor Ort aufzuhellen.

Fünf Familien lebten in Herzebrock

An der vor zehn Jahren auf dem Fuhrmannsplatz aufgestellten Stele des Bildhauers Hans-Bernhard Vielstädte hielt Bürgermeister Marco Diethelm gestern Mittag die Gedenkrede. Danach lebten fünf jüdische Familien in Herzebrock: Geschäftsleute, Metzgermeister und Möbelfabrikant.

Die auf Anregung der Israel-Arbeitsgemeinschaft am Rhedaer Einsteingymnasium geschaffene Stele solle nicht die Frage nach der Schuld klären, sondern mahnen und Appell zur Veränderung sein, merkte der Bürgermeister an. Er warnte davor, sich andeutende antisemitische Tendenzen zu unterschätzen. Menschen dächten, wie sie sprächen. Bei ihren Aussagen handele es sich nicht um Missverständnisse.

Gedenken ist wichtig

Im heutigen Kreis Gütersloh hätten vor 80 Jahren in Versmold, Gütersloh, Rheda und Neuenkirchen Synagogen gebrannt, seien Geschäfte demoliert, Bewohner gedemütigt, vertrieben, verfolgt und ermordet worden, rief Diethelm in Erinnerung. Es sei wichtig, sich diesen Verbrechen in wissbegieriger Offenheit zu widmen, weil es immer weniger Zeitzeugen gebe.

Christian Abendroth machte deutlich, dass sich bereits 1933 mit dem Boykott jüdischer Geschäfte die Judenverfolgung angekündigt habe. Es seien am 15. September 1935 die Nürnberger Gesetze „zum Schutze deutschen Blutes“ gefolgt und am 20. Januar 1942 die Wannsee-Konferenz, die den Holocaust als sogenannte Endlösung organisiert.

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