Totengedenken mit szenischer Lesung
Bild: Gehre
Im historischen Gewölbekeller des ehemaligen Klosters Herzebrock gestalteten (v. l.) Dr. Rüdiger Krüger (Ackermann), Arnold Bergmann (Gott) und Jürgen Nentwig (Teufel) das Wortkunstwerk „Der Ackermann aus Böhmen“.
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In der stimmigen Atmosphäre des historischen Umfelds beeindruckten im Halbdunkel bei ihrer szenischen Lesung drei kompetente Sprecher. Sie zeigten den monumentalen Disput des Johannes von Tepl, der als „Ackermann von Böhmen“ einen frühen Höhepunkt deutscher Sprachgeschichte markiert. Das um 1400 entstandene Wortkunstwerk, das gleiche Ansprüche an Vortragende wie an Zuhörer stellt, ist ein Streitgespräch zwischen einem Mann, der seine junge Frau und Mutter seiner Kinder verloren hat, mit dem Tod. Mensch und Tod ringen mit Erbitterung im Hin und Her ihrer Argumente um ihre Rechte.

Eine starke innere Leidenschaft durchzieht den Dialog. Die Sprache wird bei aller Virtuosität zum Ausdruck inneren Erlebens, ehe der Herrgott als großer Schiedsrichter die Entscheidung trifft: „Darum, Kläger, habe du die Ehre, Tod, du den Sieg. Jeder Mensch ist mit dem Tode das Leben, Leib und Seele mir zu geben verpflichtet“. Da prallen das vom Himmelsgedanken erfüllte Mittelalter und die Diesseitigkeit des neuen Humanismus hart aufeinander.

Der Hauptanteil des frühneuhochdeutschen Texts war Dr. Rüdiger Krüger in der Rolle des Ackermanns mit seiner geschulten variantenreichen Rezitationskunst zugefallen. Als raffinierter, schlauer Sophistiker stellte Rüdiger Nentwig den Tod als unerbittlichen Gegenpart dar, ehe Arnold Bergmann würdig und maßvoll das finale Gottesurteil verkündete.

Gebannt hatten die nur wenigen Zuhörer dieses kleinen, feinen Kulturereignisses zwei volle Stunden lang ohne Unterbrechung dem kunstvollen Dialog gelauscht. Er war der am Tag zuvor gestorbenen leitenden Mitarbeiterin der Volkshochschule Reckenberg-Ems, Doris Linnenbrink, zum Gedenken gewidmet und hinterließ ein spürbar ergriffenes Auditorium.

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