Aldi-Neubau auf Erdbeerwiese rückt näher
Bild: Rolf Herrmann
Bis die Bagger anrollen können, muss erst noch die Bauleitplanungen fortgeführt werden. Die Weichen für einen Aldi-Neubau auf der Erdbeerwiese (unser Bild) hat der Rat nun aber gestellt.  
Bild: Rolf Herrmann

In einer teils hitzig geführten Debatte wurde mehrheitlich einer Änderung des bestehenden Bebauungsplans zugestimmt, die dem Discount-Riesen aus Essen die Errichtung einer modernen 1000-Quadratmeter-Filiale in direkter Nachbarschaft zum weiter genutzten Altgebäude ermöglicht. Die gewählten Bürgervertreter haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Zu stark seien die Bedenken, dass sich eine drastische Erweiterung des Discountmarkts – von derzeit 650 auf 1000 Quadratmeter – negativ auf das Kaufverhalten der Langenberger auswirken werde, waren sich diejenigen einig, die letztlich gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung stimmten.

Insbesondere zu Lasten des bestehenden Lebensmittelmarkts in Benteler werde eine befürchtete Sortimentsausweitung gehen, begründete Renate Große-Wietfeld (CDU), warum sich ihre Fraktion bei dieser Frage zu schwer getan habe. Auch die SPD befürchtet, dass der bestehende Einzelhandel in der Gemeinde Schaden nehmen könnte, sollte der Aldi seine Verkaufsfläche wie geplant vergrößern. Die Sozialdemokraten appellierten an die übrigen Ratsmitglieder, über einen Beschlussvorschlag erst nach einer so genannten Verträglichkeitsanalyse abstimmen zu lassen. Eine solche Berechnung der Kaufkraftumverteilung hatte zuvor die Industrie- und Handelskammer (IHK) in einem Schreiben an die Verwaltung empfohlen.

Mit drei Gegenstimmen aus den Reihen der CDU, zwei Gegenstimmen von der SPD sowie drei Enthaltungen hat der Gemeinderat doch noch mehrheitlich für eine Bebauungsplanänderungen zugunsten eines Aldi-Markt-Neubaus entschieden. Bedenken zumindest teilweise aus dem Weg geräumt hatten zuvor Sebastian Kocyan vom Büro Junker und Kruse, das das Einzelhandelskonzept für Langenberg erstellt hatte, sowie Planer Jens-Peter Huesmann.

Auf eine Verträglichkeitsanalyse könne verzichtet werden, da es aus seiner Sicht nicht zu gravierenden Kaufkraftumverteilungen kommen werde, sagte Kocyan. „Der Kundenkreis wird derselbe bleiben“, erläuterte der Gutachter. Der Aldi in Langenberg werde schon jetzt auch von Benteleranern gezielt angefahren. Die insbesondere vom Inhaber des Markts in Benteler befürchtete Kaufkraftabwanderung sei „ein reines Wettbewerbsargument“, sagte Kocyan.

Sortimentsfestsetzung

Mit dem Aldi-Neubau auf der Erdbeerwiese und dem Erhalt des Bestandsgebäudes steht und fällt die Frage nach einem Drogeriemarkt für Langenberg. Die von der Eigentümerin des Aldi-Bestandsgebäude in der Sitzung noch einmal beworbene Variante einer von ihr im Franchise-Prinzip geführten Ihr-Platz-Filiale wird es nicht geben – zumindest vorerst nicht. Der gefasste Ratsbeschluss sieht für das Aldi-Altgebäude eine Sortimentsfestsetzung vor, die nur nicht-zentrenrelevante Artikel zum Verkauf zulässt. Ein von Bürgern und Politik gleichermaßen gewünschter Drogeriefachmarkt solle sich möglichst im zu stärkenden Einzelhandelszentrum „Hauptstraße“ ansiedeln, waren sich die Bürgervertreter aller Couleur einig. Diese Option soll nun weiter geprüft werden.

Der Drogeriemarkt-Standort Erdbeerwiese ist damit aber noch nicht vom Tisch. „Die schlechteste Variante für die Gemeinde wäre, wenn sich gar kein Drogeriemarkt finden würde“, erläuterte Sebastian Kocyan. Es gehe nicht darum, das Einzelhandelssortiment auszuweiten, sondern darum, derzeit ablaufende Kaufkraft an den Standort Langenberg zu binden, sagte der Gutachter. Aus diesem Grund sollte die Sortimentsfestsetzung des Aldi-Altgebäudes, für den Fall, dass die Suche nach einem Standort an der Hauptstraße nicht zum Erfolg führt, in einer weiteren Bebauungsplanänderung wegfallen. Weil dies laut Planer Jens-Peter Huesmann im laufenden Verfahren „zügig“ gehe, könnten vielleicht schon in sechs Monaten die Weichen für eine Ihr-Platz-Filiale an der Bentelerstraße gestellt sein.

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