Bilder aus der Gemeinde im Kalender 2014
Bild: Wessel
Einige der Aufnahmen, die Günter van den Bongard aus Langenberg für den neuen Kalender des Heimatvereins ausgewählt hat, sind mehr als 100 Jahre alt. 
Bild: Wessel

„Das war eines der ersten Autos in Langenberg“, erklärt Günter van den Bongard und zeigt auf das Titelblatt des Kalenders, der vor ihm liegt. Vier Männer mit Hüten, eingehüllt in dicke Wollmäntel sitzen auf dem Oldtimer, den die alte Fotografie zeigt. Beim Anfertigen des Kalenders stand er auch diesmal vor einem ihm altbekannten Problem: die Qual der Wahl.

„Ich achte immer ein wenig darauf, dass die Bilder zur Jahreszeit passen“, erklärt der Heimatforscher. So zeigt einer der Wintermonate zum Beispiel die Eisfläche der alten Brauerei Dittmann in den 1950er-Jahren. Um Eis zur Kühlung des Biers zu gewinnen, flutete man früher eine große Wiese. Die Arbeiter hauten mit Spitzhacken die Schollen aus dem Eis. „Als Kinder sind wir mit unseren Schlittschuhen über die Fläche gefahren“, erzählt Günter van den Bongard und lächelt bei der Erinnerung an Sprünge über heraus gelöste Eisstücke. Von weit her seien die Leute damals zum Eislaufen gekommen.

Kirmes immer im September

Auch die Bildauswahl für den Monat September war aus Langenberger Tradition schon gesetzt. Auf dem schwarz-weißen Druck tummeln sich etliche Menschen vor Kirmesbuden – wie immer im September. Doch auf dem Bild ist es ist 1951. Die Mädchen tragen lange Zöpfe, und auch die Jungen sind herausgeputzt.

„Da hat man den Kommunionsanzug wieder hervor geholt“, erklärt Günter van den Bongard. Er war zum Zeitpunkt der Aufnahme elf Jahre alt und erinnert sich gut an den Jahrmarkt. Schlüters Boxbude sei immer mit dabei gewesen. Und der Auto-Selbstfahrer – heute den Jugendlichen besser bekannt als Autoscooter. „Für Verliebte durfte die Raupe mit dem Verdeck nicht fehlen“, sagt der Rentner schmunzelt.

Mutter konnte Sütterlinschrift

Dass die Kirmes eine lange Geschichte hat, weiß Günter van den Bongard aus den Schulchroniken, die er von der Sütterlin- in die Schreibschrift der Gegenwart übertragen hat. Haben die Autoren der Dokumente, deren Kopien vor Günter van den Bongard auf dem Schreibtisch liegen, ordentlich geschrieben, kann der Langenberger die alten Buchstaben flüssig lesen. Und das, obwohl er als Schüler nur einen Tag lang in Sütterlin unterrichtet worden ist.

„Meine Mutter konnte Sütterlin schreiben und lesen, von ihr konnte ich lernen“, erklärt er und lüftet das Geheimnis seines Könnens. Weitere Motive des Langenberger Kalenders für 2014 sind etwa die Genossenschaftsmolkerei, eine Aufnahme des Baus der Bundesstraße 55 oder des Bierfahrers Brummel.

2500 Negative eingescannt

Für den Kalender des Heimatvereins schöpft Günter van den Bongard aus einem Bestand aus gut 2500 Fotografien. Sie stammen aus dem Nachlass des verstorbenen Langenberger Fotografen Rudi Mildner. Dessen Sohn übergab Günter van den Bongard die Negative. Stundenlang hat der heimatverbundene Rentner diese abends eingescannt und in Bilddateien umgewandelt. Etwa eine Woche habe dies gedauert, sagt der frühere Elektriker.

 „Manchmal musste ich die Fotos mit einem Programm noch etwas aufmöbeln“, sagt er. Doch die Mühe hat sich offenbar gelohnt: „Die Aufnahmen reichen noch für etliche Kalender.“ Die Ausgabe für 2014 ist für fünf Euro erhältlich. Interessenten können den Kalender in der Raiffeisen-Niederlassung an der Bahnhofstraße, im Hofladen der Familie Venker-Metarp, Rietberger Straße 62, oder bei Günter van den Bongard, Tel. 05248/1463, kaufen.

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