„Corona“ kann Frühling nichts anhaben
Bild: Nienaber
„Der Langenberger Frühling findet statt“, sagt Franz-Josef Kühmann vom Gewerbeverein. „Solange uns keine höhere Instanz etwas anderes vorschreibt, wird die Veranstaltung wie gewohnt über die Bühne gehen“, betont er. Dabei spiele vor allem die Tatsache eine Rolle, dass es sich um eine Menschenansammlung unter freiem Himmel handelt.
Bild: Nienaber

Das Benteleraner „Kleeblatt“ zählte zu den ersten Vereinen und Institutionen, die die Reißleine zogen. Seine Second-Hand-Börse Frühjahr/Sommer, die am Wochenende vermutlich wieder hunderte Schnäppchenjäger in die Mehrzweckhalle gelockt hätte, findet nicht statt. „Ob nun Corona oder normale Grippe – die Möglichkeit, sich dort dann anzustecken, ist extrem hoch, und wir möchten die Verbreitung nicht forcieren“, begründete Sprecherin Stefanie Bartels die Entscheidung.

Vorsorgliches Handeln ist auch maßgeblich der Grund dafür, warum die Feuerwehren im Kreis Gütersloh dieser Tage weniger „kontaktfreudig“ sind als üblich. Sämtliche Treffen der Blauröcke sind abgesagt worden. Davon betroffen ist auch die Jahresversammlung der Gemeindewehr, die am heutigen Samstag über die Bühne gehen sollte. Rechtzeitig den Stecker gezogen, wie er selbst sagt, hat auch Michael Gentrup vom gleichnamigen Ford-Autohaus. Eigentlich wollte er mit mehr als 600 Frühlingshungrigen am 21. März wieder eine Party zum Lenzbeginn feiern – „uns sind aber nun reihenweise Karten zurückgegeben worden, sodass wir die Konsequenzen ziehen mussten“. Ihren Spaß können Partygänger voraussichtlich ein halbes Jahr später haben. Nach jetzigem Stand am 31. Oktober soll ein neuer Anlauf unternommen werden.

Wie groß die Verunsicherung bei den Langenbergern ist, hat auch Franz-Josef Kühmann vom Gewerbeverein schon am eigenen Leib erfahren. Auch bei ihm steht das Telefon seit einigen Tagen nicht mehr still. Gebetsmühlenartig antwortet er den Anrufern: „Der Langenberger Frühling findet statt.“ Er sei zuversichtlich, dass an dem Entschluss auch nicht mehr gerüttelt wird. „Solange uns keine höhere Instanz etwas anderes vorschreibt, wird die Veranstaltung wie gewohnt über die Bühne gehen“, betont Kühmann. Dabei spiele vor allem die Tatsache eine Rolle, dass es sich um eine Menschenansammlung unter freiem Himmel handelt. Unter Einhaltung der üblichen Hygienemaßnahmen ergebe sich kein erhöhtes Ansteckungsrisiko.

Ein ungewohntes Bild tut sich dieser Tage Besuchern der Pfarrkirche auf. Die Becken, in denen normalerweise Weihwasser bereitgehalten wird, mit dem sich Kirchgänger bezeichnen können, bleiben vorerst leer. Eine solche Verfügung habe das Erzbistum den Gemeinden vorsorglich auferlegt. Bis auf Weiteres soll in Gottesdiensten und Messen nach Auskunft Pastor Olaf Loers auch auf symbolische Friedensgrüße per Händeschütteln verzichtet werden. Tabu sind aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos zudem Mund- und Kelchkommunion.

Auch mit Blick auf Veranstaltungen muss die Kirchengemeinde derzeit hier und da umdisponieren. Weil etwa die „Nacht der Lichter“ in Paderborn abgesagt worden ist, muss für die Firmbewerber nach einem adäquaten Ersatz der Großveranstaltung gesucht werden. Auch die geplante Fahrt Jugendlicher aus dem Pastoralverbund nach Taizé steht auf der Kippe. „Wir wollen schließlich niemanden einer Gefahr aussetzen“, erläutert Pastor Loer. Endgültig sei darüber aber noch nicht entschieden. Gleiches gelte für die Konzerte des Gospelchors „Rejoice“ in Lippstadt.

Messen und Wortgottesfeiern stehen im Verbreitungsgebiet des Erzbistums derzeit noch nicht auf der Streichliste. Olaf Loer schließt aber nicht aus, dass es auch im Kirchenalltag zu weiteren Einschränkungen für die Gläubigen kommen könnte. Insbesondere dann, wenn sich das Coronavirus nachweislich im Kreisgebiet ausgebreitet haben sollte und seitens des Gesundheitsamts beziehungsweise des Landrats entsprechende Quarantänemaßnahmen angeordnet würden. „Denen müssten wir uns dann natürlich fügen“, unterstreicht der Geistliche.

Als Lebensmittelhersteller besonders auf den sensiblen Umgang mit Rohstoffen bedacht ist die Privatbrauerei Hohenfelde. Um eine Kontaminierung der Produkte ausschließen zu können, hat das Unternehmen aufgrund der akuten Sachlage seine Führungen durch die Hallen an der Lippstädter Straße vorerst ausgesetzt. „Das ist eine reine Präventivmaßnahme“, sagt Vertriebsleiter Markus Korfmacher. Auch bei den Planungen zum anstehenden Brauhoffest anlässlich des 175-jährigen Bestehens hat man nach reiflicher Überlegung die Notbremse gezogen. Auf Ständchen und Geburtstagstorte müssen die Langenberger dennoch nicht verzichten. Statt im April wird das Jubiläum am 12. September mit den Freunden des kühlen Blonden gefeiert.

SOCIAL BOOKMARKS