Das Glück kommt ganz in Schwarz gekleidet
Bild: Nienaber
Reinhold Meerbecker ist Bezirksschornsteinfeger in Langenberg - und ganz nebenbei auch Glücksbringer.
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 Er werde immer wieder angesprochen, wenn er in seiner berufstypischen Kluft durch die Straßen geht, ob er nicht ein wenig Glück spenden könne. „Ich soll mal auf die Schulter klopfen, wenn beispielsweise eine wichtige Prüfung ansteht, oder einfach nur an jemanden denken. Sogar bei Hochzeiten habe ich schon Spalier gestanden“, sagt der 46-Jährige.

Aber, auch wenn er eigentlich keine Zeit als Glücksbote hat, wird Meerbecker seiner Rolle gerecht: Für die schnellen Fälle „zwischendurch“ hat der Bezirksschornsteinfeger immer eine Handvoll Miniatur-Schornsteinfeger an Bord seines Einsatzwagens, die er Glücksuchenden in die Hände drücken kann. Auch ohne den ungewöhnlichen „Nebenjob“ wäre Reinhold Meerbecker gut ausgelastet. Nach 30 Jahren an den Schornsteinen seines Kehrbezirks ist Meerbecker in seinem Hauptberuf als Schornsteinfeger noch immer mit Herz und Seele dabei. Seit 2005 ist er Bezirksschornsteinfeger – und damit für 2000 Gebäude in Langenberg, Benteler und einem kleinen Teil Rheda-Wiedebrücks zuständig. Überprüfungen von Feuerstätten jeglicher Art sowie das Reinigen von Schornsteinen und Abgasleitungen sind sein Tagesgeschäft.

Neues Gestz soll Kehrmonopol lockern

Das Wort „Bezirk“ in seiner Berufsbezeichnung muss Reinhold Meerbecker ab dem kommenden Jahr allerdings streichen. Mit Inkrafttreten der Schornsteinfegergesetz-Novellierung am 1. Januar 2013 fällt dieser Titel weg. „Dann bin ich nur noch Schornsteinfegermeister. Allerdings einer mit dem Zusatz „bezirksbevollmächtigter“, erklärt er. Das neue Schornsteinfeger-Handwerkergesetz, welches EU-weit einheitliche Regelungen bringen soll, ermöglicht die teilweise Lockerung des bekannten Kehrmonopols. Bisher habe ein Bezirksschornsteinfeger alle Kunden mit sämtlichen Leistungen rund um Feuerstätten versorgt. Das neue Gesetz sehe vor, dass bestimmte Reinigungs- und Messaufgaben frei an beliebige Schornsteinfeger vergeben werden können, erläutert Reinhold Meerbecker. „Die hoheitlichen Aufgaben bleiben dem bevollmächtigten Schornsteinfeger vorbehalten.“

Für die Hauseigentümer in Meerbeckers Kehrbezirk heißt das aber erst einmal gar nichts. „Wenn ich weiter die Aufgaben des Schornsteinfegers übernehmen soll, dann ändert sich für meine Kunden eigentlich nichts“, sagt der Glücksbote. Zwar bekommen sie alle bis zum Ende des Jahres einen so genannten Feuerstättenbescheid, wenn Meerbeckers Arbeit aber weiterhin gewünscht wird, dann brauchen die Kunden nichts zu tun. Sollen Reinigungsarbeiten aber künftig von anderen Schornsteinfegermeistern übernommen werden, müssen die Feuerstättenbesitzer dies Meerbecker mitteilen – und die Reinigungen turnusmäßig beim Bezirksbevollmächtigten nachweisen. Die Verantwortung, dass an Kamin und Schornstein alles in Ordnung ist, wird somit ein Stückweit an die Hausbesitzer weitergegeben.

Reinhold Meerbecker glaubt aber nicht daran, dass viele seiner Kehrkunden abspringen werden. Er habe sich in den vergangenen drei Jahrzehnten einen echten Vertrauenvorschuss erarbeitet. Manchmal drücken ihm Hauseigentümer sogar den Schlüssel in die Hand mit den Worten: „Ich bin nächste Woche im Urlaub, dann kannst Du ja Deine Arbeiten in Ruhe erledigen.“ Auch wenn Vieles beim Alten bleiben wird, rechnet Meerbecker mit Veränderungen mit Inkrafttreten der Gesetzesnovellierung. „Die Büroarbeit wird sicher nicht weniger, bei den vorgeschriebenen Dokumentationen. Dabei sitze ich schon heute mindestens vier Stunden pro Tag im Büro.“

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