Der mit den Weihnachtsbäumen spricht
Archivbild: Wieneke
Das gesamte Jahr über dreht sich bei Hubertus Wilmers alles um große und kleine Weihnachtsbäume. Auf einer an seinem Hof gelegenen Fläche von drei Hektar pflegt er eigene Kulturen, und bei Autofahrten gilt sein geschulter Blick vor allem Nordmannbäumen.
Archivbild: Wieneke

In den vergangenen Jahren hat sich der Langenberger einen Namen als Fachmann für „grüne Riesen“ gemacht. Nach dem Fest ist vor dem Fest, könnte ein Motto für den Landwirt lauten. Das gesamte Jahr über dreht sich bei dem Langenberger alles um große und kleine Weihnachtsbäume. Er hegt und pflegt seine begehrten Festbegleiter rund um die Uhr. Vor allem aber das Geschäft mit den Großtannen fordere ihn, wie er der „Glocke“ berichtet. Wilmers beliefert seine Kunden – überwiegend Städte und Großfirmen – mit wahren Prachtexemplaren. „Mindestens 17 Meter hoch, wie eine Pyramide gewachsen und ohne das kleinste Loch müssen sie nach den Wünschen meiner Stammkunden sein“, sagt der Tannenfachmann. Solche Exemplare habe er natürlich nicht auf seinem Grund und Boden stehen. „Augen auf“ heiße es deshalb für ihn, wenn er das ganze Jahr über als „Baum-Scout“ rund 1000 Kilometer durch die Gegend fährt. So entdeckte Wilmers bei einer seiner Rundfahrten vor fünf Jahren in Westbevern ein solches Musterstück. Er hielt an und klingelte bei den Baumbesitzern. Da niemand zuhause war, hinterließ er einen Zettel: „Ich habe Interesse an ihrer Tanne.“ Tage später erhielt Wilmers einen Anruf aus Westbevern. Bei einem intensiven Gespräch mit der Familie kam es zur Übereinkunft, das Prachtstück für den Weihnachtsmarkt in Münster zu reservieren. Die eigentliche Herausforderung beginnt beim vom Auftraggeber gewünschten Liefertermin. Dann benötigt Wilmers seinen 40 Jahre alten Unimog, einen Tieflader und einen 200-Tonnen-Kran. Am Ausleger gesichert werden die bis zu 6,5 Tonnen schweren Großtannen mit Stammdurchmessern von über einem halben Meter abgeschnitten, über Häuserdächer hinweggehoben sowie auf dem Tieflader abgelegt und für den Transport vorbereitet. Mit einem Kran wird der Weihnachtsbaum dann an seinem neuen Ort aufgestellt, in diesem Jahr unter anderem in Münster, Düsseldorf und Hamburg sowie auf dem Christkindlmarkt in Wiedenbrück.

„Dreijähriges Pflanzgut aus guter Erbanlage“

Mit der Anlieferung sind die Projekte mit den hochgewachsenen Festtagsbegleitern noch nicht abgeschlossen: Die meisten der Prachtexemplare werden nach der besinnlichsten Zeit des Jahres durch Hubertus Wilmers auch wieder entsorgt. Auch dafür braucht er wieder schweres Gerät und sein Fachwissen. Erst danach kann sich der Langenberger Landwirt auf seine Arbeit vor Ort konzentrieren. Auf eigenem Grund und Boden pflanze er nur „dreijähriges Pflanzgut aus guter Erbanlage“, wie er sagt. „Der Samen hat seinen Ursprung in der Ukraine“, erläutert der Fachmann. Acht bis zehn Jahre pflegt er seine heranwachsenden Bäume dann, beschneide und schütze sie vor Krankheiten. Dabei setzt er ebenso wie zur Unkrautbekämpfung vornehmlich biologische Mittel ein. Und wenn gar nichts mehr geht, spreche er sogar mit seinen Bäumen. Besonders weh tue es ihm beim Schlagen der liebgewonnenen Bäumchen. „Mit nur einem Schnitt bereite ich den Menschen eine traditionelle Weihnachtsfreude und zugleich dem Baum sein Ende“, sagt Wilmers.

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