Dicht oder nicht? Ingenieure informieren
Bild: Inderlied
Informierten über die Dichtheitsprüfung: (v. l.) Reinhard Mense (Gemeinde Langenberg), Bauamtsleiter Dirk Vogt, Diplom-Ingenieur Heiko Möller, Peter Friesen (Siedlergemeinschaft Benteler), Bürgermeisterin Susanne Mittag, Diplom-Ingenieur Elmar Schneider, Franz Große-Wietfeld und Ludwig Fiedel (beide Siedlergemeinschaft Langenberg). 
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In der Gaststätte Pütt’s erklärten zwei Diplom-Ingenieure den Ablauf der Prüfungen. Stein des Anstoßes ist der Paragraf 61 des Landesabwassergesetzes. Dort ist festgelegt, dass sowohl öffentliche als auch private und gewerbliche Abwasserkanäle bis zum Stichtag 31. Dezember 2015 auf ihre Dichtheit geprüft werden müssen. Undichte Leitungen belasten die Umwelt und sorgen dafür, dass die Kläranlagen nicht richtig funktionieren. „Dann bräuchte man mehr Kläranlagen“, erklärte Diplom-Ingenieur Heiko Möller von der Firma Lobbe (Iserlohn), „und dass würde dazu führen, dass die Abwassergebühren steigen“.

„Wir müssen nicht adhoc handeln“, beruhigte Langenbergs Bauamtsleiter Dirk Vogt. Im Herbst diesen Jahres müsse sich der Gemeinderat auf eine Satzung einigen, in der alle Vorgaben und Fristen festgelegt sind. Fest steht schon jetzt: Die Überprüfung soll in Abschnitten erfolgen. „Wir werden 2013 mit einem Bezirk beginnen müssen“, stellte Vogt klar, dass „nicht unbedingt ältere Häuser zuerst geprüft werden“. Erklärt das mit der Überprüfung beauftragte Unternehmen die Abwasserleitungen für dicht, bekommt der Hausbesitzer ein entsprechendes Zertifikat, welches 20 Jahre gültig ist. Finden sich allerdings Lecks, müssen die Schäden innerhalb von zwei Jahren ausgebessert werden. Die Gemeinde muss anschließend kontrollieren, ob die vorgelegten Prüfergebnisse von zertifizierten Unternehmen erstellt und die Schäden beseitigt wurden.

Kosten bereiten Bürgern Sorge

Schon während der Vorträge stellten die Bürger immer wieder Nachfragen und ließen ihrer Verärgerung über die „Abzocke“ freien Lauf. Dann entlud sich der Zorn der Hausbesitzer. „Was machen diejenigen, die gar kein Geld für eine Sanierung haben?“, fragte ein besorgter Bürger. „Müssen die dann ihr Haus verkaufen, dass sie ursprünglich für ihre Altersversorgung gedacht hatten.“ Wenn die Politik den Bürgern schon derartige Vorschriften mache, müsse sie auch Lösungen für Leute anbieten, die keinen Kredit mehr von ihrer Bank bekämen. In das gleiche Horn stieß eine entrüstete Rentnerin , die sich als pensionierte Bänkerin zu erkennen gab: „Die Leute kriegen mit 78 Jahren keine Kredite mehr von den Banken.“ Die angesprochene Bürgermeisterin Susanne Mittag versprach, mit den Banken vor Ort in Kontakt zu treten.

Bei der Dichtheitsprüfung werden Abwasserleitungen überprüft, durch die Schmutzwasser aus Dusche, Toilettenspülung und Wasserhahn in das Kanalnetz gelangen. Vorzugsweise mit einer Sichtkontrolle durch eine Kameradurchfahrt wird geprüft, ob durch Lecks in der Leitung das Grundwasser verunreinigt wird.

Die Kosten liegen zwischen 200 und 400 Euro. Deutlich teurer wird es, wenn Schäden festgestellt und repariert werden müssen. Die Kosten für eine Sanierung betragen durchschnittlich 4500 Euro. Eine Dichtheitsprüfung muss alle 20 Jahre durchgeführt werden.

In NRW dürfen nur zertifizierte Unternehmen die Überprüfung vornehmen (siehe Internetadresse). Die Gemeinde Langenberg warnt vor Haustürgeschäften, die zwar günstige Preise böten, aber oft nicht zertifiziert seien. Der Gemeinderat kann bis Ende des Jahres beschließen, die gesetzliche Frist bis ins Jahr 2023 zu verlängern.

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