Dosenfutter kann im Schrank bleiben
Bild: Inderlied
Dackeldame Nala mag es gern roh: Ramon Brinkhaus und seine Verlobte Svena Köhler haben mit ihrer Idee, Frischfleisch als Tierfutter anzubieten, in der Region eine Marktlücke entdeckt.
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Gemeinsam mit seiner Verlobten Svena Köhler verkauft Brinkhaus Frischfleisch – speziell für Pfiffi und den Stubentiger. Die passende Umgebung hat er sich auf jeden Fall ausgesucht. Der Hof mit eigener Schlachterei und Verkaufsraum liegt abseits von Langenberg. Eine Sackgasse führt dorthin, die letzten Meter sind ein Kiesweg. Auf einer kleinen Wiese recken Gänse neugierig die Hälse, während auf dem Hof entlaufene Hühner den Besucher empfangen. „Diese Idylle passt doch wunderbar zu meinem Projekt“, sagt Brinkhaus.

Alles auf eine Karte gesetzt

Die Idee des tierischen Frischfleischlieferanten kam dem 30-Jährigen per Zufall. Von seinem Vater hatte er seinerzeit die Hofschlachterei übernommen. „Eines Tages fragte mich ein Kunde, ob er nicht Schafe für seine Hunde bei mir schlachten lassen könne“, erinnert sich Ramon Brinkhaus. Er informierte sich über das Barfen, wie die Ernährung mit frischen und rohen Zutaten für den Hund genannt wird, machte ein Praktikum – und setzte 2011 alles auf eine Karte. „Ich hatte große Sorgen“, gesteht Brinkhaus. Immerhin musste er viel Geld in den Verkaufsraum und in die Lagerung des verderblichen Guts investieren. „Das hätte auch in die Hose gehen können“, sagt der Langenberger.

Risiko wird belohnt

Das Risiko wurde belohnt. Inzwischen sei das Geschäft mit Frischfleisch für Hunde und Katzen „ein zweites Standbein für die Schlachterei“, wie Brinkhaus bekräftigt. Einen Mehraufwand hat er abgesehen vom Verkaufen kaum. Montags wird geschlachtet, am Donnerstagnachmittag und Samstagmorgen die Ware verkauft. Angeboten werden Geflügel, Lamm, Rind und Pferd – alles ohne Konservierungsstoffe, betont der Langenberger. Die Verkaufstheke gleicht der beim Metzger um die Ecke. „Das Besondere ist, dass sich die Kunden anschauen können, was sie kaufen“, erklärt Brinkhaus. Theoretisch könnten seine Kunden die meisten der angebotenen Produkte auch selbst verzehren. Von Trockenfutter hält er selbstredend nicht viel. „Hunde können davon krank werden“, sagt der 30-Jährige. Die Verdauung der Tiere sei nicht auf den hohen Getreideanteil im Fertigfutter eingestellt, Allergien und Hautprobleme die Folge. „Das Immunsystem ist irgendwann komplett zerstört“, erklärt Brinkhaus. Der Tierarzt verschreibe dann Cortison, das die Beschwerden unterdrücken soll. „Doch die Probleme könnte man oft in den Griff bekommen, wenn man dem Hund einfach Fleisch geben würde“, ist sich Brinkhaus sicher.

Marktlücke

Mit seiner Geschäftsidee hat der 30-Jährige eine echte Marktlücke entdeckt. Sogar aus den Nachbarkreisen kommen die Kunden mittlerweile. Neue Käufer können Brinkhaus und seine Verlobte Svena Köhler beinahe täglich begrüßen. Zum ersten Mal ist an diesem Nachmittag Familie Zender aus Rheda-Wiedenbrück nach Langenberg gekommen, um frisches Fleisch für den gemeinsamen Hund zu kaufen. „Er ist ein kleiner Feinschmecker“, sagt Elke Zender über den Beagle Border Collie und lässt sich von Svena Köhler durch den kleinen Laden führen. Anschließend gibt es noch eine kostenlose Beratung.

„Wie bei einer Entgiftung“

„Wenn die Ernährung von Trockenfutter auf Fleisch umgestellt wird, sollte der Hund am besten einen Tag fasten“, erklärt Brinkhaus. Dadurch werde der Magen-Darm-Trakt des Tieres komplett entleert, was wichtig für eine beschwerdefreie Umstellung ist. „Unserem Hund geht es viel besser“, schwärmen Marcel und Susanne Kreimer aus Neubeckum. Die ersten zwei, drei Tage sei der Labrador müde gewesen. „Wie bei einer Entgiftung“, sagt der 36-Jährige. Doch die anfänglichen Probleme seien ausgestanden. „Er liebt es“, berichtet Marcel Kreimer. „Noch eine halbe Stunde später leckt er sich das Maul.“

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