Ein Papierkorb wie ein Steh-auf-Männchen
Bild: Nienaber
In der Kellerwerkstatt seines Vaters ist der 28-Jährige regelmäßig fleißig. Dort entwickelt er seine Ideen weiter und setzt sie in die Tat um. Auch die bisherigen „Poubellie“-Exemplare sind dort entstanden.
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 „Poubellie“ heißt der Papierkorb, den der 28-jährige Tischler und Produkt-Designer entwickelt hat. Der Clou dahinter: Das Behältnis schwingt bei Benutzung hin und her – und sieht ganz nebenbei noch schick aus. Auf den ersten Blick sieht „Poubellie“ aus wie eine überdimensionierte Verpackung eines Überraschungsei-Gimmiks. Nur dass die etwa 40 Zentimeter hohe zylindrische Form auf dem halbrunden Kautschuk-Sockel nicht dafür bestimmt ist, Figürchen zu bewahren, sondern als Endstation für Ausrangiertes dienen soll.

Dass sich das Objekt hin und her bewegt, wenn etwa ein zerknülltes Blatt Papier hineingeworfen wird, ist Kern der Idee, einen alltäglichen Gegenstand mit Design und Spaß zu kombinieren. Schon früh nach seinem Produktdesignstudium in Münster habe er versucht, das Prinzip eines „Steh-auf-Männchens“ mit Funktionalität zu verbinden. Die ersten Entwürfe, die allesamt in der Kellerwerkstatt seines Vaters entstanden sind, waren jedoch nicht vielversprechend: „Eine Leuchte? Sinnlos. Ein Whiskey-Glas? Gab es schon. Dementsprechend schnell sind die Skizzen dazu voller in der Ablage P gelandet“, erinnert sich Herbst. Dann sei ihm aber das sprichwörtliche Licht aufgegangen. Warum nicht einen Papierkorb bauen, bei dem es Spaß macht, ihn zu benutzen? Gesagt – getan.

Mit Hilfe seines Vaters Klaus Herbst – ebenfalls Tischler – war der erste Prototyp zügig fertiggestellt. Es folgte eine lange Zeit des Weiterentwickelns und Verfeinerns. „Schließlich möchte ich Dinge kreieren, die Charme haben und über eine hohe Qualität verfügen. Da muss alles passen“, erläutert der Nachwuchs-Designer. Mittlerweile ist das Produkt formtechnisch ausgereift, der Material-Mix gefunden. In die Serienfertigung hat es „Poubellie“ trotzdem noch nicht geschafft. Ohne eine teure Spritzgussform ist die Herstellung nur in handwerklicher Fleißarbeit möglich – und das würde den Verkaufspreis des Gebrauchsgegenstands in astronomische Höhen schnellen lassen. „Die kostenintensive Produktion schreckt viele Investoren ab“, sagt der 28-jährige Benteleraner. Begraben möchte Herbst seine Idee dennoch noch nicht.

„Ich gebe nicht auf“

 Damit „Poubellie“ nicht nur als Einzelstück auf den Möbelmessen der Nation zu sehen ist, hat sich Sebastian Herbst dazu entschlossen, die Produktion selbst in die Hand zu nehmen. Nur fehlt im dafür das nötige Kapital. Etwa 60 000 Euro würden die Beschaffung einer Spritzgussform sowie die Produktion einer größeren Serie verschlingen – die der Jungdesigner von Interessenten der Idee beschaffen möchte. Per „Crowdfunding“ möchte Herbst bis Ende April die Summe zusammen bekommen und dann durchstarten mit dem „beschwingten Eimer“. „In den Vereinigten Staaten von Amerika ist diese Form der Projektfinanzierung längst ein alter Hut. In Deutschland steckt das Prinzip noch in den Kinderschuhen“, erläutert Sebastian Herbst, der unter dem Namen Otono-Design in Rheda-Wiedenbrück ein Büro für Produkt-, Corporate- und Interieur-Design betreibt. Selbst wenn auch dieser Versuch der Kapitalbeschaffung nicht gelingen sollte, werde er nicht umfallen wie sein Design-Stück. „Ich gebe so schnell nicht auf“, sagt Herbst. Wer Näheres über den Papierkorb „Poubellie“ erfahren oder das Projekt des Jungdesigners unterstützen möchte, kann sich auf der eingerichteten Internetseite informieren. www.startnext.com/ poubellie

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