Ein Praktikant in Gottes Namen
Bild: Nienaber
Die gesamte Bandbreite des Diensts in einer Pfarrgemeinde erfährt dieser Tage Praktikant Niklas Stukenkemper. Der 20-Jährige weicht Pfarrerin Kerstin Pilz sprichwörtlich nicht von der Seite.
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Der 20-Jährige aus Benteler ist Praktikant – in Gottes Namen sozusagen, denn seine Zukunft sieht er selbst im Dienst der Kirche. Hoch hinaus wollte Niklas mit Blick auf den Berufswunsch schon immer: „Eine lange Zeit wollte ich Pilot werden, bei der Bundeswehr“, sagt der Student der evangelischen Theologie. Wie es aussieht, wird Niklas Stukenkemper aber nach der langen Ausbildung an der Universität in Münster und später in einer Gemeinde statt in einen Kampfanzug in einen Talar schlüpfen. Der 20-Jährige ist einer von wenigen in seinem Semester, die auf ein Pfarramt hinarbeiten.

„Bin liberal aufgewachsen“

Als besonders vom Glauben geprägt sieht Stukenkemper seine Kindheit und Jugend nicht. „Ich bin eher liberal aufgewachsen“, sagt der Benteleraner. Erst durch einen besonders intensiven und ihn nachdenklich machenden Religionsunterricht in der Oberstufe an der Lippstädter Marienschule sei der Funke übergesprungen. Sein Lehrer habe mit Wissen glänzen können und auch trockene Themen lebendig werden lassen. „Da stand für mich fest, dass ich Pfarrer werden möchte“, sagt der Theologiestudent. Eltern und Freunde seien zunächst skeptisch gewesen, ob der neue Berufswunsch denn der richtige sei. Mittlerweile erhalte er aber viel Zuspruch und Unterstützung. So haben viele Freunde ihr Kommen zugesagt für den Fall, dass Stukenkemper zum Ende des vierwöchigen Praktikums eine Predigt halten wird. Besonders froh, mit dem Benteleraner einen „engagierten und empathischen jungen Mann“ auf dem Weg in den Dienst Gottes begleiten zu können, ist Pfarrerin Kerstin Pilz. Aus gutem Grund, wie sie sagt: „Junge Menschen mit dem Berufswunsch Pfarrer sind eine aussterbende Spezies. Dabei ist es ein so toller Beruf.“ Die verschwindend geringe Zahl nachrückender Geistlicher seie mit Blick auf die vielen in den Ruhestand tretenden Pfarrer in der evangelischen Landeskirche erschreckend, sagt Kerstin Pilz. Dass sie mit Niklas Stukenkemper jemanden an der Seite hat, der diesen Trend im Kleinen aufhalten und selber etwas gestalten möchte, freut sie daher umso mehr.

Gesamte Bandbreite kennenlernen

Taufgespräche führen, Dienstbesprechungen miterleben, Gottesdienste vorbrereiten: in dem Praktikum solle der Nachwuchspfarrer den Job in seiner ganzen Bandbreite erfahren, sagt Kerstin Pilz. Fehler könne er im Grund nicht machen. „Zweifel zu haben und diese dann in einem Prozess des Sich-selbst-Kennenlernens aufzulösen, ist ein Abschnitt auf dem langen Weg zum Pfarrer“, erläutert die Geistliche. In der Regel mehr als zehn Jahre dauert die Ausbildung vom Studium bis hin zum Dienst in der Pfarrei. Darin enthalten sind laut Kerstin Pilz mindestens fünf Jahre an der Uni, drei Jahre im Vikariat sowie zwei Jahre im Entsendungsdienst. Niklas Stukenkemper hat noch einige Jahre vor sich, bis er seinen eigenen Talar bekommt. Wenn es dann aber endlich soweit sein sollte, so hofft er schon jetzt, werde er hoffentlich viele Gläubige mit seiner persönlichen Art des Predigens bewegen und tief im Herzen berühren.

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