Eisenbahnromantik im eigenen Garten
Bild: Nienaber
Verbringen ihre Zeit gern zwischen den Gleisen: Jonathan Berghoff und sein Vater Michael. Die Anlage des Herstellers „LGB“ ist der ganze Stolz der Familie. Insgesamt 55 Meter Schienen liegen im Garten an der Königsberger Straße.  
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55 Meter Gleis einer detailgetreue Spielbahn, die er als Kind zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, hat der Langenberger auf seinem Grundstück verlegt und so ein idyllisches Kleinod im Maßstab 1:22,5 geschaffen – Dampflokromantik inklusive.

Eigene Welt erschaffen

Jonathan (14) eilt zu der Nachbildung der „Südbadischen Länderbahn“ nach Mallet-Bauart. Laub hat sich auf den Schienen verfangen und den dampfenden Kleinexpress zum Zwischenstopp gezwungen. Ein Handgriff und die Fahrt kann weitergehen. Vater Michael beobachtet das „Pflegemanöver“ von der Schaltzentrale aus. Er weiß offensichtlich um das handwerkliche Geschick seines Sohns bescheid. „So ist das bei uns, die gesamte Familie ist mit im dabei“, erläutert Michael Berghoff. Eine Kapelle, vor der sich ein Brautpaar in den Armen liegt, ein Bahnhof und sogar eine Gondelbahn, die über der Landschaft schwebt – Familie Berghoff hat sich eine ganz eigene Welt für die Modellbahn der Klasse „IIm“ geschaffen. Ein Ortsschild sucht man auf der Anlage im Garten an der Königsberger Straße vergeblich. „Wir haben kein zweites Langenberg geschaffen, Vorbild könnte vielmehr eine beliebige Schmalspurbahn in einem deutschen Mittelgebirge in den 1950er- bis 1960er-Jahren sein“, erläutert Michael Berghoff. D

Reine Spielbahn

er Langenberger hatte die Bahn 1980 für sich unter dem Weihnachtsbaum liegen und war fortan infiziert vom „Virus“ Spielbahn. Nach einer kurzen Hobby-Pause (Berghoff: „Als Jugendlicher hat man anderes im Kopf“) hat der Familienvater im Jahr 2000 zum Bau des Eigenheims die Kisten wieder ausgepackt und die Anlage in Betrieb genommen. Seitdem fahren bei den Berghoffs wieder sechs Mini-Lokomotiven und eine Draisine auf der 45-Millimeter-Spur durchs Hinterhaus-Grün. „Die Anlage ist als Spielbahn gedacht“, erläutert der Hobby-Eisenbahner. Während Michael Berghoff beim Fahren der Schienenfahrzeuge sprichwörtlich zum Lokführer wird, tauchen die Nesthäkchen der Familie, Jonathan und der neunjährige Laurin, regelmäßig in eine ganz eigene Welt ein, in der zwar auch auf den Schienen viel passiert, vor allem aber auch das Drumherum der Anlage den Spieltrieb fördert. Dann erwacht das kleine Dorf im Garten der Berghoffs zum Leben.

Gleisbett erneuert

Viel Arbeit, Pflege und Aufmerksamkeit erfordere die Modellbahn auf der analogen Gleichstrom-Anlage, erläutert Bahn-Chef Berghoff. So müsse die Mittelgebirgslandschaft für den Winter regelmäßig zurückgebaut werden, die der Witterung ausgesetzte Technik immer wieder kontrolliert und instand gesetzt sowie die Landschaft auf Vordermann gebracht werden. So haben Vater Michael und die Söhne Jonathan und Laurin die Sommerferien auch dafür genutzt, das Gleisbett zu erneuern und die Stromversorgung zu verbessern. Mutter Petra ist unter anderem für die Grünpflege der Anlage zuständig. Im Grunde vereine die Bahn nämlich zwei Hobbys: das Fahren mit der Eisenbahn sowie das Gärtnern. Überall auf der Anlage befänden sich Kräuter, Nutzpflanzen und Zierbäume, erläutert Michael Berghoff: „Und auch die bereiten immer viel Arbeit.“ Um das Ambiente vollends auf die Welt auf Schienen auszurichten, haben die Eisenbahner von der Königsberger Straße im Lauf der Jahre mehrere Utensilien gesammelt, die zum einen den Garten schmücken und zum anderen das Gesamtbild abrunden sollen. So weist ein Schild am Eingang zum Garten auf einen unbeschrankten Bahnübergang hin, während ein paar Meter weiter eine Eisenbahner-Lampe Licht spendet.

„Ist und bleibt ein Hobby“

Mittlerweile sei die Anlage in der Nachbarschaft soweit bekannt, dass immer wieder Interessierte an der Haustür klingeln, die gern ein wenig Eisenbahnromantik verspüren vermöchten. Es sei sogar schon vorgekommen, dass Ortsfremde in einer benachbarten Gaststätte nach Besuchsterminen gefragt hätten. Noch größer oder professioneller aufziehen möchte Michael Berghoff das Ganze aber dennoch nicht. Es sei und bleibe ein Hobby, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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