Eltern unterstützen Kinderarbeit
Bild: Ebert
Barbara und Alexander Erlenkötter
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Um es vorwegzunehmen: Beide Seiten gewinnen im Laufe dieser vier Tage erstaunliche Erkenntnisse. Erika Veith-Walter hat diese Art der Berufsorientierung zum fünften Mal organisiert. Sie legt Wert darauf, dass es zwei Arten des Berufspraktikums gibt. „Im nächsten Schritt wählen die Schüler ihre Tätigkeit weitgehend selbst aus“, sagt Veith-Walter, die an der KAS als Übergangscoach tätig ist.

Leimen und stapeln

50 Achtklässler atmeten jetzt erstmals Arbeitsluft. Und das fiel Alexander Erlenkötter nicht leicht. Er assistierte seiner Mutter Barbara in der Firma „Krampe Möbelteile“ in Langenberg. Der Blick auf den Wecker fiel dem 13-Jährigen um 5.15 Uhr alles andere als leicht. Ein Gefühl, das er mit André Damhorst teilt. Dieser begleitete seinen Vater Ulrich, der bei dem Maschinenbauer Kraft in Mastholte als Lagerist arbeitet. Alexander gibt unumwunden zu, dass er die körperliche Belastung gespürt hat. Holzplatten tragen, leimen und stapeln: Diese mehrstündige Beschäftigung ging nicht spurlos an dem Jungen vorbei. „Weil ich es nicht gewohnt bin“, sagt der Schüler knapp. Er folgert: „Tischler ist nichts für mich – allein schon wegen meines Rückens.“ Mutter Barbara hat an ihrem Sprössling während dieser Tage eine neue Seite kennengelernt: „Er Angst davor, einen Fehler zu machen.“ Konzentiert hat André seinem Vater Ulrich beim Kommissionieren geholfen, Teile nach einer Stückliste zusammengetragen und für die Produktion bereitgestellt. Das muss er gewissenhaft gemacht haben. Vater Ulrich Damhorst lobt: „Ich habe jetzt eine andere Sicht auf meinen Sohn.“

Lieber in der Natur

Ein Ziel erreicht, sagt Erika Veith-Walter. Dieses Praktikum soll den Elternblick auf das Kind schärfen. „Mutter und Vater sollen ihre Kinder hinsichtlich derer beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten besser einschätzen können“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Er beurteile die Aufgabe, seinen Sohn zu lenken, anders, sagt Damhorst. Als kurzzeitiger Arbeitskollege in einem 240 Mitarbeiter zählenden Betrieb müsse man den Filius ernst nehmen. André hat nach eigener Aussage viel Neues gelernt, verblüfft aber mit der Aussage, er freue sich wieder auf die Schule. Und überhaupt: André sieht seine berufliche Zukunft in der Natur. „Landschaftsgärtner, das wäre vielleicht etwas“, gibt er ein Signal, was ihn ab Herbst im zweiwöchigen, selbstgewählten Praktikum der Klasse neun interessieren könnte.

Orientierungshilfe

Alexander geht mit der Erkenntnis aus dem Elternpraktikum, dass er den Menschenkontakt vermisst. Er favorisiert den Einzelhandel. Beide Praktikanten bestätigen die Vorgabe von Erika Veith-Walter. Die beiden Jungen können nach dieser Erfahrung ihre Wünsche und Vorstellungen artikulieren. „Damit machen sie es ihren Eltern auch leichter, sie bei der Berufsorientierung zu unterstützen“, sagt sie. In den Familien sei diesbezüglich ein Austausch in Gang gesetzt worden. Bei André und Alexander hat beiläufig noch ein anderer Prozess begonnen. „Ich verstehe jetzt, warum meine Mutter mal angespannt ist, wenn sie von der Arbeit kommt“, sagt Alexander. André kennt jetzt den Alltag seines Vaters und verzeiht ihm einen müden Schauer. Genau ein solcher ereilte Alexander und André während des Elternpraktikums auch regelmäßig um 21 Uhr.

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