„Er ist der Liebling der Kollegen“
Bild: Walkusch

Amanuel Haile stammt aus Eritrea. Trotz Sprachbarrieren funktioniert die Kommunikation mit den Kollegen (hinten, v. l.) Andre Lang, Dirk Schneider und Sascha Rogina gut.

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„Wir haben am Anfang nur herausgehört, dass er früher mit Metall gearbeitet hat“, sagt Hermann Lüning, Kaufmännischer Leiter bei Becker. „Dann haben wir ihn einfach mal schweißen lassen“, ergänzt Betriebsleiter Frank Lütkebohle. Seit knapp zwei Wochen arbeitet Amanuel Haile in dem Langenberger Betrieb. Da sein Asylverfahren noch nicht durch ist, hat er noch keine Arbeitserlaubnis, ist dementsprechend vorerst als Praktikant tätig – jedoch mit Aussicht auf Verlängerung.

Kommunikation ohne viele Wörter

Denn bei Becker zeigt man sich mehr als zufrieden mit der Arbeit des 34-Jährigen. „Er sieht die Arbeit und geht selbstständig ans Werk“, berichtet Frank Lütkebohle. Zwei Kollegen betreuen Haile. „Er ist schon ihr Liebling“, sagt der Betriebsleiter. Dass der Praktikant nicht viel Deutsch spricht, stört die Schweißer nicht. Kommunikation funktioniert bei ihnen auch über Gestiken und Zeichnungen.

Amanuel Haile musste aus Eritrea fliehen, weil er ins Militär eingezogen wurde. „Da kann man nicht einfach aufhören“, weiß Marlies Schäfer. Die pensionierte Grund- und Hauptschullehrerin unterrichtet Flüchtlinge in Langenberg. Als Soldat in dem Staat im Nordosten Afrikas diene man auf Lebenszeit. Dieses Schicksal wollte der 34-Jährige nicht hinnehmen.

Er floh nach Deutschland – und kam nach Langenberg in die Klasse von Marlies Schäfer. „Er ist unglaublich fleißig und lernt sehr schnell“, bescheinigt ihm seine Lehrerin ein gutes Zeugnis. Im Unterricht habe Haile gesagt, dass er schon früher mit Metall gearbeitet habe. Über mehrere Ecken kamen seine Betreuer von der Flüchtlingshilfe dann auf die Firma Becker zu.

Und die hat das Praktikum sofort zugesagt. „Nach nicht einmal zwei Wochen erlegt er selbstständig Schweißarbeiten“, zeigt sich der Betriebsleiter überzeugt davon, die richtige Entscheidung bei der Einstellung getroffen zu haben. Auch Amanuel Haile fühlt sich in dem neuen Kollegenkreis sichtlich wohl. Er hofft, noch länger dort arbeiten zu können.

Weitere Stellen gesucht

Gut 100 Mitarbeiter beschäftigt die Becker Sonder-Maschinenbau GmbH an ihrem Standort im Gewerbegebiet Grüner Weg. „Und die stammen aus ganz verschiedenen Nationen“, sagt der Kaufmännische Leiter Hermann Lüning. Entsprechend aufgeschlossen sei man gegenüber der Anfrage von Marlies Schäfer gewesen, mit Amanuel Haile einen Asylsuchenden aus Eritrea aufzunehmen.

„Wir haben bis jetzt nur gute Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht“, sagt Betriebsleiter Frank Lütkebohle. Einige, die aus ihrem Heimatland fliehen mussten und bei dem Unternehmen angefangen hatten, seien heute noch bei Becker beschäftigt. „Wir können aus unserer Erfahrung anderen Unternehmen nur raten, selbst Flüchtlinge zu beschäftigen“, hofft Lütkebohle auf ein paar Nachahmer.

Marlies Schäfer ist unterdessen gerade dabei, drei weitere Flüchtlinge aus ihrer Klasse in Langenberger Firmen unterzubringen. Sie stehe im Gespräch mit den Unternehmen. Dass das Vorhaben bei Amanuel Haile so gut geklappt habe, sei auch den guten Kontakten in der Gemeinde zu verdanken. „Die Leute hier sind unglaublich gut vernetzt“, sagt sie. Jeder kenne jemanden, um kurzfristig Kontakt herzustellen. So habe man schnell eine Stelle gefunden, die der 34-Jährige auch per Fahrrad erreichen könne, um in der Metallverarbeitung tätig sein könne.

In ihrem Unterricht bringt die Lehrerin den Flüchtlingen nicht nur die deutsche Sprache bei. „Es geht mehr um das Leben in der Bundesrepublik“, sagt sie. Und wer von den Asylsuchenden in einen Betrieb hineinschnuppern möchte, muss Bewerbungsunterlagen vorlegen können. Auch das lernen die Schutzsuchenden bei Marlies Schäfer.

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