Erdbeerwiese wird zum Zankapfel
Bild: Nienaber
Die Debatte um die geplante Aldi-Erweiterung in Langenberg auf der Erdbeerwiese an der Bentelerstraße nimmt kein Ende. Nachdem Wolfgang Rieländer, Geschäftsführer der Lüning-Gruppe, nun angeboten hat, Verkaufsfläche an der Hauptstraße zugunsten eines Drogeriemarkts zu überlassen, ist das Thema am Mittwochabend erneut vertagt worden. Spätestens am 15. Mai soll das Thema im Rat wieder auf der Tagesordnung stehen.  
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Damit könnten die jüngsten Planungen des Projekts Aldi-Erweiterung hinfällig sein. Eigentlich sollte während der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses der Weg frei gemacht werden für einen Markt-Neubau auf der Erdbeerwiese und eine weitere Nutzung des Bestandsgebäudes. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, im Rahmen der Bebauungsplanung die Voraussetzungen für die Errichtung einer modernen Filiale des Essener Discounters zu ermöglichen und für die bestehende Markthalle eine Festsetzung aufzunehmen, wonach nur nicht zentrenrelevante Sortimente zulässig wären.

So hätte zunächst geprüft werden können, ob eine Ansiedlung eines Drogeriemarkts im zentralen Versorgungsbereich Hauptstraße möglich ist. Erst wenn diese Suche nicht zum Erfolg führt, hätte zu einem späteren Zeitpunkt ein Drogeriemarkt an der Bentelerstraße ermöglicht werden können.

Aufgrund der neuen Sachlage sahen sich CDU und SPD nicht in der Lage, voll informiert über den Beschlussvorschlag an den Rat abzustimmen. „Wir würden uns mehr Raum und Zeit wünschen, um genau prüfen zu können, ob unter den neuen Voraussetzungen ein Drogeriemarkt an der Hauptstraße möglich ist“, erläuterte Fraktionsvorsitzende Renate Große-Wietfeld (CDU). Klaus Rinne (SPD) pflichtete ihr bei: „Wir alle wollen die Erweiterung des Aldis und wir alle wollen einen Drogeriemarkt. Aber wir sind in der Verantwortung, ein solches Angebot genau zu prüfen. Das geht nicht von jetzt auf gleich.“

UWG und FDP sowie Bürgermeisterin Susanne Mittag stellten in der hitzig und kontrovers geführten Debatte im Rahmen der Bauausschusssitzung heraus, dass mit dem von der Verwaltung vorgeschlagenen Beschluss nichts in Stein gemeißelt wäre. „Wir verbauen uns doch nichts“, meinte Ulrich Kambach (UWG). Mit einem Votum für den Beschluss bliebe laut Hans-Peter Friese (FDP) die Möglichkeit, einen Drogeristen an der Hauptstraße anzusiedeln. Zudem behielte die Gemeinde mit dem Aldi-Altgebäude „ein positives Pfand“. „Wollt ihr das Gebäude etwa abreißen?“, fragte Friese zu den Christdemokraten blickend.

Kein Beschluss

Ein Beschlussvorschlag an den Rat ist am Mittwochabend nicht gefasst worden. Stattdessen einigten sich die Bürgervertreter von CDU, SPD, FDP, UWG und Grünen darauf, spätestens am 15. Mai im Rahmen der nächsten Ratssitzung, wahrscheinlicher jedoch in einer zuvor anberaumten Sondersitzung des Bauausschusses, eine Entscheidung zu treffen. Bis dahin solle die Verwaltung prüfen, inwieweit das Angebot der Lüning-Gruppe realisierbar wäre.

Auch eine Ansiedlung eines Drogeriemarkts im Minipreis-Center solle erneut beleuchtet werden. Wie Bürgermeisterin Susanne Mittag den Ausschussmitgliedern mitteilte, strebe der Markt der Bünting-Gruppe eine Verkleinerung der Verkaufsfläche an. Die frei werdende Fläche könnte infolge von einem Kosmetikfachmarkt genutzt werden.

Erneute Gespräche mit möglichen Handelsketten und Franchisenehmern und Immobilienbesitzern sowie die Überprüfung der Eignung eines Gebäudes als Drogeriemarkt: Das Ganze von der Verwaltung in wenigen Wochen zu leisten, sei „sportlich“ zu nennen, wie Bürgermeisterin Susanne Mittag und Technischer Mitarbeiter Reinhard Mense im Gespräch mit der „Glocke“ erläutern. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass dieses oftmals Monate benötige.

Selbst wenn sich zeitnah herausstellen sollte, dass sich eine Drogeriemarkt-Kette oder ein so genannter Franchisenehmer im derzeitigen SB-Center oder im Minipreis-Center an der Hauptstraße ansiedeln würde, bliebe zu klären, wie künftig mit dem Antrag des Aldis auf einen Neubau auf der Erdbeerwiese und dem von den Eigentümerinnen favorisierten Erhalt des Altgebäudes umgegangen wird.

Während UWG und FDP an der 18 Jahre alten Markthalle aufgrund der zentrumsnahen Lage festhalten wollen (Heribert Neukirch: „Für uns ist die Bentelerstraße eine Verlängerung der Hauptstraße“), sehen vor allem die Christdemokraten Risiken im Erhalt. Sie befürchten, dass auch mit einer zu beschließenden Festsetzung auf nicht zentrenrelevante Sortimente die Hauptstraße als primärer Einzelhandelsstandort und der Nahversorgungsstandort Benteler geschwächt werden, und zwar dann, „wenn wir keinen Nutzer finden und das Gebäude zwei Jahre leer steht. Wer sagt uns, dass wir dann nicht doch einknicken und zentrenrelevante Sortimente zulassen würden?“, wie Bauausschussvorsitzende Helge Rix (CDU) zur Diskussion anregte.

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