Exotische Impressionen in Mehrzweckhalle
Bild: Daub
Feingliedrige Kraniche spazierten auf der Langenberger Lokalschau vor einer Zebraherde in der afrikanischen Savanne – beim zweiten Blick stellten viele Besucher erst fest, dass die Großvögel echt waren.
Bild: Daub

 Denn die Frau saß auf dem Markusplatz in Venedig, und dort wird das verbotene Vögelfüttern neuerdings bekanntlich mit der Kardinalstrafe von 500 Euro Bußgeld belegt. Zum Glück für die Taubenfreundin: Sie war eine Puppe hinter Gittern, die zwei Tage lang lautlos in der Langenberger Mehrzweckhalle auf die „hygienische Katastrophe“ in der Lagunenstadt hinwies.

Fritz Rammert, Mitglied des Rassegeflügelzuchtvereins, hatte die Idee, die Maßnahme der venezianischen Stadtverwaltung, mit saftigen Bußgeldern eine rituale Tradition, nämlich das Taubenfüttern, zu unterbinden, bildlich darzustellen. Er meinte: „Ich weiß, wie aggressiv Taubenkot ist. Die Verschmutzung der Marmorplatten ist schlimm. Daher finde ich die Bußgeldanordnung okay.“ Und deshalb hatte er ein anschauliches Szenario gebastelt.

Eine Zeitschaltuhr verhalf, dass alle fünf Minuten ungesalzene Erdnüsse in die Handfläche der ausgestopften Touristin kullerten, sehr zur Freude seiner Lieblinge, Rasse Elster-Purzler, die geradezu darauf warteten.

Mit exotischen Impressionen glänzte die einfallsreiche Lokalschau der Langenberger Züchter. „Unser großes Plus ist es, dass wir nicht einfach Käfige an Käfig reihen und auf eine Ausschmückung verzichten, sondern gute Ideen in die Tat umsetzen“, meinte der Vorsitzender Martin Schmidt sichtlich stolz, der mit seinen Gästen durch die Fülle raschelnden Herbstlaubs in der Halle marschierte.

Mitten in der Halle dehnte sich eine umgitterte Savannenlandschaft aus. Die Zebras wirkten ziemlich echt, doch sie waren Teil eines Panoramabildes. Aber die zierlichen, scheuen Kraniche , die sich vor die Füße der gestreiften Pflanzenfresser wagten, waren echte Leihgaben des Delbrücker Tierparks Nadermann.

Gefährdete Rassen ziehen Blicke auf sich

Park- und Ziergeflügel bildeten weitere bunte Farbtupfer der Top-Ausstellung. Auf das besondere Interesse von Züchterfreunden aus der Umgebung stießen Tiere, die auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen stehen. So waren die stark gefährdeten schwarz-weißen Sundheimer zu sehen, der einzige Hühnerschlag, der jemals in Baden gezüchtet wurde und inzwischen selten geworden ist. Auch die gleichfarbigen Lakenfelder, eine 150 Jahre alte Rasse, und braun-schwarze Vorwerkhühner, die vor 115 Jahren als „wirtschaftliche Zweinutzungshühner“ gezüchtet worden sind, waren als „Gefährdete“ präsent. Ebenso die prächtigen Cröllwitzer Puten, weiße Vögel, deren schwarze Endsäumung dem Männchen beim „Radschlagen“ ein imposantes Aussehen vermittelt. Vorsitzender Martin Schmidt stellte diese Raritäten aus. Exotische Vielfalt – dazu haben auch die diversen bildschönen Papageiamadinen aus der Gattung der Prachtfinken, denen sich Peter Hanigk seit 20 Jahren verbunden fühlt und die in ihrer dunkelgrünen Tannenzweigdeckung ein behagliches Quartier bezogen hatten. Hanigk empfing dafür den Wanderpokal. Die höchste lokale Auszeichnung, das Langenberger Ehrenband, erhielt Maik Lütke-Hellweg.

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