Fit für den Schulsanitätsdienst
Bild: Werneke
Stolz auf ihre Bescheinigungen können die Schulsanitäter am Schulzentrum in Langenberg sein. Das Bild zeigt die erfolgreichen Seminarteilnehmer. Bei ihnen stehen die Lehrer der Gemeinschaftsschule Viktor Hermann und Henning Lorke (v. l.) sowie Ellen Kaptain (didaktische Leiterin).
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Das letzte Rettungsszenario haben sie soeben durchgespielt. Henning Lorke überreicht seinen Schützlingen stolz ihre offizielle Erste-Hilfe-Bescheinigung, die für zwei Jahre gilt. Mit dem seit einem Jahr an der Gemeinschaftsschule tätigen Englisch- und Deutsch-Lehrer hat das Schulzentrum in Langenberg nun einen ausgebildeten Sanitäter und Erste-Hilfe-Ausbilder direkt im Haus. Erstmalig unter seiner Regie hat jetzt die Schulsanitäterausbildung stattgefunden, die früher verschiedene DRK-Ausbilder übernommen hatten. Zudem steht in der Einrichtung an der Bentelerstraße ein neuer Sanitätsraum zur Verfügung. Er ist im Gebäudetrakt des ausgezogenen Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt eingerichtet worden.

Hochmotivierte Teilnehmer

 „Es war ein ganz toller Kursus“, zeigt sich der 33-jährige Gesundheitsbeauftragte der Bildungseinrichtung angetan von den 15 erfolgreichen Teilnehmern, die „hochmotiviert“ gewesen seien. Motivation sei ihm wichtig gewesen, betont Henning Lorke. Deshalb hatte er auf der Suche nach Interessenten in der neunten und zehnten Jahrgangsstufe Aufsätze schreiben lassen, in denen die Heranwachsenden darlegen sollten, warum sie Schulsanitäter werden möchten. 67 Bewerbungen habe er bekommen, berichtet er über die positive Resonanz, die ihn dazu bewogen hat, die ursprünglich geplante Zahl der Jugendlichen von zehn auf 15 aufzustocken. Ein Teil von ihnen besucht die Gemeinschaftsschule, der andere die Konrad-Adenauer-Schule. Mancher habe sich mit Blick auf sein Berufsziel im medizinischen Bereich gemeldet. Häufig sei der Wunsch geäußert worden, den Mitschülern helfen zu wollen.

Szenarien durchgespielt

Vom Anlegen eines Druckverbands über die stabile Seitenlage bis hin zur Herz-Lungen-Wiederbelebung kennen sich die Absolventen der Schulung, die an zwei Tagen stattgefunden hat, aus. Was sind die Vitalfunktionen und wie überprüft man sie? Wie ist man versichert? Was ist unterlassene Hilfeleistung? Breit gefächert hat der Leiter des Schulsanitätsdiensts theoretisches Wissen vermittelt. „Wichtig für die Schüler waren die Szenarien“, unterstreicht er zugleich den hohen Stellenwert praktischer Übungen. Dabei musste als vermeintliches Unfallopfer mit abgeschnittenem Finger sogar Lorkes Kollege Viktor Hermann herhalten, der nun ebenfalls geschult ist. Der Sportlehrer wird den 33-Jährigen im Schulsanitätsdienst unterstützen.

Notruf absetzen

Das richtige Absetzen eines Notrufs gehörte ebenfalls zu den Lektionen, die die Schüler gelernt haben. „Das Schlimmste, was man machen kann, ist nichts zu machen“, ermuntert Henning Lorke Zweifler dazu, keine Hemmungen zu haben im Notfall, die 112 zu wählen. Die Profis am anderen Ende der Leitung seien hilfreiche Ratgeber und wüssten, wann ein Rettungswagen losgeschickt werden müsse. Im Kursus hat Lorke das Augenmerk auch auf psychische Beschwerden gelenkt. Klagt beispielsweise ein Fünftklässler über Bauchschmerzen, sollte man beobachten, ob er eine Schonhaltung einnimmt. Andernfalls könnte es etwa sein, dass ihm die neue und unvertraute Schulsituation zu schaffen macht. Die jungen Leute haben gelernt: Ein Schulsanitäter muss zuweilen einfach mal ein offenes Ohr haben, kleine Sorgen ernst nehmen und versuchen, mit dem Gegenüber ins Gespräch zu kommen.

Dreierteams

Drei Schulsanitäter stehen nun täglich zur Verfügung. Welches der fünf Teams gerade im Einsatz ist, lässt sich einem Aushang entnehmen. Im Sanitätsraum stehen eine Liege und Material bereit. Dort findet sich auch der Defibrillator, der bei Herzproblemen erforderlich werden kann. Schwerwiegende Fälle jedoch, so betont der Gesundheitsbeauftragte Lorke, werde er selbst übernehmen. „Dass uns der Raum zuerkannt wurde, ist super“, freut er sich, nicht nur über das helle, freundliche Ambiente, sondern auch darüber, dass es nun ein Fenster gibt, durch das frische Luft hereingelassen werden kann. Der Rettungsexperte mit Herzblut hat für die Schulungen auch die Lehrer im Blick. „20 Prozent eines Kollegiums müssen Ersthelfer sein“, erklärt er, dass acht Pädagogen qualifiziert sein müssen. Er hält dabei vor allem die Fächer Naturwissenschaften, Hauswirtschaft und Technik als Bereiche, in denen sich Unfälle – sei es mit Säure oder Werkzeug – ereignen könnten, für wichtig. Für Sportlehrer sei der Erste-Hilfe-Schein ohnehin Pflicht. Demnächst werde den Acht- und Neuntklässlern, bevor sie in die Berufspraktika gehen, das nötige Wissen für den Erste-Hilfe-Schein vermittelt. Der sei ist ihnen auch zugleich von Nutzen, wenn sie den Führerschein machen.

Unterstützung vom DRK

Der engagierte Lehrer kann in seinem Aufgabenfeld auf Unterstützung setzen. Es gibt feste Ansprechpartner beim Deutschen Roten Kreuz, das unbürokratisch nötiges Material zur Verfügung stelle. Er lobt die reibungslose Kooperation, die ohne übertriebene Bürokratie funktioniere. Die Kosten für die Ausbildung der neuen Schulsanitäter – sofern sie unter 17 Jahren alt sind – übernehme das Bundesministerium für Katastrophenschutz. Die Lehrerschulung werde über die Unfallkasse finanziert.

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