Flügellahme Eule in der Vogel-Reha
Bild: Inderlied
Gefiederter Patient: Heinz Benking aus Benteler pflegt derzeit auf seinem Bauernhof in Benteler eine Waldohreule, die sich den Flügel gebrochen hat. Wenn alles gut läuft, ist der Greifvogel am kommenden Donnerstag wieder fit für den Weg zurück in die Freiheit.
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„Für sie ist es wie ein Krankenhausaufenthalt“, sagt der gelernte Landwirt und ausgebildete Falkner. Dem gefiederten Patienten scheint die Ruhestörung nicht zu gefallen. Fest hat sich die Waldohreule in den grobmaschigen Pullover ihres Pflegers gekrallt, will die scharfen Krallen nicht öffnen und schnappt blitzartig mit dem spitzen Schnabel nach der freien Hand von Heinz Benking.

Der Falkner aus Benteler hält zudem einen Habicht und einen Uhu in selbst gezimmerten Volieren, kümmert sich jetzt liebevoll um den verletzten Greifvogel und behält auch jetzt die Nerven: „Nicht beißen, hörst du?“, ermahnt der 62-Jährige das Tier. Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass die Eule verletzt ist. Wenn der Vogel sich mit voller Spannweite aufplustern will, kann er nur einen Flügel bewegen. Die andere Seite hat Benking mit klebendem Krepppapier fixiert. „Der Oberarm ist in der Mitte gebrochen. Ansonsten ist das Tier in einem guten Zustand und ziemlich fit“, sagt der Greifvogelexperte. Zum Glück sei es kein offener Bruch, sonst gäbe es womöglich Probleme mit Entzündungen.

Die Prognose ist gut, erklärt Benking, der den Bruch mit den Fingern ertasten konnte. Jetzt erholt sich der gefiederte Patient im „Krankenhaus“, wie der Vogelexperte den Karton nennt, in dem die Eule lebt. Warum ausgerechnet in einem Karton, abgeschottet vom Tageslicht? „Man muss die Waldohreule möglichst ruhigstellen“, erklärt Benking seine Therapie. „Je heller es ist, desto agiler ist der Vogel.“ Ein weiterer Vorteil seien die glatten Wände. „So kann er nicht mit den Flügel hängenbleiben und sein Gefieder kaputtmachen, wenn er sich im Karton bewegt“, sagt der Falkner. Für ausreichend Sauerstoff sorgen die Tragegriffe.

Am Samstag soll die Zeit in dem dunklen Krankenzimmer für den Vogel beendet sein. „Drei Wochen sind normal für einen Bruch“, sagt Benking, der vor 18 Jahren eine Ausbildung zum Falkner abgeschlossen hat. „Danach beginnt die Rehaphase.“ Dafür hat der 62-Jährige eine stillgelegte Voliere wieder auf Vordermann gebracht und für den Zweck umgebaut. Benking plant einen behutsamen Muskelaufbau: „Er muss erst zeigen, dass er noch jagen und überleben kann.“

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