Forthbach wird zu einer Seenplatte
Bild: Heimatverein Langenberg
„Land unter“ hieß es auch beim Hochwasser 1960. Zeitweise war die Mühlenstraße in Langenberg komplett von den nassen Massen überspült. Das Bild zeigt Heinz Surmann beim Pegelstandmessen.
Bild: Heimatverein Langenberg

 Mit der Flurbereinigung 1971 sind die Hochwässer des Baches auf dem Gemeindegebiet zwar seltener geworden, gänzlich abgewendet ist die Gefahr von nassen Füßen jedoch nicht. Der Winter von 1890 war den Vorvätern einen längeren Eintrag in die Langenberger Schulchronik wert. Drei Tage und drei Nächte habe es ohne Unterbrechung geregnet, ist darin zu lesen. Von einer weißen Winterpracht habe zumindest in den ersten Tagen der kalten Jahreszeit keine Rede sein können. Für die Natur blieben diese Wetterkapriolen nicht ohne Folgen. Für den Forthbach, der in den Beckumer Bergen entspringt und seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den Bokel-Mastholter-Hauptkanal mündet, waren diese Wassermassen zu viel. „Land unter“ hieß es am 23. November des Jahres. Das beschauliche Bächlein war nahezu auf gesamter Strecke über die Ufer getreten, weite Teile des nördlichen Langenbergs glichen einer Seenplatte. Wie hoch das Wasser damals gestanden hat, das zeigt eine Markierung an der Brücke der Wiedenbrücker Straße. Fast zwei Meter höher als in Trockenzeiten lag der Pegel des Forthbachs. „Käme es heute noch einmal zu einer derartigen Überschwemmung, dann stünde das Schießheim am Eiskeller bis zu den Fensterbänken unter Wasser“, erläutert Günter van den Bongard vom Heimatverein Langenberg. Sieben Jahrzehnte später ist es erneut zu einem Jahrhunderthochwasser gekommen. 1960 stand das Wasser zwar nicht ganz so hoch wie im Winter 1890, dennoch ist es vor allem älteren Langenbergern noch gut in Erinnerung. Schulwege waren tagelang nicht passierbar, einzelne Höfe waren von der Außenwelt abgeschottet. Die Eiswiese im Forthbachtal war als solche nicht mehr zu erkennen – stattdessen Wasser, soweit das Auge reicht.

Vogt: „Wiederholung eher unwahrscheinlich“

Erst mit der Regulierung 1971 im Zuge der Flurbereinigung hat sich die Hochwassersituation im Einzugsgebiet des rund 20 Kilometer langen Forthbachs merklich entspannt. Der Lauf wurde verbreitet, so dass in Starkregenzeiten mehr Wasser abgeführt werden kann. Grünflächen entlang dem Ufer wurden als Überschwemmungsgebiete festgesetzt. Ein Pegelstand wie der von 1890 hätte heutzutage viel gravierendere Folgen als damals. Zum einen könnte das Brückenbauwerk an der Wiedenbrücker Straße in Mitleidenschaft gezogen werden. Insbesondere die Flügelwände der Überführung könnten durch hochstehendes und stark fließendes Wasser von ihrer Substanz verlieren und wegbrechen. Weitaus schlimmer wäre es, wenn das Langenberger Klärwerk vom Hochwasser betroffen wäre. Zwar verfügt die Anlage über zusätzliche Becken, die in Notsituationen geflutet werden könnten, wie Bauamtsleiter Dirk Vogt erläutert, gegen eine Wasserwand wie die von 1890 könnten diese aber wenig ausrichten. Allerdings sei es sehr unwahrscheinlich, dass sich eine solche Katastrophe nach der Regulierung des Bachlaufs noch einmal wiederhole.

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