Gepflegte Gärten sind Faltern ein Graus

Denn was für Menschen oft lästiges Gestrüpp ist, ist für eine ganze Reihe von Insekten die Hauptnahrungsquelle. Dass vor allem Schmetterlinge vom Kahlschlag betroffen sind, weiß Silvio Braunholz. Der Biologielehrer an der Verbundschule in Langenberg und beschäftigt sich schon seit seiner Kindheit mit Insekten. „Im Raupenstadium benötigen die Tiere vielseitige Lebensräume, in denen ungehindert eine Vielzahl von Sträuchern und Unkraut als Futterpflanzen heranwachsen können.“

In Langenberg könne man solche Habitate nur äußerst selten finden. Viele potenzielle Grünflächen würden landwirtschaftlich genutzt oder für ein gepflegtes Erscheinungsbild von Unkraut befreit. „Für mich ist das völlig unverständlich. Man sollte das Brachland einfach mal sich selbst überlassen“, fordert der Biolehrer.

Ein weiteres Problem sei die Überdüngung. Die hiesigen Felder seien „vollgepumpt mit Nährstoffen“. Da die meisten Fresspflanzen der Raupen aber mageren Boden benötigten, würden diese am Wachstum gehindert. Nahrung, Schutz und Schlupfplatz zugleich – jeder könne in seinem heimischen Garten einen Beitrag leisten, um Schmetterlingen das Überleben zu ermöglichen. „Grundsätzlich sind Gärten gut geeignet, da sich ausgewachsene Schmetterlinge von den Blüten der Blumen ernähren können. Was jedoch fehlt, ist Futter für die Raupen. Viele von ihnen ernähren sich ausschließlich von einer einzigen Pflanze. Daher wäre es wünschenswert, Unkraut und Wildkräuter wie beispielsweise Disteln oder Weidenröschen stehen zu lassen“, sagt Braunholz. Vom Ei über die Larve bis hin zum fertigen Schmetterling erwartete die Insekten ein beschwerlicher Weg. „Schon kurz nach der Eiablage sind die Tiere bedroht. Schmetterlinge legen ihre Eier an die Pflanzen, von denen sich die Larven später ernähren. Auch deshalb müssen die Fresspflanzen dringend stehen bleiben“, sagt Braunholz. 

Unterstützen könne man die bunten Falter auch nach der Sommerzeit. Es gebe nämlich einige Schmetterlinge, die versuchen, zu überwintern. „Meist verkriechen sie sich in Ritzen im Keller und auf dem Dachboden. Kommt der Frühling, schaffen sie es nicht, nach draußen zu gelangen. Sie sterben. Indem man Reisighaufen aufschichtet oder Totholz, sprich abgestorbene Bäume stehen lässt, schafft man wunderbare Unterschlupfmöglichkeiten für den Winter“, erläutert der 47-Jährige.

SOCIAL BOOKMARKS