Gitarrenstürme lassen KGB erbeben
Bild: Nienaber
Die Formation „Velvet Volume“ aus dem dänischen Aarhus servierte am Wochenende im Langenberger Kulturgüterbahnhof Punk und Garagerock vom Feinsten.
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Die Bühne mit Blumenschmuck dekoriert, auf die Wangen geschminkte Herzchen, adrett gekleidet – Nadelstreifen und Krönchen inklusive: „Velvet Volume“ wirken auf den ersten Blick lieb und nett. Sobald die Zwillinge Noa und Naomi sowie deren kleine Schwester Nataja in ihre Rollen der „Riot Girls“ schlüpfen, geht es jedoch äußerst ruppig zu.

Von kantig und schroff bis sanft und glasklar

So ist es auch am Freitagabend in Langenberg. Mit den ersten Tönen aus den Verstärkern rollen wilde Gitarrenstürme und treibende Basslinien auf das Publikum zu. „Running Wild“ heißt das Stück entsprechend, mit dem die drei Schwestern aus dem dänischen Aarhus den gut gefüllten Kulturgüterbahnhof aufmischen.

Gitarristin Noa Lachmi, der androgyne Typus Frontcharakter, teilt sich den Gesangspart mit ihrer Zwillingsschwester. Diese ist nicht nur aufgrund ihres Bühnenoutfits der schillernde Stern im Rampenlicht. Während Noa meist grimmig dreinschaut, die Mundwinkel stets nach unten, ist es die Bassistin der Familienbande, die fürs Lächeln und den Publikumsplausch zuständig ist. Auch stimmlich trennen die beiden Welten: die eine kantig und schroff in ihrer Punkattitüde, die andere mit einem sanft und glasklar klingenden Organ ausgestattet.

Dieses Schwarz-Weiß-Muster, das stetige Hin und Her zwischen Hell und Dunkel, spiegelt sich auch in der Musik der Däninnen wider. „Fire“ ist so etwas wie der Stereotyp dieses Wechselspiels. Ruhige Parts werden gejagt von Gitarrenwänden, Songstrukturen variieren dabei immer wieder, sodass den Songs zu Beginn des Konzerts nur schwer zu folgen ist. Je weiter der Abend voranschreitet, desto mehr ertappt man sich dabei, Teil des „Velvet-Volume“-Kosmos’ zu sein.

Zum Abschied gibt es das Versprechen: „Wir kommen wieder“

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Songs in der zweiten Hälfte des Einstundenauftritts gefälliger daherkommen. „Look Look Look“ vom gleichnamigen Debüt klingt wie die „B52s“, nur ein wenig schroffer und moderner. „Blunt Knife“, ein melodischer Garagerock-Kracher, ist ein erster Höhepunkt. Selbst die 22-jährige Noa muss zwischendurch lächeln, weil die Langenberger den Ball aufnehmen und anfangen zu tanzen. In zufriedene Gesichter schaut man vor und auf der Bühne, als der letzte Ton von „Think I Need You“ verstummt.

Ohne Zugabe, aber mit dem Versprechen wiederzukommen, verabschieden sich die drei Lachmis vom Langenberger Publikum. Und auch, wenn das Trio wahrscheinlich so schnell nicht mehr in der ostwestfälischen Provinz zu sehen sein wird, kann man sicher sein, noch oft von „Velvet Volume“ zu hören. Die Karriere der drei Däninnen dürfte in absehbarer Zeit wohl noch etwas an Fahrt aufnehmen. Das haben sie im KGB eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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