Heimathaus wird im Juli eingeweiht
Bild: Daub
Herzstück des neuen Heimathauses in der Chefetage der früheren Möbelfabrik Schröder ist die Gute Stube. Der frühere Tagungsraum bietet sich an, um nostalgisches Ambiente zu genießen. Anita Benteler (l.) und Susanne Menneken-Andrees schaukeln zur Probe Puppenkinder in den Schlaf.  
Bild: Daub

Die Szene gehört zum Raritäten-Aufbau im künftigen Heimathaus, das in der ehemaligen Möbelfabrik Schröder entsteht. „Einweihung ist voraussichtlich im Juli“, kündigt Antonius Handing an. Der Vereinsvorsitzende ist derweil beschäftigt: Er probiert eine lange Pfeife aus, wie sie wohl auch dem Lehrer Lempel aus Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ angestanden hatte, bevor sie explodierte. Nach acht Jahren in anderen Räumlichkeiten der Firma an der Vornholzstraße sei der Umzug zügig vonstatten gegangen, betont Handing.

Jetzt stehe dem Heimatverein die frühere Chefetage zur Verfügung, 200 Quadratmeter Fläche, mehrere Räume unten und oben, darunter das neue Herzstück, die sogenannte Gute Stube, schon so behaglich eingerichtet, dass nur noch Kaffee und Sahnekuchen fehlen. Dort, wo sich einst das Tagungszimmer des Firmenchefs befunden hat, zeugt noch ein graublauer Teppichboden vom früheren Glanz. Ölbilder aus einem Nachlass zieren die Wände. Eine eisenbeschlagene Mooreichentruhe bannt den Besucherblick. Der Wohnzimmerschrank ist mit Wurzelholzfurnier belegt; ein Tisch und eine mit rotem Samt bezogene Sitzbank im Biedermeierstil vermitteln Behaglichkeit. Eine antike Musiktruhe mit Plattenspieler neben der Eingangstür ist funktionstüchtig – der Kaffeeklatsch kann künftig melodiös untermalt werden. Antonius Handing zeigt wertvolle Römer, die er mit der Kristallkaraffe „für wenig Geld“ für den Verein erworben hat. Und mehr als 100 bunte Sammeltassen sind verfügbar.

In der oberen Etage liegt auch der neue Archiv-und Bibliotheksraum mit vom Vorbesitzer gestifteten Schränken. Dort hat Detlef Schulz seine Zelte aufgeschlagen – Ordnungsarbeit im Visier und eine Sammlung mechanischer Schreibmaschinen im Rücken. Ein Andachtsraum ist oben ebenfalls zu finden. Antonius Handing: „Hier kann jeder Besucher bald stille Einkehr halten.“ Weihwassertöpfchen aus Steingut, ein Tabernakel von 1856 und 40 unterschiedliche Kreuze und Heiligenbilder – ein Teil stammt aus der Benteleraner Kapelle – warten schon. Der Sakralbereich soll demnächst eingeweiht werden. Die Zusage des Pastors liegt bereits vor.

Eine Lederform- und nähmaschine, an der Schuhmachermeister Nölke einst für seine Kunden Reitsättel und Ledergamaschen fertigte, befindet sich ebenfalls im Besitz des Vereins. Sie wird demnächst im Heimathaus zusammen mit weiteren technischen Raritäten zu bewundern sein. Zu jeder Maschine, die das neue Domizil der Heimatfreunde aus Benteler beherbergt, gehört eine Geschichte – ob es sich um eine Kirschenentsteinungs-, um eine Bohnenschnibbelmaschine oder um ein Gerät handelt, das eigens für die Spekulatiusproduktion erfunden worden ist. Letztere kann den passenden Teig auf einem Förderband als Platten ablegen. Im neuen „Maschinenpark“ stößt man auch auf eine Bandsäge, die an eine Transmission angeschlossen wurde. Handing weiß: „Auf diese Weise wurden einst in der ehemaligen Kathöfer’schen Schmiede, wo sie herstammt, noch zehn weitere Maschinen angetrieben.“ Das, was von der von der früheren Langenberger Milchzentrale, die bis 1928 in Betrieb gewesen ist, übriggeblieben ist, kann man in der oberen Etage bestaunen: Melkschemel und Eimer, Butterfässer und Zentrifugen.

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