Heimatverein hält Sammeltassen in Ehren
Bild: Inderlied
Antonius Handing, Vorsitzender des Heimatvereins Benteler, hat den Fundus an Sammeltassen in der Heimatstube ins rechte Licht gerückt.
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Antonius Handing ist gut gelaunt. „Kommen Sie herein“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Benteler und betritt den Raum in der Heimatstube in Benteler. „Ich habe heute Morgen schon einmal den Tisch gedeckt.“ Sorgfältig hat der 68-Jährige die Kaffeetafel hergerichtet: Zehn Tassen mit Untertassen, zehn Teller und drei Kannen stehen auf dem Tisch. Ein Künstler hätte an diesem Stillleben seine Freude. Für Handing ist die Komposition ein Stück Heimatgeschichte. Betrachtet man die aus zartem Porzellan gefertigten Gefäße genauer, fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Die vielen Verzierungen sind handgemalt, der Rand ist in Goldfarbe eingefasst und das Porzellan säuberlich poliert. Als ob das Geschirr seit Jahrzehnten nur darauf gewartet hat, just an diesem Tag für eine Kaffeerunde bereit zu stehen. Während im Kopfkino die kleine Gesellschaft sich den frisch aufgebrühten und dampfenden Kaffee schmecken lässt, erklärt Handing, warum der Heimatverein vor geraumer Zeit mit der Aufbewahrung der Sammeltassen begonnen hat: „Die Töchter der verstorbenen Besitzerinnen zeigen kein Interesse daran.“ Wer wolle es ihnen auch verdenken, schließlich spiegele das Design „die Geschmacksrichtung von vor 60 Jahren und mehr“ wider. Auch stünden heute die Sammlertassen nicht mehr hoch im Kurs. „Sie sind nicht spülmaschinenfest“, sagt Handing und zuckt mit den Schultern. Der Heimatvereinsvorsitzende ist sich sicher, dass auf den alten Bauernhöfen und auf Dachböden in Langenberg, Benteler und Umgebung noch viele dieser verlorenen Schätze gelagert werden. „Das darf nicht alles wegkommen“, erklärt er. Rund 80 solcher Porzellan-Sets hat der Heimatverein Benteler im vergangenen Jahr zusammengetragen. Wie viele Einzelstücke an der Zahl es genau sind, das kann der Vorsitzende ebenso wenig nennen wie den Ursprung und die Porzellanmanufaktur, die das Geschirr gefertigt hat. Licht ins Dunkel soll Dr. Elisabeth Schwarm bringen. Die Leiterin des Kreisheimatmuseums Warendorf in der Abtei Liesborn ist eine ausgewiesene Porzellan-Expertin und wird im Rahmen der Generalversammlung zum 80-jährigen Bestehen des Heimatvereins über das weiße Gold und seine Geschichte referieren.

Porzellan als kostbare Ware geschätzt

Es war schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts ein lang gehegter Brauch, dass die Mädchen und jungen Frauen sündhaft teures Porzellan geschenkt bekamen. Ob ein Geburtstag, Erstkommunion, Weihnachten oder auch einmal zwischendurch: Die Anlässe waren vielfältig, erklärt Handing. „Auch meine Frau hat ein Kaffee-Set zur Kommunion geschenkt bekommen“, berichtet er. Doch in Gebrauch war nach den Worten des 68-Jährigen das Porzellan in den seltensten Fällen. „Sie haben meistens nur zur Dekoration in einer Vitrine gestanden“, weiß Handing. „Jede Frau will doch den Schrank im Wohnzimmer oder in der Diele schön gestaltet haben.“ Das weiße Gold wurde nach Handings Recherchen im 14. Jahrhundert in China erfunden und in Deutschland zuerst von den reichen Burgherren und Schlossbesitzern übernommen. „Sie konnten sich die besten Maler leisten“, sagt Handing. In Europa gab es damals nur die primitive Töpferei, die mit Ton arbeitete. Die europäischen Herrscher wie die Medici in Florenz und Ludwig XIV. waren derart begeistert von der kostbaren Ware, dass sie Alchemisten an ihre Höfe holten, um das Porzellan nachzuahmen. Ein glücklicher Zufall führte zur Entdeckung des europäischen Porzellans: Bei einem seiner Versuche verwendete Johann Friedrich Böttger Kaolin, das zum Pudern der Perücken benutzt wurde.

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