Jung und Alt in taktvollem Miteinander
Bild: Werneke
Klaus Horstkemper, Tambourmajor und musikalischer Leiter, gibt den Aktiven des Spielmannszugs der St.-Lambertus-Schützenbruderschaft Langenberg den Takt vor. Während der Probe vor dem Clubhaus am Eiskeller haben sich in dieser Woche die Mitglieder noch einmal auf das Schützenfest vorbereitet, das am heutigen Samstag beginnt.
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Der Himmel ist grau, und ein paar Regentropfen fallen, doch dadurch lassen sich die Spielmannszugmitglieder nicht ablenken: Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Tambourmajor. Schließlich soll beim Großen Zapfenstreich am ersten Festtag alles wie am Schnürchen klappen. Er ist der musikalische Höhepunkt, sind sich der Vorsitzende Klaus Schlütermann (Bild links) und sein Stellvertreter Heinz Brormann (Bild rechts) einig. „Stilvoll und sauber“ müsse er dargebracht werden, sagt Schlütermann. An der Präsentation traditioneller Marschmusik arbeiten die Mitglieder kontinuierlich. 59 sind es, davon drei Ehrenmitglieder, sowie sieben in der Ausbildung zum Flötisten. Mittwoch ist der reguläre Probentag – für Schüler, für Jugendliche und für Senioren, die auch zusammen spielen. Ein gemeinsamer Übungstag sei wichtig, damit sich alle kennenlernen, sagt Schlütermann und betont, dass es im Spielmannszug vor allem um das Miteinander gehe.

Mehr Flötisten wünschenswert

Der Altersunterschied spiele keine Rolle, und nach den Proben sitze man gern noch zusammen. 72 Jahre alt ist das älteste aktive Mitglied Hubert Laukemper, 76 Jahre das älteste Ehrenmitglied Helmut Lux. Julian Laumeier zählt 15 Lenze. Während der 72-Jährige, der seit 59 Jahren mit von der Partie ist, das Spiel auf der Querflöte ohne Klappen beherrscht, trommelt Julian seit fünf Jahren in der Gemeinschaft. 18 Spielleute greifen zu den Schlägeln, 34 sind Flötisten. Damit der Überhang an Trommlern nicht zu groß wird, gilt laut Schlütermann: „Wer jetzt anfangen möchte, der muss mit der Querflöte beginnen.“ Für einen optimalen Klangkörper betrage das Instrumentenverhältnis vom Schlag- und Blasinstrument eins zu drei heißt es im Gespräch mit den zwei Vorstandsmitgliedern. Familie Brormann ist beispielhaft: Vater Heinz, stellvertretender Tambourmajor, und seine drei Kinder spielen Flöte. Um klanglich und optisch bei der Präsentation der Märsche brillieren zu können, muss insbesondere umfassend geprobt werden. Die technische Ausführung will ebenso einstudiert werden wie Artikulation, Zusammenspiel und Tempo. Vor allem muss jeder die Zeichengebung des Stabführers verstehen. Der Tambourmajor gibt schließlich vor, wann es Anmarschieren oder Anhalten heißt und wann nur noch in zwei statt vier Reihen marschiert wird. Bei all dem sollte man bitteschön Vorder- und Nebenmann im Blick behalten.

Aufgeweckte Truppe

Zurzeit verfügt die musikalische Abteilung der St.-Lambertus-Schützenbruderschaft über rund fünf Ausbilder. Das Repertoire wird je nach Anlass ohne oder zum Beispiel beim Wettbewerb mit Noten vorgetragen. Allein für Festumzüge beherrscht die Gruppe 20 Märsche auswendig. „San Lorenzo“ gehört dazu und darf auch bei der Probe vor dem Fest nicht fehlen. Es gehört zu den anspruchsvolleren Stücken, ähnlich wie der „Westfalengruß“. Wie schwierig ein Marsch ist, hängt unter anderem von der Zahl der Stimmen, dem Tempo und dem Rhythmuswechsel ab, wissen die Experten. Zu den Märschen, die im St.-Lambertus-Spielmannszug hingegen schon recht früh gelehrt werden, zählt etwa „In die weite Welt“ und „Preußens Gloria“. Wer gerne früh aufsteht, der ist als Spielmannszugmitglied ganz klar im Vorteil: 4.45 Uhr Antreten heißt es nämlich zum großen Fest, so auch wieder am morgigen Sonntag und am Montag zu den Weckrufen. Zudem ist Ausdauer gefragt, denn bei der Proklamation am Sonntag um 22.30 Uhr darf die festliche musikalische Begleitung nicht fehlen. Für manch einen aber hat das Ritual am Morgen seinen ganz eigenen Reiz: mit dem Genuss der traditionellen Suppe, mit der besonderen Stimmung des erwachenden Tags und der Menschen in ihren Häusern und dem fröhlichen Miteinander. Pro Jahr ist der Spielmannszug St. Lambertus bei etwa 25 öffentlichen Auftritten gefragt, dazu zählen nicht nur Schützenfeste, sondern auch Rosenmontagszüge, etwa in Rietberg. Doch nun gilt die volle Aufmerksamkeit dem eigenen Jahresereignis. Trommelwirbel, Flötenklang: Konzentration steht den Musikern ins Gesicht geschrieben, als sie auf dem von grünen Bäumen umstandenen Übungsplatz den Große Zapfenstreich proben. Das Fest kann kommen. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen.

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