Kein Eis in der Staubwüste
Bild: Nienaber
Kein Zuckerschlecken: Die aktuelle Baustellensituation an der Hauptstraße macht Eiskonditor Carmelo Sanfilippo zu schaffen. Er wolle zunächst juristische Schritte prüfen. Sein Eiscafé „Capri“ an der Hauptstraße werde mit großer Wahrscheinlichkeit dieses Jahr geschlossen bleiben.  
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„Ich kann nicht sagen, ob ich dieses Jahr auch nur eine Kugel Eis an dieser Stelle verkaufen werde“, sagt der Geschäftsmann. Seit 2004 ist der erfahrene Gastronom, der seit 1988 in der Branche ist, als Eiskonditor in der Gemeinde ansässig. Seit 2009 ist das Haus Hauptstraße 25 Adresse für Freunde des süßen Gaumenschmauses. Wie lange das noch so sein wird, weiß er nicht. Sanfilippo fühlt sich von der Baustellensituation im Herzen Langenbergs aus unternehmerischer Sicht in die Enge getrieben. 2015, im Jahr des Startschusses der Hauptstraßensanierung, habe er sein „Capri“ noch einigermaßen durch die Saison bringen können.

2016 sah das laut Sanfilippo schon ganz anders aus. „Als Eiscafé sind wir auf die Außengastwirtschaft in der kurzen Saison angewiesen. Mit dem zweiten Bauabschnitt wurden wir Gewerbetreibenden im Zentrum in weiten Teilen von der Außenwelt abgeschnitten“, betont der 53-Jährige, der in Rietberg zwei weitere Betriebe führt. Die, die es bis in die Nähe seines Cafés geschafft hätten, hätten dann auch noch wenig Interesse daran gezeigt, in staubiger Baustellenluft dem frostigen Lutschvergnügen zu frönen. Und mit jedem Blick aus dem Fenster seines Gastraums werde ihm klarer: „Dieses Jahr kann ich abhaken.“

Das bestehende Pachtverhältnis könnten der Geschäftsmann mit italienischen Wurzeln oder der Besitzer der Immobilie normalerweise mit mindestens sechsmonatiger Vorlaufzeit zum Jahresende aufkündigen. „Aber was ist in Langenberg dieser Tage schon normal?“, fragt sich Carmelo Sanfilippo. Er wolle weiterhin gern in der Gemeinde Eis verkaufen, „aber nicht um jeden Preis“. Ein Angebot für einen zwischenzeitlichen Umzug in den ehemaligen Combi-Markt liege ihm zwar vor. Sanfilippos Interesse an einer solchen Interimslösung seien aber eindeutig beschränkt. So oder so sehe er nicht ein, dass er „als kleinstes Rad im Getriebe der Leidtragende“ ist. Bis nicht feststehe, dass jemand für seinen Schaden aufkommt, werde er alles darum geben, dass es so kommt. Um Druck auszuüben, werde er auch noch Pachtrückstände einbehalten, obwohl das eigentlich nicht seine Art sei.

Im Stich gelassen fühlt sich Carmelo Sanfilippo von der Gemeinde. Die Bekundungen der Bürgermeisterin, man brauche die Gewerbetreibenden und Gastronomen im Ort und diese mögen doch bitte durchhalten, sind für den 53-Jährigen Schall und Rauch. „Es ist nicht in Ordnung, auf der einen Seite so etwas zu sagen und es auf der anderen Seite den Unternehmern zu überlassen, wie sie die Suppe auslöffeln können“, sagt der Eiskonditor und Betreiber einer Pizzeria. Er erwarte, dass die Gemeinde, insbesondere Bürgermeisterin Susanne Mittag, und der Kreis mehr Druck auf das Straßenbauunternehmen ausüben und in Regress nehmen. Er wolle zunächst juristische Schritte prüfen. Sein Eiscafé „Capri“ an der Hauptstraße werde mit großer Wahrscheinlichkeit, „zu 90 Prozent“, dieses Jahr geschlossen bleiben. Ob, wann und wo Carmelo Sanfilippo 2018 in Langenberg Eis produzieren und verkaufen wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Er habe sich in den vergangenen Jahren einen Ruf bei den Bürgern der Gemeinde erarbeitet, den er nicht sang- und klanglos aufgeben wolle. Von daher hoffe er darauf, „dass das derzeitige Trauerspiel möglichst schnell ein gutes Ende nehmen wird“.

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