Klare Absage an Gesamtschule
Bild: Schulte-Nölle
Keine weiteren Experimente will die CDU am Schulstandort Bentelerstraße zulassen. Kinder und Eltern bräuchten jetzt Kontinuität – und keine Überlegungen hinsichtlich einer Gesamtschule mit angeschlossener gymnasialer Oberstufe. Teile der UWG standen dem Thema offener gegenüber. 
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Für beide Vorschläge der Gemeindeverwaltung fand sich in der Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses am Donnerstagabend keine Mehrheit. Auf wenig fruchtbaren Boden fielen die Argumente von Bürgermeisterin Susanne Mittag (UWG) und Gemeinschaftsschulleiterin Anette Drescher. Beide hatten sich für die Beantragung einer weiteren Ausnahmegenehmigung bei der Bezirksregierung zur Bildung von vier fünften Klassen zum Unterrichtsjahr 2015/16 stark gemacht und darüber hinaus gefordert, in Detmold die Chancen für die Gründung einer Gesamtschule auszuloten.

Steigende Anmeldezahlen erwartet

Hintergrund für die Überlegungen sind die steigenden Schülerzahlen. Für das Jahr 2015/16 rechnet die Gemeinde mit 109 Kindern, die nach dem vierten Grundschuljahr auf eine weiterführende Bildungseinrichtung wechseln werden. Die Gemeinschaftsschule könnte jedoch nur 75 Jungen und Mädchen aufnehmen, wenn es bei der ursprünglichen Dreizügigkeit bleibt. Denn die Zahl der Kinder pro Klasse ist auf 25 begrenzt.

Hohe Umbaukosten

Die neuerliche Aufstockung der Klassenzahl wäre jedoch nur im Zusammenspiel mit baulichen Veränderungen im Schulzentrum zu haben. Weil bereits in den Unterrichtsjahren 2013/14 und 2014/15 mit der Zustimmung der Bezirksregierung jeweils eine zusätzliche fünfte Klasse eingerichtet worden sei, werde der Platz langsam knapp, informierte Anette Drescher die Ausschussmitglieder.

Fast 174.000 Euro kämen nach Expertenschätzung auf die Gemeinde zu, um den Gebäudekomplex fit für eine zusätzliche überplanmäßige Klasse zu machen. Die meisten Kosten würden dabei auf die Ausgliederung des Werkraums in die zurzeit nicht genutzte ehemalige Küche der Mehrzweckhalle entfallen. Der bisherige Werkraum könnte im Gegenzug zu einem Klassenraum mit angeschlossenem Differenzierungs- und Abteilungsleiterzimmer umgewandelt werden.

„Chance nicht vergeben“

In einer im Auftrag der Elternvertretung ihrer Bildungseinrichtung vorgelesenen Stellungnahme warb Gemeinschaftsschulleiterin Anette Drescher (Bild) für die Umwandlung in eine dauerhaft vierzügige Gesamtschule mit angeschlossener zweizügiger gymnasialer Oberstufe. Der Wunsch vieler Eltern, hochwertige Bildungsabschlüsse wie das Abitur vor Ort in Langenberg anzubieten, sei eindeutig erkennbar. Die notwendigen Umbau- und Ausbaukosten – bei 174.000 Euro für den ersten Schritt werde es wohl nicht bleiben – seien gut investiertes Geld in die Zukunft der Kinder.

Ausdrücklich warnte Anette Drescher davor, zum kommenden Schuljahr keine Vierzügigkeit zu ermöglichen. Denn durchgängig vier Parallelklassen pro Jahrgang seien die Grundvoraussetzung für die spätere Genehmigung einer Gesamtschule. „Wir sollten uns diese Chance nicht verbauen“, sagte sie.

Schulstandort soll fit für die Zukunft werden

Eine Lanze für die Vierzügigkeit im Jahr 2015/16 sowie für die Fortsetzung der Überlegungen in Hinblick auf Gründung einer Gesamtschule brach auch Bürgermeisterin Susanne Mittag. Mit der Voranfrage bei der Bezirksregierung sei schließlich noch keine Entscheidung verbunden. Es gelte, den Schulstandort Langenberg fit für die kommenden 20 oder 30 Jahre zu machen. „Wir haben uns etwas aufgebaut, das in Langenberg und darüber hinaus Anerkennung findet“, sagte die Rathauschefin. In Anbetracht der Tatsache, dass in allen Nachbarkommunen die Gesamtschulen aus dem Boden sprießen, müsse man sich ernsthaft fragen, ob die geplante Umwandlung der Gesamt- in eine Sekundarschule ohne eigene Oberstufe ausreiche, um die Bildungseinrichtung dauerhaft zu sichern. Wenn Kinder aus den umliegenden Gemeinden aufgrund der begrenzten Platzzahl künftig abgewiesen werde müssten, sei die Signalwirkung fatal, unterstrich Susanne Mittag.

Von weiteren Umwälzungen in der Schullandschaft sei fest auszugehen, „insbesondere im Süden von Wiedenbrück“, betonte Dr. Thomas Wöhning (UWG). In der Vergangenheit sei man in Langenberg gut damit gefahren, der Entwicklung immer zwei bis drei Schritte voraus gewesen zu sein. Die Bereitschaft, das Wagnis Gesamtschule einzugehen, sei bei einem Großteil der UWG-Fraktion gegeben. Jahr für Jahr wechselten Kinder aus Rietberg oder Bad Waldliesborn auf die Gemeinschaftsschule, darauf gelte es aufzubauen.

„Für Langenberg eine Nummer zu groß“

Burkhard Grewing (CDU) warnte vor allzu großer Euphorie. Die Kosten für die Einrichtung einer Gesamtschule seien immens, „und für Langenberg eine Nummer zu groß“. Die vorhandenen 75 Plätze pro Jahrgang an der Gemeinschaftsschule reichten aus, um alle Jungen und Mädchen aus der Gemeinde aufzunehmen. Wenn Interessenten von auswärts abgewiesen werden müssten, sei das zwar bedauerlich, „aber kein Beinbruch“. Darüber hinaus wies Grewing darauf hin, dass die Schülerzahlen ab 2016/17 aufgrund des demografischen Wandels sinken werden. „Wenn wir eine Gesamtschule bilden, würden wir ein Vermögen dafür ausgeben, um Kinder von auswärts zu beschulen“, sagte er.

Zweifel am Oberstufen-Potenzial der Gemeinde

Edgar Klose (Grüne) hielt es für unwahrscheinlich, dass für 100 Kinder pro Jahrgang sowie eine Oberstufe in Langenberg genügend Potenzial gegeben sei. „Das können wir aus eigener Kraft nicht darstellen.“ Auch Lukas Valentin Micke (SPD) hegte „ernste Zweifel“, dass eine Oberstufe in Langenberg genügend Zuspruch finden werde – gerade angesichts der Konkurrenz durch Gesamtschulen und Gymnasien in der Nachbarschaft.

Monika Düsing (CDU) war überzeugt, dass die Schule in ihrer jetzigen Form als dreizügige Einrichtung dauerhaft ein Zugpferd bleibe. Zudem wünschten sich die Eltern eine Stabilisierung der Schulsituation und keine weiteren Experimente. „Es muss endlich Ruhe einkehren“, unterstrich Monika Düsing. Ihre Fraktionskollegin Helge Rix gab zu bedenken, dass eine Oberstufe mit nur zwei Zügen unattraktiv sei, weil die Kursuswahlmöglichkeiten eingeschränkt seien.

Politik sagt ja zum Kunstraum

Keine Mehrheit fand sich letztlich für die erneute Aufstockung der Gemeinschaftsschule zum Jahr 2015/16 auf vier fünfte Klassen. Abgelehnt wurde ebenso der Vorschlag, die Bürgermeisterin mit der Auslotung der Voraussetzungen zur Bildung einer Gesamtschule bei der Bezirksregierung zu beauftragen. Nur für die 7300 Euro teure Sanierung des Kunstraums gab es grünes Licht.

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